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250275 Radikale Demokratie und plurale Emanzipation: Konzepte für die postmigrantische Gesellschaft? Theoretisch und pädagogisch arbeiten mit der Hegemonie- und Diskurstheorie von Laclau und Mouffe (S) (WiSe 2020/2021)

Inhalt, Kommentar

Anknüpfend an Gramcis Hegemoniebegriff und poststrukturalistische Identitäts- und Differenzvorstellungen entwickelten Laclau und Mouffe in ihrem Grundlagenwerk „Hegemonie und radikale Demokratie“ eine postmarxistische Diskurs-und Hegemonietheorie, die den Anspruch erhebt, sowohl die Eigenständigkeit autonomer Kämpfe wie die der sozialen Bewegungen der 70er und 80er Jahre des 20sten Jahrhunderts anzuerkennen, als auch Bedingungen für ein gesamtgesellschaftliches Emanzipationsprojekt zu formulieren. Im Zentrum ihrer Ausarbeitung des Politischen stehen die Begriffe Hegemonie, Antagonismus und radikale Demokratie.

Radikale Demokratietheorien wie die von Laclau und Mouffe gehen – anders als viele andere emanzipative Politikmodelle – davon aus, dass Gesellschaften immer von Machtverhältnissen, hegemonialen Kämpfen und antagonistischen Grenzziehungen geprägt und strukturiert sind. Das Konzept einer radikalen Demokratie zielt daher nicht auf deren dauerhafte Überwindung, sondern darauf, die hegemonialen Machtverhältnisse aufzubrechen, zu dynamisieren und schließlich neue demokratische Ordnungen zu konstituieren, die jedoch ihrerseits wieder Ausgangspunkt von Ausgrenzungen, Unterdrückung und Diskriminierung sein können und sich der Kritik und Veränderung aussetzen müssen.

Hegemoniale Kämpfe entlang einer antagonistischen Bruchlinie zeichnen sich nach Laclau und Mouffe dadurch aus, dass politische Allianzen zwischen unterschiedlichen Akteuren wie politische Gruppierungen, zivilgesellschaftliche Organisationen oder soziale Bewegungen geknüpft werden, um diese gegenüber einem antagonistischen Außen in Stellung zu bringen. Ein antagonistisches Außen in Form eines zentralen Gegners sei notwendig, um die eigenen Reihen zu schließen und eine transformative Kraft zu entwickeln.

In der Regel lassen sich in einer Gesellschaft eine Vielzahl sozialer Kämpfe und antagonistischer Konflikte identifizieren wie der Klassenkampf, der Geschlechterkonflikt oder rassistische Ein- und Ausgrenzungen. Die Erfolgsaussichten eines gegen-hegemonialen Projekts sind nach Laclau und Mouffe umso aussichtsreicher, je länger die Kette jener politischen Akteure ist, die sich zu einem Bündnis zusammen geschlossen haben, um eine hegemoniale Ordnung herauszufordern. Von einer neuen Hegemonie kann aber erst dann gesprochen werden, wenn es einem politischen Bündnis gelingt, dass seine Ideen, Vorstellungen und Forderungen in der Gesellschaft als erstrebenswerte Alternative zur hegemonialen Ordnung wahrgenommen und als Ausdruck des allgemeinen Interesses angesehen werden.

In einer zugespitzten und polarisierten Situation, wie wir sie derzeit durch den erstarkten Rechtspopulismus und Rechtsextremismus erleben, kann aber auch die gesamte Gesellschaft von einem Antagonismus gespalten werden. Aus postmigrantischer Perspektive konstatiert Naika Foroutan einen gesamtgesellschaftlichen Kernkonflikt, der sich nur vordergründig um Migration drehe. Hinter der Migrationsfrage stehe, so Foroutan, der übergeordnete Konflikt zwischen Befürworter*innen und Gegner*innen einer pluralen Gesellschaft. Ihrer Auffassung nach stehen Migrant*innen stellvertretend für sexuelle, religiöse, soziale und kulturelle Minderheiten, die alle von der pluralen Demokratie das Versprechen auf Gleichheit, Partizipation und Anerkennung einfordern. Diese pluralen Aushandlungskonflikte verschärfen sich zwar in Folge von Migration, finden aber auch statt, wenn nichtmigrantische Gruppen aus einer marginalisierten Position heraus Ansprüche geltend machen.

