Hintergrund
Die Münze: Kaum ein Gegenstand steckt so häufig in unseren Taschen — und kaum etwas hat die Menschheitsgeschichte so nachhaltig geprägt. Dennoch werden Münzen im Geschichtsunterricht selten als Lehrmittel oder Quellen gewürdigt; ihre Auswertung bleibt höchstens eine Randerscheinung.
Der unmittelbare Umgang mit Münzen schärft jedoch fachliches Wissen, historische Sensibilität und das Verständnis materieller Kultur. Vor dem Hintergrund, dass die Geschichtswissenschaft zunehmend die Aufgabe hat, Forschungsergebnisse einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, bieten Münzen aufgrund ihrer Materialität sowie der großen Zahl von Sammlern und interessierten Laien ein ausgeprägtes Vermittlungspotenzial.
Lehrveranstaltung
Mit dieser Lehrveranstaltung und dank einer Finanzierung aus dem Qualitätsfonds für die Lehre wird erstmals ein einführender Kurs in Numismatik an der Universität Bielefeld angeboten, der programmatisch einen innovativen didaktischen Charakter verfolgt. Ziel ist es, das Potenzial dieser sogenannten „Hilfswissenschaft“ sowie ihren Mehrwert für (1) historisches Wissen und (2) Lehr- und Vermittlungsinitiativen praktisch und reflexiv aufzuzeigen.
Über das Erlernen der wissenschaftlichen Methode der Numismatik hinaus zielt das Hauptmodul pädagogisch darauf ab, fachliche Kompetenzen mit kommunikativen Fähigkeiten zu verknüpfen, die beruflich immer zentraler werden. Die Teilnehmenden üben, wissenschaftliche Befunde knapp und verständlich aufzubereiten und für ein nicht-akademisches Publikum zugänglich zu machen. Die erworbenen Fähigkeiten sind unmittelbar auf weitere Herausforderungen und Vermittlungsformate (etwa wissenschaftliche Poster oder Podcasts) übertragbar. So soll die Lehrveranstaltung das Kompetenzprofil der Studierenden um überfachliche, transferierbare sowie publikums- und lehrorientierte Fertigkeiten erweitern.
1) Wissen
Grundlegendes fachliches und technisches Wissen zur Numismatik wird vermittelt; parallel dazu zeigen Münz- und Geldgeschichte sowie ausgewählte Fallbeispiele die Vielgestaltigkeit von Münzen als historische Zeugnisse. Die Teilnehmenden werden befähigt, sich mit numismatischen Fragestellungen auseinanderzusetzen, Münzen eigenständig zu identifizieren, zu beschreiben und für eigene Projekte auszuwerten. Die Teilnehmenden werden mit Fachinstrumenten und Repliken üben. Während einer Exkursion nach Hannover — einem wichtigen Standort für Numismatik in Deutschland — wenden die Studierenden ihre erworbenen Kenntnisse praktisch im Museum August Kestner an. Dort bestimmen sie auch die antike Münze, die sie für Studien- und Prüfungsleistungen auswerten sollen.
2) Vermittlung
Die Teilnehmenden werden im Rahmen dieser Lehrveranstaltung und als Teil ihrer Studienleistung Videoclips erstellen, in denen sie publikumswirksam die Bedeutung ihrer Münze anhand ihrer Fragestellung erläutern. Vor der Aufnahme finden Proben statt, um Experten- und Peer-Feedback zu erhalten. Die Clips werden auf einer ad-hoc eingerichteten Uni-Projektseite sowie auf YouTube und Instagram unter dem Arbeitstitel „Geschichte zum Anfassen“ veröffentlicht.
Die Aufnahmen werden im BITS-SPACE in Kooperation mit der Abteilung eLearning.Medien realisiert. Diese stellt die technische Infrastruktur und schult die Studierenden zur möglichst eigenständigen Arbeit.
Die Videos werden zusätzlich, gemeinsam mit Begleit- und Berichtsmaterialien, zur Langzeitarchivierung sowie zur Wiederverwendung für Lehrende als OER in ORCA.nrw hinterlegt. DSGVO-Vorgaben werden eingehalten und Einverständniserklärungen vor der Produktion eingeholt.
3) „Numismatikerleben“
An der Lehrveranstaltung werden mehrere externe, fachkundige Gäste teilnehmen. Sie bringen unterschiedliche, jedoch ergänzende Expertise in musealer Sammlungspflege, Vermittlung, Digitalisierungsstrategien und Forschungsansätzen ein und können realistische Einblicke in berufsrelevante Einsatzfelder der Numismatik bieten.
Achtung: Das Seminar und die gleichnamige Historische Orientierung 220040 bilden einen vierstündigen Block und müssen beide zusammen besucht werden! Auf Fragen und Probleme, die sich aus dem Versäumen von einzelnen Sitzungen oder einer ganzen Hälfte des Moduls ergeben, wird keinerlei Rücksicht genommen.
Für die Teilnahme am Kurs ist ein abgeschlossenes Grundmodul ‚Antike‘ erforderlich; darauf aufbauend werden fundierte Überblickskenntnisse zu den Epochen der Antike vorausgesetzt.
Kenntnisse in Latein und Altgriechisch sind willkommen, da sie die Arbeit mit Primärtexten erleichtern, jedoch nicht zwingend notwendig. Sehr wünschenswert sind Fremdsprachenkenntnisse (Französisch, Italienisch, Spanisch — Englisch wird natürlich vorausgesetzt).
Entscheidender sind vor allem Seriosität, Motivation und die Bereitschaft, sich aktiv und kritisch mit den Kursinhalten sowie den didaktischen Formaten auseinanderzusetzen.
Verschiedene Handbücher zur Numismatik vermitteln allgemeine und grundlegende Kenntnisse zur Disziplin, die den Studierenden auch im Rahmen der Lehrveranstaltung beigebracht werden. Handbücher können dennoch eine zusätzliche Stütze bieten, insbesondere bei der selbstständigen Arbeit mit wissenschaftlichen Werken und Aufsätzen numismatischen Charakters. Empfohlen werden folgende Handbücher und Orientierungswerke:
Weitere Einführungs- und Überblicksliteratur sowie grundlegende Werke zu einzelnen Epochen oder Münzprägungen werden in der Lehrveranstaltung vorgestellt und diskutiert.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Di | 12:00-14:00 | 13.04.-24.07.2026 | An einem Dienstag in Juni soll eine eintägige Exkursion nach Hannover stattfinden |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
|
22-3.1
Hauptmodul Vormoderne
Hauptmodul Vormoderne
3.1.2 |
Seminar Vormoderne | Studienleistung
benotete Prüfungsleistung |
Studieninformation |
|
22-3.8
Wahlfreies Hauptmodul
Wahlfreies Hauptmodul
3.1.2 |
Seminar | Studienleistung
benotete Prüfungsleistung |
Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.