300033 Grundkurs Forschungs- und Technologiepolitik (S) (SoSe 2006)

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Hinweis für Studierende des MA HPSS:
Eine Leistungsbescheinigung kann entweder für eine Hausarbeit, ein Referat (bzw. vergleichbare Leistung) oder eine aktive Teilnahme ausgestellt werden. Die Leistungspunkte (12 LP) werden erst nach Absolvierung aller Einzelleistungen der drei Lehrveranstaltungen des Moduls vergeben.


Modul Wissenschaftsorganisation und Wissenschaftspolitik

Grundkurs: Forschungs- und Technologiepolitik

Wissenschafts- und Technologiepolitik ist ein vergleichsweise junger Politikbereich, der erst nach dem Ende des 2. Weltkriegs entstanden ist. In dem Maße, in dem die modernen Industriegesellschaften zunehmend wissensbasiert werden und die Forschung eine zentrale Bedeutung für die Innovationsfähigkeit dieser Gesellschaften gewinnt, wird auch die Bedeutung dieses Politikbereichs weiter zunehmen.

Die jüngste Zeit (ca. 1920-2000) ist durch eine dramatische Veränderung des Verhältnisses von Wissenschaft und Gesellschaft gekennzeichnet, die ihrerseits neue Formen der Kopplung zwischen Wissenschaft und Politik hervorgebracht hat. Die Wissenschaft (Physik) ist aufgrund ihrer Instrumentalisierung für militärische Zwecke (Atombombe) nach dem 2. Weltkrieg industrialisiert worden und hat eine zentrale Rolle in der technischen Entwicklung (Kernenergie, Computer) gespielt. Diese Entwicklungen sind in den westlichen Industrieländern maßgeblich durch staatliche Förderungsprogramme für die Forschung initiiert worden. Seither ist Wissenschafts- und Technologiepolitik fester Bestandteil staatlicher Innovations- und Wirtschaftsförderung. Im Kontext des Kalten Kriegs war die vorherrschende Legitimationsformel der öffentlichen Finanzierung gleichwohl die einer weitgehend selbstkontrollierten Grundlagenforschung als Basis nachgeordneter wirtschaftlicher Nützlichkeit.
Seit Ende des Kalten Kriegs ist die Legitimierung auf den Nachweis unmittelbarer Nützlichkeit umgestellt worden. Inzwischen ist die Biochemie zur Leitwissenschaft geworden. Ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion haben einerseits eine neue Perspektive industrieller Umsetzung von Forschung (bis hin zu neuen Kooperationsformen zwischen Industrie und Universitäten) eröffnet. Andererseits haben die bahnbrechenden Entwicklungen in der Humanmedizin (die Entschlüsselung des menschlichen Genoms!) und in der Reproduktionsbiologie tiefgreifende ethische Dilemmata aufgeworfen.
Die Diskussionen um die Folgen bestimmter Technologien (z.B. Kernenergie) für die Umwelt seit den 1970er Jahren und die Debatten um die ethischen Implikationen bestimmter Forschungszweige (z.B. Humangenomforschung) seit den 1980er Jahren reflektieren eine neuartige Beteiligung der Bevölkerung an der Wissenschaftspolitik, die zur Etablierung reflexiver Mechanismen geführt hat: Technikfolgenabschätzung und Ethikkommissionen. Die TA-Agenturen ebenso wie die von Ethikkommissionen gehören aufgrund ihrer Funktion in der Regulierung von Forschung inzwischen zur Wissenschaftspolitik. Zugleich sind sie in ihrer Funktion als Quellen der Politikberatung auch prominente Beispiele des Einsatz von Wissenschaft in der Politikberatung.
Die Wissenschaft ist also auf zwei verschiedene Weisen mit der Politik gekoppelt: als Gegenstand bzw. Feld der Politik und als Instrument. In der Wissenschaftsforschung (social studies of science) hat sich deshalb die Unterscheidung zwischen der ¿Wissenschaft für die Politik¿ (science for policy) und der ¿Politik für die Wissenschaft¿ etabliert. Damit soll keine scharfe Trennung markiert werden, sondern nur eine analytische Unterscheidung. In etwas abstrakterer Form (und nicht deckungsgleich) wird auch zwischen Prozessen der Verwissenschaftlichung der Politik und der gegenläufigen Politisierung der Wissenschaft unterschieden. Damit wird auf der einen Seite der seit mindestens der Mitte des 20. Jahrhunderts zu beobachtende Bedeutungszuwachs der Wissenschaft in der Informierung und Begründung politischer Entscheidungen sowie in der Gestaltung der politischen Agenda bezeichnet. Auf der anderen Seite werden damit die Einbeziehung der Wissenschaft in politische Konflikte und die Folgen für die gesellschaftliche Anerkennung und Glaubwürdigkeit der Wissenschaft fokussiert (HPSS: s. Modul Wissenschaft und Gesellschaft ¿ Wissensgesellschaft. Hier geht es vorrangig um die ¿Politik für die Wissenschaft¿. Die Grenzen zum angrenzenden Bereich der ¿Wissenschaft für die Politik¿ werden jedoch an verschiedenen Stellen überschritten.).