Der postmigrantische Antagonismus zeichnet sich also dadurch aus, dass sich auf der einen Seite all diejenigen versammeln, die sich für gemischte Lebensformen, hybride Identitäten und die Anerkennung pluraler Normen einsetzen. Diese Seite kämpft für die Ausweitung demokratischer Rechte auf alle, die sich als Teil einer politischen Gemeinschaft verstehen und von Entscheidungen dieser Gemeinschaft strukturelle betroffen sind. Auf der anderen Seite stehen all jene, die ihre nationalen, geschlechtlichen oder sozialen Privilegien durch die plurale Demokratie bedroht sehen und entsprechend auf die Schließung nationalstaatlicher Grenzen, homogene Identitäten und exklusive Staatsbürgerschaftsrechte pochen.

Der radikaldemokratische Ansatz von Laclau und Mouffe bietet für eine postmigrantische Praxis ein theoretisches Modell an, wie plurale Kämpfe und lokale Gegenmacht so konzipiert und organisiert werden können, das diese einerseits ihren je spezifischen Charakter bewahren und andererseits aber auch identitätsüberschreitende Bündnisse und kollektive Handlungsfähigkeit ermöglichen.

Die Frage, der wir in diesem Seminar nachgehen wollen ist, ob die Vision einer postmigrantischen und radikalen Demokratie so viel Anziehungskraft und Identifikationsfläche bereitstellen kann, um einen gesellschaftlichen Gegenentwurf zur nationalistisch, rassistisch und (neo)liberal verfassten Demokratie zu repräsentieren. Ziel des Seminars ist es, auf Basis einer hegemonietheoretischen und postmigrantischen Analyseperspektive, produktive Anschlüsse für eine kritische Migrationspädagogik herzustellen und zu diskutieren. Dabei soll das postmigrantische Verhältnis auch als ein pädagogisches Verhältnis verstanden werden, das Lernprozesse zwischen pluralen Akteuren ermöglicht und die Grundlage für neue Bündnisse bereitstellt.

In dieser Veranstaltung findet ein Platzvergabeverfahren statt. Bitte informieren Sie sich hier über den Ablauf: http://www.uni-bielefeld.de/erziehungswissenschaft/bie/faq.html

Teilnahmevoraussetzungen, notwendige Vorkenntnisse

Master of Arts: Voraussetzung ist die Einschreibung im Master of Arts Erziehungswissenschaft im WiSe 2020/2021

Literaturangaben

Wird im Seminar bekannt gegeben.

Lehrende

Termine (Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Ort / Format Zeitraum  
wöchentlich Mi 12-14 ONLINE   04.11.2020-12.02.2021

Klausuren

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25-ME-B4 Inhaltliche Fokussierung E1: Inhaltliche Fokussierung 1 Studienleistung
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25-ME-C1 Historische und systematische Aspekte der Migrationspädagogik, Civic- and International Education E1: Migrationspädagogik and International Education Studienleistung
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25-ME-C1-MGS-wp Historische und systematische Aspekte der Migrationspädagogik, Civic- and International Education E1: Migrationspädagogik and International Education Studienleistung
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veranstaltungsübergreifend benotete Prüfungsleistung Studieninformation
25-ME-C4 Inhaltliche Fokussierung E1: Inhaltliche Fokussierung 1 Studienleistung
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E2: Inhaltliche Fokussierung 2 Studienleistung
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25-ME3 Forschungsprojekt E1: Thematische Einführung Studienleistung
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25-ME3-IT Forschungsprojekt E1: Thematische Einführung Studienleistung
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25-UFP6-C Fachbezogene Vertiefung: Migrationspädagogik, Civic- and International Education E1: Migrationspädagogik and International Education Studienleistung
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30-MGS-3 Hauptmodul 2: Sozialisation und Bildung Seminar 1 Studienleistung
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Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.

Konkretisierung der Anforderungen

Interesse auch theoretische Texte zu lesen und zu diskutieren.

Das Seminar findet z.T. digital, live (Zoom) zur genannten Zeit & z.T. digital, im Selbststudium und in Gruppenarbeiten (online synchron und asynchron) statt.

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