Die Lyrik des 19. Jahrhunderts hat ein großes innovatorisches Potential zu bieten. Vom eher gegenstandsbezogenen Gedicht findet eine Entwicklung zur Erfassung dichterischer Subjektivität statt. Das sogenannte "Erlebnisgedicht" (Goethe, Mörike etc.) ist in dieser Hinsicht paradigmatisch. Zugleich wird aber auch die Situation des Künstlers und die der Kunst selbst zu einem Gegenstand der Dichtung (Stichwort: poetologische Lyrik). Auch treten vermehrt experimentelle Formen an die Stelle einer überholten Regelpoetik. Vor dem Hintergrund dieses Paradigmenwechsels sollen entscheidende Stoffe, Themen, Motivformen, Schreibweisen und formal-ästhetische Eigenarten der deutschen Lyrik des 19. Jahrhunderts im europäischen Kontext gemeinsam ermittelt werden. Schwerpunkte werden die literarischen Strömungen der Romantik, des Ästhetizismus und des Realismus bilden, um auf diese Weise die Genese der Lyrik zu einer modernen Literatursprache auch gezielt anhand von Epochenumbrüchen zu ermitteln. Die wesentliche Aufgabe des Seminars wird in konkreter Textarbeit bestehen, so dass die Studierenden einen Einblick in die thematische und formale Vielfalt der lyrischen Strömungen durch eigenes 'close reading' erfahren. Darüber hinaus wird hinsichtlich der Vermittlung dieser Textcorpora im DaF-Unterricht auch nach handlungs- und produktionsorientierten Erschließungsmöglichkeiten gefragt werden. Schülerinnen und Schüler aber auch Studierende im DaF-Bereich haben es hinsichtlich dieser Gattung immer mit einer doppelten Fremdheit zu tun, derjenigen der Sprache und derjenigen der Alterität literarischer Kommunikation. Vor diesem Hintergrund sollen in der Veranstaltung Gedichte gelesen und interpretiert werden von Goethe, Novalis, Tieck, Brentano, Chamisso, Eichendorff, Hölderlin, Lenau, Uhland, Heine, Rückert, Mörike, Keats, Shelley, Poe, Gautier, Baudelaire, Verlaine, Leopardi, Swinburne, Tennyson, C.F. Meyer und Storm. Die Texte werden in Form von Kopien vom Seminarleiter zur Verfügung gestellt und in der Veranstaltung verteilt.
Eine Einführung in die germanistische Literaturwissenschaft ist ebenso wünschenswert wie erste Kenntnisse im Bereich der Lyrikanalyse und Gedichtinterpretation (Terminologie etc.)
1) Martin Anderle: Deutsche Lyrik des 19. Jahrhunderts. Ihre Bildlichkeit: Metapher, Symbol, Evokation, Bonn 1979.
2) Dieter Burdorf: Einführung in die Gedichtanalyse, Stuttgart 1997, zweite Auflage.
3) Thomas Gräff: Lyrik von der Romantik bis zur Jahrhundertwende. Interpretationen, München 2000.
4) Olaf Hildebrand (Hg.): Poetologische Lyrik von Klopstock bis Grünbein. Gedichte und Interpretationen, Köln/Weimar/Wien 2003.
5) Franz-Josef Holznagel/Hans-Georg Kemper u.a.: Geschichte der deutschen Lyrik, Stuttgart 2004.
6) Gerhard Kaiser: Geschichte der deutschen Lyrik von Goethe bis zur Gegenwart, Frankfurt am Main 1996.
7) Steffen Martus/Stefan Scherrer/Claudia Stockinger (Hgg.): Lyrik im 19. Jahrhundert. Gattunspoetik als Reflexionsmedium der Kultur, Frankfurt am Main/Bern/New York 2005.
8) Rolf Selbmann: Die simulierte Wirklichkeit. Zur Lyrik des Realismus, Bielefeld 1999.
9) Eva Volkmer-Burwitz: Tod und Transzendenz in der deutschen, englischen und amerikanischen Lyrik der Romantik und Spätromantik, Frankfurt am Main 1987.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Do | 14-16 | C01-136 | 11.10.2010-04.02.2011 |
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| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Deutsch als Fremdsprache und Deutschstudien / Master | (Einschreibung bis SoSe 2008) | MaDaFBM-Germ | 3/7 | ||||
| Deutsch als Fremdsprache und Germanistik / Master | (Einschreibung bis SoSe 2012) | MaDaFG-Germ | 3/7 | ||||
| Germanistik / Master | (Einschreibung bis SoSe 2008) | MaGer-PB2b | 3/7 |
- Anforderungen an die regelmäßiger und aktive Teilnahme (3 LP):
regelmäßige Anwesenheit, Beteiligung am Seminargespräch und
Vorstellung einer kurzen eigenen Gedichtinterpretation im Plenum
- Anforderungen an eine benotete Einzelleistung (7 LP):
regelmäßige Anwesenheit, Beteiligung am Seminargespräch und
Verfassen einer schriftlichen Hausarbeit im Umfang von 15 Seiten