In den letzten Jahrzehnten hat sich in kulturwissenschaftlich ausgerichteter Literaturwissenschaft, Science Studies und Wissenschaftsgeschichte die Überzeugung gefestigt, daß zwischen literarischem und naturwissenschaftlich-medizinischem Denken bzw. Schreiben enge Verbindungen bestehen. Das Seminar geht davon aus, daß Wissen hergestellt wird, indem Szenarien entworfen und Zusammenhänge imaginiert werden. Deshalb sind narrative Elemente und Erzählstrategien unabhängig vom disziplinären Kontext von besonderer Bedeutung; sie spielen sowohl in Belletristik, Spielfilm und populärer Berichterstattung als auch in den so genannten ¿harten Wissenschaften¿ eine zentrale Rolle. Eng verbunden mit dieser Perspektive ist eine Neubewertung der Kategorie "Fiktion". Fiktionen kommen nicht nur in literarischen Texten zum Einsatz, sondern auch, wenn Forschungsberichte neben der Vermittlung "gesicherter Fakten" zukünftige Einsatzgebiete entwerfen, sowie in Form von "Gedankenspielen" und "Arbeitshypothesen" auf der Ebene der Generierung von Wissen.
Mit der Ausdifferenzierung der Wissenschaften am Ende des 18. Jahrhunderts haben sich scheinbar "zwei Kulturen" (Naturwissenschaften versus Geisteswissenschaften / Kultur) entwickelt. Wir wollen im Seminar dieses Wissenschaftsverständnis kritisch beleuchten, indem wir die Bedeutung von Fiktionen und Fiktivem als Bindeglied zwischen Literatur und Wissenschaften herausarbeiten und an exemplarischen Texten die Rolle von rhetorischen Figuren für Erkennen und Erzählen verdeutlichen. Inwiefern können Literatur und Wissenschaften als interaktive Schauplätze einer gemeinsamen Wissenskultur und ihrer Geschichte verstanden werden? Welche Wechselwirkungen und welche Abgrenzungsstrategien gibt es? Im Mittelpunkt stehen "Erzählungen vom Menschen" mit ihren je eigenen Schwerpunkten vom frühen 19. Jahrhundert bis ins gegenwärtige Zeitalter biomedizinischer und genetischer Eingriffe.
Wir erwarten die Bereitschaft, anspruchsvolle theoretische Texte (z.T. auch in englischer Sprache) sowie literarische Werke (Essays, Gedichte, Dramen, Erzählungen und Romanauszüge u.a. von Goethe, Büchner, Benn, Grünbein, Draesner und Nancy) aufmerksam zu lesen und zu diskutieren. Die meisten Materialien werden zu Beginn der Veranstaltung in einem Reader zur Verfügung gestellt. Zur Einführung empfehlen wir Nicolas Pethes: "Poetik / Wissen: Konzeptionen eines problematischen Transfers". In: Gabriele Brandstetter und Gerhard Neumann (Hg.): Romantische Wissenspoetik: Die Künste und die Wissenschaften um 1800. Würzburg 2004, S. 341-372.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum |
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| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
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| Germanistik / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | BaGerPoB2; BaGerP2S | 4/4 | |||
| Germanistik / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | BaGerPoB2; BaGerP2S | 4/4 | ||||
| Germanistik (GHR) / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | BaGerPoB2; BaGerP2S | 4/4 | |||
| Germanistik (GHR) / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | BaGerPoB2; BaGerP2S | 4/4 | ||||
| History, Philosophy and Sociology of Science / Master | (Einschreibung bis SoSe 2014) | Hauptmodul 3 | Wahl | 1. 2. 3. 4. | scheinfähig HS | ||
| Studieren ab 50 |