Das Seminar führt in die Grundlagen der F&T Politik ein.
Gegenstand der Veranstaltung ist zuerst die ¿Politik für die Wissenschaft¿, d.h. die politischen Rahmenbedingungen und Legitimationsweisen staatlicher Wissenschaftsförderung, die interne Funktionsweise der Wissenschaft als soziales System und als Objekt der Wissenschaftspolitik, die Organisationsstrukturen der Forschung und Lehre und die Instrumente staatlicher und privater Wissenschafts- und Innovationsförderung. In einem zweiten Teil geht es um die reflexiven Mechanismen der Wissenschaftspolitik, d.h. die Bedingungen und Instrumente die Einbettungen von Wissenschaft und Technik in die Gesellschaft: Technikfolgenabschätzung, Evaluation der Wissenschaft und ethische Kontrollen der Forschung (Ethikkommissionen). Zusammen mit den traditionellen Bereichen der Regulierungspolitik sind inzwischen die wichtigsten Aspekte der ¿Wissenschaft für die Politik¿.

Themenbereiche:
I.
Instrumente und Verfahren der Steuerung von Wissenschaft:Wissenschafts- und Innovationspolitik

  • das Forschungssystem und die Institutionen der Wissenschaftspolitik
  • Nationale Innovationssysteme ¿ Theorie und Indikatoren
  • Interne Funktionsmechanismen der Wissenschaft, Peer Review und quantitative Methoden der externen Evaluierung

II.

  • Technologische Risiken, Risikokommunikation und Technikfolgenabschätzung

Gesellschaftliche Wahrnehmung von Chancen und Risiken neuer Technologien

  • Formen der gesellschaftlichen Beteiligung an Wissenschaftspolitik ¿ Von der Gegenexpertise bis zur Konsensuskonferenz

Bibliography

A. Elzinga, Changing Policy Agendas in Science and Technology, in: S. Jasanoff et al.,Handbook of Science and Technology Studies, London: Sage, 1995,
Das Wissenschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland - Institutionen und Funktionen:
BM für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie Hrsg. Bundesbericht Forschung 1996, Bonn 1996, 57 - 129.
Forschungs- und Technologiepolitik in der Bundesrepublik Deutschland
W. Krull, F. Meyer-Kramer, Science and Technology in Germany (new edition), London: Cartermill, 1996, bes. Kap. 1, S. 3-30.
Prinzipien und Instrumente der Forschungsförderung - Von der Selbststeuerung zu staatlichen Forschungsprogrammen
F. Neidhardt, Selbststeuerung in der Forschungsförderung, Opladen 1988, Kap., 1,2,5,6.
Evaluation und Prospektion der Forschung
Stefan Hornbostel, Wissenschaftsindikatoren: Bewertungen in der Wissenschaft, Opladen: Westdeutscher Verlag, 1997.
Verhältnis von Wissenschaft und Wirtschaft
B. Smith, C. Barfield (eds.), Technology, R&D and the Economy, Washington: Brookings, 1996, Kap. 3,4,5.
Das Konzept der ¿Nationalen Innovations-Systeme¿
P. Patel, K. Pavitt, National Innovation Systems: why they are important and how they might be measured, in: Economic Innovation and New Technologies, 3, 1994, 77-95;
Wissenschaftliche Politikberatung - Konzepte, Funktionen, Probleme
M. Thunert, Politikberatung in der Bundesrepublik Deutschland seit 1949, in: Demokratie und Politik in der Bundesrepublik, 1949-1999 (2001), S. 223-242.
Wissenschaftliche Expertise und politische Regulierung von Risiken
T. O¿Riordan, B. Wynne, Die Regulierung von Umweltrisiken im internationalen Vergleich, in: W. Krohn, G. Krücken Hrsg., Riskante Technologien: Reflexion und Regulation, Frankfurt /M., 1993, 186-216.
Politikberatung und Partizipation der Bürger ¿ pTA
G. Abels, A. Bora, Demokratische Technikbewertung, Bielefeld: transcript, 2004, 5-34; 90-102

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weekly Mo 14-16 U6-211 03.04.-10.07.2006

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History, Philosophy and Sociology of Science / Master (Enrollment until SoSe 2014) Hauptmodul 4 Wahlpflicht 1. 2. scheinfähig HS
Pädagogik / Erziehungswissenschaft / Diplom (Enrollment until SoSe 2008) H.S.2 Wahlpflicht HS
Soziologie Nebenfach Wahlpflicht HS
Soziologie / Diplom (Enrollment until SoSe 2005) 2.2.4 (DPO02) Wahlpflicht HS
Soziologie (Nebenfach) / Magister Wahlpflicht HS
Soziologie (2. Hauptfach) / Magister Wahlpflicht HS

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Type(s) / SWS (hours per week per semester)
seminar (S) / 2
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