Die Massenmedien gelten heute in der politikwissenschaftlichen und kommunikationswissenschaftlichen Forschung wie in der publizistischen Debatte als zentraler Faktor, auf den Politik sich einstellen muss und längst eingestellt hat. Damit geht oft der Vorwurf der Inszenierung oder gar der Manipulation einher. Dem liegt implizit oder explizit die Unterscheidung zwischen einer wirklichen politischen Wirklichkeit und einer massenmedial verzerrten politischen Wirklichkeit zugrunde. In der Veranstaltung soll die Plausibilität einer solchen Unterscheidung diskutiert werden. Als Rahmen dafür dient die systemtheoretische Beschreibung der Massenmedien, die davon ausgeht, dass Politik und Massenmedien als zwei Funktionssysteme der modernen Gesellschaft zu begreifen sind und ihre je eigenen Wirklichkeiten erzeugen, die sich in ihrem Realitäts- oder Authentizitätsgrad nicht unterscheiden und sich durch das jeweils andere System nur irritieren lassen.
Die systemtheoretische Auffassung wendet sich damit ausdrücklich gegen akteurszentrierte Beschreibungen, die in symbiotischen Tauschbeziehungen zwischen Journalisten und Politikern oder unterschiedlichen Ressourcenausstattungen von Akteuren den Schlüssel zum Verständnis der Massenmedien und ihres Verhältnisses zur Politik suchen. Vor diesem Hintergrund wird es in der Veranstaltung immer wieder darum gehen, systemtheoretische Texte mit solchen zu konfrontieren, die auf akteurstheoretischer Basis bestimmte Aspekte des Verhältnisses von Politik und Massenmedien untersuchen, etwa den Einfluss der Massenmedien auf die individuelle Wahlentscheidung oder die Unterschiede zwischen den Mediensystemen verschiedener Länder. Ziel ist dabei einerseits, danach zu fragen, was die Systemtheorie zum Verständnis solcher Forschungsergebnisse beitragen kann. Andererseits geht es aber auch darum zu prüfen, wie gut derartige Ergebnisse mit Annahmen der Systemtheorie vereinbar sind oder ob sie eine theoretische Präzisierung bzw. Modifizierung nötig machen.
Hallin, D.C./Mancini, P., 2004: Comparing Media Systems. Three Models of Media and Politics. Cambridge (et al.): Cambridge University Press
Luhmann, N., 1996: Die Realität der Massenmedien. 2., erw. Aufl., Opladen: Westdeutscher Verlag
Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum |
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Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
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Politische Kommunikation / Master | (Einschreibung bis SoSe 2013) | 2.1 | |||||
Soziologie / Master | (Einschreibung bis SoSe 2012) | Modul 3.2 | 3 | (bei Einzelleistung 3 LP zusätzlich) |