Diese Veranstaltung ist als Grundkurs des Praxisschwerpunktes "Soziale Probleme und Problemintervention" konzipiert. Die Lernziele des Seminars sind im Einzelnen im Curriculum des Praxisschwerpunktes beschrieben.
Soziale Kontrolle kann als ein zentraler Grundbegriff der Soziologie aufgefaßt werden, mit dem u.a. Probleme der sozialen Ordnung und der Integration, des abweichenden Verhaltens und des sozialen Wandels analysiert werden können. In diesem Sinne ist soziale Kontrolle allgegenwärtig und zentraler Bestandteil allen sozialen Daseins. Sie kann auf verschiedenen Ebenen analysiert werden: in der Interaktion von Individuen, auf der Ebene von Organisationen als Instanzen sozialer Kontrolle und auf der Ebene gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen. Bezogen auf diese Ebenen werden in der Veranstaltung jeweils die Prozesse sozialer Kontrolle sowie die entsprechenden Methoden zu ihrer empirischen Erforschung dargestellt.
Neben der Darstellung und Analyse zentraler Theorien liegt ein weiterer Schwerpunkt des Seminars in einer beispielhaften Anwendung und Analyse der Theorien und Methoden auf bzw. von zentralen Feldern der Problemintervention und -prävention. Neben den Problemen der sozialen Kontrolle im Bereich des abweichenden Verhaltens (u.a. Familie, Polizei, Justiz, Psychiatrie) werden dabei - je nach Interesse der Studierenden - auch Probleminterventionen im Rahmen der Kriminalpolitik, der Sozialpolitik, der Medizin und der psychosozialen Versorgung unter dem Aspekt der sozialen Kontrolle thematisiert.
Ablaufplan zur Veranstaltung
"Soziologie sozialer Ordnung und sozialer Kontrolle" im SS2006
(N.N)
Do: 10-14 Uhr; Sprechstunde: wird noch bekannt gegeben (U5-205)
1) 06. 04. 2006: Vorbesprechung
2) 13. 04. 2006: Geschichte des Konzepts und Dimensionen sozialer Kontrolle
a) Geschichte des Konzepts "Soziale Kontrolle": Ältere Beiträge (Janowitz; Gibbs/Clark; Wolff)
b) Dimensionen und Fragestellungen einer Soziologie sozialer Kontrolle (Horwitz, Black)
3) 20. 04. 2006: Die Thematisierung sozialer Kontrolle in den Arbeiten soziologischer "Klassiker" I:
a) Durkheim
b) M. Weber
4) 27. 04. 2006:Die Thematisierung sozialer Kontrolle in den Arbeiten soziologischer "Klassiker" II:
b) Mead
c) Elias
5) 04. 05. 2006:Soziale Kontrolle in der neueren Gesellschaftstheorie
a) Die systemtheoretische Perspektive am Beispiel Talcott Parsons
b) Soziale Kontrolle in den Arbeiten Foucaults
6) 11. 05. 2006: Soziale Kontrolle und gesellschaftliche Transformationsprozesse
a) Soziale Disziplinierung und Kapitalismus (Melossi/Pavarini; Treiber/Steinert; Österreich)
b) Individualisierung, Pluralisierung, Soziale Desorganisation (Heitmeyer et al.)
7) 18. 05. 2006: Kontrolltheorien abweichenden Verhaltens
a) Hirschi's "Causes of Delinquency" und ihre empirische Prüfung in der neueren Forschung
b) Die Theorie der differentiellen sozialen Kontrolle (Heimer/Matsueda)
8) 01. 06. 2006: Selbstkontrolle und abweichendes Verhalten: "A General Theory of Crime"
a) Gottfredson/Hirschi
b) Empirische Prüfungen
9) 08. 06. 2006: Ethnographien sozialer Kontrollprozesse
a) Die Arbeit der Polizei (Feest; Girtler; Manning; Hüttermann)
b) Soziale Kontrolle in der stationären Psychiatrie (Flöthmann; Fengler/Fengler; Goffman)
10) 22.06.2006: Die Theorie der Strafe aus der Sicht der Rechtsphilosophie und der Soziologie
a) Kant, Hegel, Mead, Jakobs etc.
b) Die Theorie der Positiven Generalprävention (Schumann; Vanberg)
11) 29. 06. 2006: Strafrechtliche Sanktionierung und das Problem der selektiven Sanktionierung durch die Justiz
a) Staatsanwaltliche Entscheidungspraxis (Langer)
b) Strafrichterliche Entscheidungen (Streng; Schott; Peters; Lautmann; Hagan)
12) 06.07. 2006: Strafrechtliche Sozialkontrolle und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
a) Die Entwicklung der Punitivität in Abhängigkeit von sozio-ökonomischen Bedingungen
b) Punitivität und Furcht vor Kriminalität (Kury, Boers, Reuband)
13) 13.07.2006: Die Wirkung des Strafvollzugs bzw. des Behandlungsvollzugs: Evaluationsstudien
a) Strafvollzug und/oder b) Behandlungsvollzug
b) Alternativen zum Strafvollzug: 1) Diversion etc., 2.) Elektronische Fußfessel, etc.
Die geplante Veranstaltung setzt eine grundlegende Vertrautheit mit der Soziologie abweichenden Verhaltens voraus.
Literatur: Kurzübersicht (ausführliche Liste wird nachgereicht und in das Blackboard gestellt):
Black,D., Hrsg., Toward a General Theory of Social Control, 2 Bde., Orlando.
Bridges, G. S.; Myers, M. A., Hrsg., 1994: Inequality, Crime and Social Control, Boulder etc.
Davis, N.;Stasz, C., 1990: Social Control of Deviance, New York.
Garland, D., 1990: Punishment and Modern Society, Oxford.
Garland, D., 2001: The Culture of Control. Crime and Social Order in Contemporary Society, Chicago.
Gibbs, Jack P., 1989: Control. Sociology's Central Notion, Urbana - Chicago.
Hahn, K., 1995: Soziale Kontrolle und Individualisierung. Zur Theorie moderner Ordnungsbildung, Opladen.
Horwitz, A.V., 1990: The Logic of Social Control, New York-London.
Janowitz, M., 1973: Wissenschaftshistorischer Überblick zur Entwicklung des Grundbegriffs "Soziale Kontrolle", Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Bd. 25, S. 499-514.
Malinowski, P.; Münch, U., 1975: Soziale Kontrolle, Neuwied.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Do | 14-18 | C01-249 | 06.04.-13.07.2006 |
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| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Pädagogik / Erziehungswissenschaft / Diplom | (Einschreibung bis SoSe 2008) | H.S.2 | Wahlpflicht | HS | |||
| Sozialwissenschaften / Lehramt Sekundarstufe I | B2 | Wahlpflicht | HS | ||||
| Sozialwissenschaften / Lehramt Sekundarstufe II | B2 | Wahlpflicht | HS | ||||
| Soziologie | Nebenfach | 2.2.1 | Wahlpflicht | HS | |||
| Soziologie / Diplom | (Einschreibung bis SoSe 2005) | 2.2.1 | Wahlpflicht | HS | |||
| Soziologie (Nebenfach) / Magister | 2.2.1 | Wahlpflicht | HS | ||||
| Soziologie (2. Hauptfach) / Magister | 2.2.1 | Wahlpflicht | HS |