2002 wurde der Philosoph Jacques Derrida in einem Interview gefragt, was er in einer TV Dokumentation über die Philosophen Heidegger, Kant oder Hegel gerne sehen würde. Er antwortete: "Their sex-lives [...] because it is not something they talk about."
Die Weltliteratur hingegen redet seit über 2000 Jahren genau darüber. Erotik und Sexualität sind Themen, die ähnlich prominent sind wie Liebe, Tod und Hass. Bereits in der Antike prägen sich neben den „hohen“ Gattungen eigene Formen der Erotica aus, die quer, um nicht zu sagen, horizontal, zur klassischen Gattungstrias stehen.
Erotische Dichtung, also Dichtung, in der Sexualität eine hervorgehobene Rolle spielt, findet sich in Lyrik, Prosa und Dramatik. Dabei ist die Spannbreite dieser Dichtung weit: von derb-sexualisiert über sinnlich-frivol bis pornographisch werden erotische Leidenschaften in nahezu allen Facetten dargestellt. Bereits ein flüchtiger Blick in den Quellenbestand der erotischen Dichtung zeigt, dass diese Spannbreite im 1. Jahrhundert vor Christus ebenso wie im 17. und 21. Jahrhundert zu finden ist.
Im Seminar wollen wir einige der bekanntesten Texte der erotischen Literatur von der Antike bis zur Gegenwart lesen. Zu einem sollen dabei bestimmte Gattungsmerkmale herausgearbeiet werden, zum anderen aber auch nach den historisch unterschiedlichen Repräsentationsformen der erotischen Literatur gefragt werden. Welche ‚Funktion‘ hat erotische Dichtung eigentlich im Literatur- und Gesellschaftssystem? Diese Frage wird nur mit Blick auf die jeweilige historische Situiertheit der Texte zu beantworten sein (Ändern sich etwa die Genderkonstrukte in der erotischen Literatur für Frauen in der Gegenwärt im Vergleich zur Tradition?).
Gelesen werden lyrische und epische Texte von Properz, Salomon, Ovid, Boccaccio, J. Secundus, Hoffmannswaldau, Fleming, Scheffner, Bürger, Stolberg, Goethe, Maler Müller, F. Schlegel, Heine, de Sade, Sacher-Masoch, Schnitzler, Salten, Benn, Brecht, Blei, Kästner, Thurn/Foregger, Krolow, Grass, K. Rick, Andresky.
Die Studierenden sollten das achtzehnte Lebensjahr vollendet haben :) Das Basismodul und Fachportal sollten abgeschlossen sein. Ansonsten wird die Bereitschaft zur intensiven Lektüre vorausgesetzt. Einige der Texte sind anzuschaffen.
Encyclopedia of Erotic Literature, hg. von Gaeton Brulotte u. John Phillips. 2 Bde. New York 2006
Bibliotheca Germanorum erotica & curiosa. Verzeichnis der gesamten deutschen erotischen Literatur mit Einschluß der Übersetzungen nebst Beifügung der Originale / hrsg. von Hugo Hayn u. Alfred N. Gotendorf. -Zugl. 3., ungemein verm. Aufl. von Hugo Hayns Bibliotheca Germanorum erotica. Unveränd. Nachdr. d. Ausg. München, 1912 - 1929. München 1968.
Heinz Schlaffer: Musa iocosa. Gattungspoetik und Gattungsgeschichte der erotischen Dichtung in Deutschland. Stuttgart 1917
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Mo | 16-18 | C01-204 | 04.04.-15.07.2011 |
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| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Germanistik / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | BaGerP2S; BaGerP2L | 2/5 | |||
| Germanistik / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | BaGerP2S; BaGerP2L | 2/5 | ||||
| Germanistik (GHR) / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | BaGerP2S; BaGerP2L | 2/5 | ||||
| Literaturwissenschaft / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Nebenfach | BaLitP1; BaLitP2 | 2/4/6 |
Für die "aktive Teilnahme" wird von jedem/r Teilnehmer/in eine kurze Präsentation im Seminar verlangt. Details dazu erfolgen in der ersten Sitzung.
Eine benotete Einzelleistung kann im Anschluss an das Seminar in Form einer Hausarbeit erbracht werden.