Im Mittelpunkt des modernen Lateinunterrichts stehen die Erschließung, Übersetzung und Interpretation von Texten. Dabei wird in den neuen Kerncurricula und Lehrplänen der Blick verstärkt darauf gerichtet, was heutige Schülerinnen und Schüler nach einem festgelegten Zeitraum können bzw. welches Kompetenzniveau sie erreicht haben sollen. Da dem Kompetenzfeld „Interpretation“ -insbesondere in der Lektürephase- eine unbestrittene Schlüsselfunktion zukommt, ist es eine der Kernaufgaben heutiger Lateinlehrerinnen und -lehrer, ihren Schülerinnen und Schülern so früh wie möglich ein methodisches Repertoire an die Hand zu geben, um eine angemessene, fundierte Textinterpretation zu gewährleisten.
Während in den anderen Fremdsprachen, aber auch in der Germanistik bereits seit längerem literaturtheoretische Konzepte für die Textanalyse im Unterricht nutzbar gemacht werden, weist die Altertumskunde erhebliche Defizite im Hinblick auf ein theoretisches und methodisches Bewusstsein auf. Hier will die oben angezeigte Lehrveranstaltung ansetzen: Es sollen den Studierenden verschiedene hermeneutische Ansätze bewusst gemacht und ihre unterrichtliche Praktikabilität an antiken Texten erprobt werden. So soll sicher gestellt werden, dass das inhaltliche Potenzial antiker Texte besser ausgeschöpft wird, was den Studierenden sowohl in ihrer momentanen universitären Ausbildung als auch in der späteren Unterrichtspraxis zugute kommen soll.
Für die konkrete Unterrichtspraxis ist nicht nur die Aneignung eines klassischen Sprachgebrauchs durch die Lektüre der einschlägigen lateinischen Texte, sondern auch ein vertieftes Verständnis hinsichtlich der Textpragmatik und der Erzähltechnik des jeweiligen Autors entscheidend. Ferner ist im heutigen Schulalltag die Reflexion über den eigentlichen Bildungswert bzw. die didaktische Relevanz der behandelten Inhalte zwingend notwendig. Es zeigt sich in der Unterrichtswirklichkeit immer mehr, dass heutige Lehrerinnen und Lehrer in der Lage sein müssen, z. B. durch ideologiekritische Lektüre und sorgfältige narratologische Analyse der Leserlenkung das kritische Potenzial des Lateinunterrichts zu verdeutlichen.
Da sich die Lehrveranstaltung -wie oben angedeutet- gänzlich an der heutigen Schulwirklichkeit ausrichtet und auf die Erlangung bzw. Schärfung heutiger Schlüsselqualifikationen, zu denen die Interpretation von Texten unbestreitbar gehört, abzielt, werden vor allem diejenigen Autoren in den Blick genommen, die in den aktuellen Kerncurricula, Lehrplänen und Abiturrichtlinien fest verankert sind (Cicero; Caesar; Ovid; Vergil; Livius; Seneca; der jüngere Plinius).
Neben der Textinterpretation, welche den Schwerpunkt der gemeinsamen Seminararbeit bilden soll, steht die Texterschließung im Fokus. Sowohl die satzübergreifende als auch die ganzheitliche Texterschließung gehören zu den noch relativ jungen neuen Entwicklungen der lateinischen Fachdidaktik. Da diese Methoden umstritten sind und von vielen Lateinkolleginnen und -kollegen wegen vermeintlich mangelnder Praktikabilität abgelehnt werden, ist es zwingend erforderlich, die verschiedenen Texterschließungsmethoden sowohl theoretisch als auch praktisch zu überblicken und kritisch zu überdenken.
In den Plenumssitzungen werden neben der theoretischen Reflexion der verschiedenen Aspekte der Texterschließung bzw. Textinterpretation sowohl gemeinschaftlich als auch arbeitsteilig Sequenzen und Einzelstunden zu Schlüsselthemen des lateinischen Grammatik- und Lektüreunterrichts im Hinblick auf die spätere Unterrichtspraxis erstellt und analysiert.
Eine gegliederte Themenliste wird in der konstituierenden Seminarsitzung am 12.04.2013 von dem Dozenten vorgestellt.
Einschlägige Literatur wird in der konstituierenden Seminarsitzung am 12.04.2013 von dem Dozenten vorgestellt.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum |
|---|
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 23-LAT-LatPM3 Die Vermittlung lateinisch-römischer Sprache, Literatur und Kultur in der Schule: Fachdidaktische Grundlagen, Methoden und ihre Anwendung Die Vermittlung lateinisch-römischer Sprache, Literatur und Kultur in der Schule: Fachdidaktische Grundlagen, Methoden und ihre Anwendung | Grundlagen der lateinischen Fachdidaktik: Texterschließung und Textinterpretation | Studieninformation | |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Latein: Die römische Literatur, Kultur und Gesellschaft im europäischen Kontext / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Nebenfach | BaLatPM4 | 2/4 |
Es wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet, dass sie regelmäßig (!) an den Sitzungen teilnehmen, eigene Vorstellungen entwickeln, in etwaigen Referaten Themen vorstellen und sich aktiv sowie kritisch an den fachdidaktischen Diskussionen beteiligen.