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250110 Einführung in die Sequenzanalyse qualitativer Interviews, Gruppendiskussionen und Gespräche mit Hilfe der objektiven (strukturalen) Hermeneutik (S+Ü) (SoSe 2015)

Inhalt, Kommentar

Das zentrale Ziel des Seminars ist es, Ihnen als Studierenden zum Einen eine Einführung in die methodologischen und forschungsmethodischen Grundlagen der Sequenzanalyse anhand der Objektiven Hermeneutik von Ulrich Oevermann zu geben. Zum Anderen werden an konkreten Anwendungsbeispielen die dazugehörigen Techniken der Auswertung von Texten vermittelt. Bei den Texten handelt es sich um ausgewählte Passagen aus leitfadengestützten qualitativen Interviews, aus Gruppendiskussionen und aus Gesprächen. Die Sequenzanalyse folgt aufgrund der Beschaffenheit der hier vorliegenden Erhebungsdaten exakt der zeitlichen Abfolge des Geschehens beim Interview, bei der Diskussion oder beim Gespräch. Es wird also beispielsweise in kleinen Analyseschritten der Prozess der Gestaltung von Interaktionen zwischen den TeilnehmerInnen der Gruppendiskussion untereinander bzw. die daraus entstehenden Textproduktionen rekonstruiert. Dabei werden einzelne transkribierte Sprecheinheiten (z.B. Wörter, Satzteile, ganze Sätze der abgelaufenen Diskussion zu einem vorgegebenen Thema) Zug um Zug interpretiert. Dieses Vorgehen verhindert, dass einzelne Aussagen willkürlich aus ihrem Kontext heraus gerissen werden und ihnen auf dieser Grundlage ein anderer Sinngehalt zugewiesen wird. Die von den AuswerterInnen produzierten Deutungen einer Textpassage nennt man "Lesarten".

Welche der jeweils sukzessive produzierten Lesarten angemessen sind und welche falsifiziert werden müssen, wird im Lichte der darauf folgenden Diskussionsbeiträge der TeilnehmerInnen entschieden, so dass sich schließlich am Ende der ausgewählten Textsequenz bzw. des dazugehörigen Interpretationsprozesses aus den dann verbleibenden Lesarten eine Hypothese über die "Botschaft" bzw. den Sinn formulieren lässt, welcher der Passage aus der Gruppendiskussion oder aus dem Interview oder aus dem Gespräch zugrunde liegt.

Das Erkenntnisziel der Auswertung besteht also darin, die verinnerlichten regelhaften soziokulturellen Muster der Akteure - z.B. der TeilnehmerInnen einer Gruppendiskussion - aus ihren Beiträgen zu einem Thema zu rekonstruieren.

Diese aufgedeckten Wahrnehmungs-, Deutungs- und Handlungsmuster werden auch als latente Sinnstrukturen bezeichnet, weil sie durch Sozialisationsprozesse derart tief verankert sind, dass sie gleichsam "hinter dem Rücken der Akteure" wirken, d.h. ohne dass sie den miteinander kommunizierenden Personen in ihrem alltäglichen Handeln intentional bewusst sind.

Teilnahmevoraussetzungen, notwendige Vorkenntnisse

a) Master of Arts: Voraussetzung ist die Zulassung zum Master of Arts Erziehungswissenschaft
b) DSE-Studium: Vordiplom

Literaturangaben

Garz, D./Kraimer, K. (1994) (Hrsg.:). Die Welt als Text. Theorie, Kritik und Praxis der objektiven Hermeneutik. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Kleemann, Frank/Krähnke, Uwe/Matuschek, Ingo (2013): Interpretative Sozialforschung. Eine praxisorientierte Einführung. Mit CD-ROM bzw. Online-Zusatzmaterial, 2. Aufl. Wiesbaden: Springer VS: Kap. 4: Objektive Hermeneutik, S. 111-152.
Oevermann, Ulrich (2000): Die Methode der Fallrekonstruktion in der Grundlagenforschung sowie der klinischen und pädagogischen Praxis. In: Kraimer, K. (Hrsg.): die Fallrekonstruktion. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 58-153.
Przyborski, Aglaja/Wohlrab-Sahr, Monika (2014): Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch. 4. Aufl. München: Oldenbourg, darin: Kap. 5.3: Objektive Hermeneutik, S. 246-277.
Reichertz, Jo (1997): Objektive Hermeneutik. In: Hitzler, R./Honer, A. (Hrsg.): Sozialwissenschaftliche Hermeneutik. Eine Einführung. Opladen: Leske + Budrich, S. 31-56.
Wernet, Andreas (2009): Einführung in die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik. 3. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Lehrende

Termine (Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Ort Zeitraum  
wöchentlich Mo 14-16 U2-205 13.04.2015-13.07.2015
nicht am: 25.05.15

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Klausuren

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Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
25-ME2 Methodologien und Methoden empirischer Forschung E1: Methodologien und Methoden qualitativer Forschung Studienleistung
unbenotete Prüfungsleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation
25-MEW2b Methodologien und Methoden empirischer Sozialforschung E1: Wissenschaftstheorie Studienleistung
Studieninformation
veranstaltungsübergreifend unbenotete Prüfungsleistung benotete Prüfungsleistung Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.

Studiengang/-angebot Gültigkeit Variante Untergliederung Status Sem. LP  
Pädagogik / Erziehungswissenschaft / Diplom (Einschreibung bis SoSe 2008) H.3.4   scheinfähig  
Konkretisierung der Anforderungen

a) Studienleistung:
Interpretation und Analyse von Textsequenzen in Form von Gruppenarbeiten (Übungen), die während der Seminarsitzungen ausgewertet und protokolliert werden müssen.

b) DSE-Studium: Vergabe eines Leistungsnachweises ("Scheines"): siehe unter (c)

c) Modulprüfung (benotete/unbenotete Einzelleistung):
Schriftliche Ausarbeitung im Umfang von ca. 10 Seiten: Sequenzanalytische Interpretation einer Passage aus einer Gruppendiskussion oder aus einem Interview oder aus einem Gespräch und ihre Verdichtung zu einer Hypothese über eine latente Sinnstruktur sowie deren Einbettung in einen entsprechenden theoretischen Zusammenhang aus den Sozial-/Erziehungswissenschaften.

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