250324 Michel Foucaults "Überwachen und Strafen" - ein Lektürekurs (S) (SoSe 2012)

Inhalt, Kommentar

In diesem Seminar wollen wir gemeinsam das vielleicht bekannteste Buch des französischen Philosophen und politischen Aktivisten Michel Foucault lesen, diskutieren und auf relevante Aspekte für die Erziehungswissenschaft hin prüfen.

Foucault hat sich in seinem vielseitigen und keineswegs einheitlichen Werk besonders mit Macht und Subjektivierung – der Entstehung des „Selbst“ der Individuen – beschäftigt. Ihm geht es dabei darum, ein Verständnis von Macht zu entwickeln, das diese nicht nur im Sinne von Unterdrückung versteht, sondern auch ihren produktiven Charakter berücksichtigt. In Foucaults Theorie wird die Subjektivität der Menschen (also ihr sozial vermitteltes Selbstverständnis) durch Techniken der Macht hervorgebracht.

Im Buch „Überwachen und Strafen“, erschienen 1975, untersucht Foucault, wie diese Machttechniken sich historisch während des Übergangs zur modernen Gesellschaft in Europa herausbildeten. Hier interessiert er sich vor allem für die Systeme des Strafens und Überwachens in den Gefängnissen. Dort werden den Körpern der Individuen kleinteilige Übungen und Routinen auferlegt, welche diese verinnerlichen und durchdringen. Innerhalb dieser Praktiken erst entstehen die Subjekte. Foucault bringt das zunächst folgendermaßen auf den Punkt: „Der Mensch, von dem man uns spricht und zu dessen Befreiung man einlädt, ist bereits in sich das Resultat einer Unterwerfung, die viel tiefer ist als er.“ (ÜuS, S.42).

Pädagogische Handlungsweisen und Institutionen können nach Lesart einiger erziehungswissenschaftlicher Rezeptionen dabei ebenso als subjektivierende Praktiken gedeutet werden. Geht es in der Pädagogik also keineswegs um Ermündigung und Autonomie, wie es das pädagogische Selbstverständnis oftmals nahe legt?

Verschiedene erziehungswissenschaftliche Positionen vertreten jedoch die Ansicht, dass der subversive und kritische Gehalt der Überlegungen Foucaults gerade darin liegt, dass die großen, idealistischen Vorstellungen von „Mündigkeit“ und „Selbstbestimmung“ als machtvolle und subjektivierende Diskurse kritisch beleuchtet werden können. Diesem Spannungsfeld wollen wir uns im Seminar anhand der Lektüre des Buches gemeinsam annähern.

Der Lektürekurs bietet die Möglichkeit, den Text und seinen Autor ausführlich kennen zu lernen und richtet sich ausdrücklich auch an Studierende, die sich noch nicht mit Foucault beschäftigt haben und es bisher eher gewohnt sind, kurze Abschnitte und Aufsätze zu lesen.

Ein Buch zu schreiben, so Foucault sei für ihn eine Form der Erfahrung, aus der er verändert hervorgehe. Vielleicht lässt sich ein wenig davon beim Lesen eines solchen Buches einfangen.

Teilnahmevoraussetzungen, notwendige Vorkenntnisse

Master of Arts: Voraussetzung ist die Zulassung zum Master of Arts Erziehungswissenschaft

Literaturangaben

Foucault, Michel; Seitter, Walter (1977): Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp

Pongratz, Ludwig A.; Wimmer, Michael (Hg.) (2004): Nach Foucault. Diskurs- und machtanalytische Perspektiven der Pädagogik. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss.

Ricken, Norbert; Rieger-Ladich, Markus (Hg.) (2004): Michel Foucault. Pädagogische Lektüren. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss.

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25-MEW1 Allgemeine Grundlagen der Erziehungswissenschaft Allgemeine Grundlagen der Erziehungswissenschaft E2: Historische Bildungsforschung Studienleistung
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E4: Pädagogische Handlungsfelder Studienleistung
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- unbenotete Prüfungsleistung benotete Prüfungsleistung Studieninformation

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Erziehungswissenschaft / Master (Einschreibung bis SoSe 2011) ME 1.2; ME 1.4   3/5 aktive Teilnahme oder EL(u) oder EL(b)  
Gender Studies / Master (Einschreibung bis SoSe 2013)   3 (bei Einzelleistung 3 LP zusätzlich)  

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Seminar (S) / 2
Einrichtung
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