230133 Um 1650: Ethik und Ästhetik der Tyrannis im barocken Trauerspiel (S) (WiSe 2025/2026)

Inhalt, Kommentar

Ein Kaiser wird am Heiligen Abend von seinem Gegenspieler vor dem Altar ermordet, eine Kö-nigin vom affektgeleiteten Herrscher eingekerkert, gefoltert und verbrannt, und mehr noch: ein Kaiser in all seiner Durchtriebenheit und Perversion als Tyrann par excellence gezeichnet, der selbst vor grausamem Muttermord nicht zurückschreckt. Mit Fug und Recht kann man behaup-ten: Im barocken Trauerspiel sind die Tyrannen los! In den Trauerspielen eines Gryphius oder Lohenstein sind Figurationen des Bösen in mannigfaltiger Prägung präsent, wobei insbesondere der Tyrann prägnant hervortritt. Das malum, das Luther als „böse Gefühlsausrichtung des Geis-tes, durch die der Mensch geneigt ist, das Böse zu tun“ (WA 56, 187) charakterisiert und dessen Grundsätze die Lutheraner Gryphius und Lohenstein aufgreifen, zeigt sich hier in spezifischer Verknüpfung mit Macht- und Herrschaftsfragen. Dabei geht das Wissen um das Böse nach W. Benjamin jeder künstlerischen Anstrengung voraus.
Im Seminar fokussieren wir die Frage, welche ethischen und ästhetischen Implikationen mit der theatralen Gestaltung des Bösen bzw. des Tyrannen verbunden sind. Ausgehen wollen wir von der Handlungs- und Darstellungsebene ausgewählter Trauerspiele (Gryphius: ‚Leo Armenius oder Fürsten-Mord‘ [1650], Gryphius: ‚Catharina von Georgien oder Bewehrte Beständigkeit‘ [1657], Lohenstein: ‚Agrippina‘ [1665]). Sodann nehmen wir die Vorstellung des menschlichen Lebens als Trauerspiel in den Blick, ist das Konzept des theatrum mundi doch deutlich mit einer didaktischen Funktion des Theaters verknüpft. Welche Gestaltungsmittel arbeiten einer Ethik und Ästhetik der Tyrannis zu? Und in welchen konkreten historischen Kontexten sind diese virulent? Ziel ist es, unter den Voraussetzungen frühneuzeitlicher Wissensbestände, die spezifische Ethik und Ästhetik der Tyrannis als einer Form des menschlich Bösen zu beschreiben und zu deuten.

Literaturangaben

Zur Lektüre und zur Anschaffung:
Gryphius, Andreas: Catharina von Georgien. Trauerspiel. Hrsg. von Alois M. Haas. Bibliogr. erg. Ausg. Stuttgart 2020 [1975] (RUB 14009).
Gryphius, Andreas: Leo Armenius. Trauerspiel. Hrsg. von Peter Rusterholz. Stuttgart 1971 (RUB 7960).
Casper von Lohenstein, DanieL: Sophonisbe. Hrsg. von Rolf Tarot. Stuttgart 2020 (RUB 14234).
Gottsched, Johann Christoph: Sterbender Cato. Hrsg. von Horst Steinmetz mit einem Nachwort von Romana Weiershausen. Stuttgart 2020 (RUB 14008).

Lehrende

Termine ( Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Format / Ort Zeitraum  
wöchentlich Do 12-14 X-E0-212 13.10.2025-06.02.2026

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Modul Veranstaltung Leistungen  
23-GER-BasLit Basismodul Literaturwissenschaft: Historische Aspekte der Literatur: Epochen und Epochenumbrüche Seminar zur deutschen Literaturgeschichte Studienleistung
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- benotete Prüfungsleistung Studieninformation

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Letzte Änderung Grunddaten/Lehrende:
Mittwoch, 16. Juli 2025 
Letzte Änderung Zeiten:
Mittwoch, 13. August 2025 
Letzte Änderung Räume:
Mittwoch, 13. August 2025 
Art(en) / SWS
Seminar (S) / 2
Einrichtung
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
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