Im Seminar untersuchen wir interdisziplinär aus soziologischer und geschichtswissenschaftlicher Perspektive die Entstehung und Transformation von Konzepten von trans* im 20. Jahrhundert im Kontext von Sexualwissenschaft, Medizin, Aktivismus und Öffentlichkeit in Europa und den USA. Trans* fungiert im Seminartitel als analytischer Oberbegriff für Lebensweisen, die sich jenseits hegemonialer Geschlechtervorstellungen verorten lassen. Zugleich wird historisiert, dass sich dieser Begriff erst seit den 2010er Jahren verstärkt etabliert hat (Schirmer/Hoenes 2019), während zuvor insbesondere die Konzepte Transvestismus, Transsexualität und Transgender diskursprägend waren. Das Seminar fragt danach, in welchen historischen Konstellationen diese Begriffe entstanden, wie sie jeweils definiert wurden, welche gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Aushandlungsprozesse sich in ihnen spiegeln und wie konkrete trans* Lebensweisen darin verhandelt wurden.
Methodisch orientiert sich das Seminar an zentralen Ansätzen der Trans* History, wie sie in den Methoden- und Theoriedebatten der letzten Jahre entwickelt wurden. Dazu zählen begriffsgeschichtliche Zugänge, die historische Wandelbarkeit von Kategorien ernst nehmen, ebenso wie wissens- und diskursgeschichtliche Perspektiven, die die Produktion von Geschlecht im Zusammenspiel von Wissenschaft, Recht, Verwaltung und medialer Öffentlichkeit analysieren. Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie sich normative Ordnungen in Archiven sedimentieren und welche Stimmen dadurch sichtbar oder unsichtbar werden. Damit verbunden sind Überlegungen zu queeren und trans* Archivpolitiken sowie zu einer kritischen, machtsensiblen Lektüre von Quellen. Schlüsseltexte – etwa von Magnus Hirschfeld – dienen dabei zugleich als konzeptioneller Zugang und als historische Quelle, die im jeweiligen Entstehungskontext analysiert werden. Neben theoretischen Perspektiven stehen auch praktische Herausforderungen der Erforschung von trans* Geschichte im Mittelpunkt: Fragen der Quellenlage, der Selbst- und Fremdbezeichnung, der Anachronismusproblematik sowie der ethischen Verantwortung im Umgang mit sensiblen Materialien. Ziel ist es, trans* Geschichte nicht als lineare Fortschrittserzählung, sondern als konfliktreiche, von Brüchen und Machtverhältnissen geprägte Geschichte zu rekonstruieren und methodisch reflektiert zu analysieren.
Einführende Literatur:
Herrn, Rainer (2012): Ver-körperungen des anderen Geschlechts - Transvestitismus und Transsexualität historisch betrachtet, URL: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/135444/ver-koerperungen-des-anderen-geschlechts-transvestitismus-und-transsexualitaet-historisch-betrachtet/.
Hoenes, Josch; Schirmer, Utan (2019): Transgender/Transsexualität: Forschungsperspektiven und Herausforderungen. In: Beate Kortendiek, Birgit Riegraf und Katja Sabisch (Hg.): Handbuch Interdis-ziplinäre Geschlechterforschung, Bd. 65. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, S. 1203–1212
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| einmalig | Mo | 16-18 | 12.10.2026 | Einführung | |
| einmalig | Do | 9-16 | 05.11.2026 | ||
| einmalig | Fr | 9-16 | 06.11.2026 | ||
| einmalig | Do | 9-16 | 19.11.2026 | ||
| einmalig | Fr | 9-13 | 20.11.2026 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 22-2.1 Theoriemodul | Grundseminar Theorien in der Geschichtswissenschaft | benotete Prüfungsleistung
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Studieninformation |
| 30-M26 Fachmodul Geschlechterforschung und Geschlechterverhältnisse | Einführung (Seminar 1) | Studienleistung
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Studieninformation |
| Vertiefung (Seminar 2) | Studienleistung
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Studieninformation | |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.