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250154 Einführung in die sonderpädagogische Diagnostik (S) (WiSe 2019/2020)

Inhalt, Kommentar

Diagnostischen Kompetenzen bei Lehrkräften, hier im spezifischen auch für sonderpädagogisch qualifizierte Lehrkräfte, wird in der Frage um die Qualität von Unterricht und Förderung von Schülerinnen und Schülern mit erschwerten Ausgangsbedingungen für schulisches Lernen besondere Bedeutung beigemessen. Gerade sonderpädagogische Diagnostik befindet sich dabei in einem immanenten Spannungsverhältnis zwischen Selektionsentscheidungen, verstanden als Feststellungsdiagnostik, sowie einer prozessbegleitenden Förderdiagnostik, als Unterstützung für die individuelle Teilhabe an Bildungsprozessen. Diese sowohl in der Praxis wie auch im theoretischen Diskurs bestehende Antinomie diagnostischer Zugangsweisen und Praktiken bildet dabei Ausgangspunkt dieses Seminars, sodass zunächst nach grundsätzlichen Aufgabenfeldern und Zielsetzungen sonderpädagogischer Diagnostik gefragt werden soll. Dabei geht es einerseits um die Bestimmung des damit verbundenen Auftrages, zwischen Ermittlung besonderer Förderbedürfnisse und Begleitung individueller Lernprozesse, und andererseits der Perspektive auf unterschiedliche Ansätze und theoretische Prämissen zur Gestaltung diagnostischer Prozesse. Eng verbunden mit der Frage nach der Qualität sonderpädagogischer Diagnostik, sollen dabei Gütekriterien, sowohl im Sinne der psychologischen Testtheorie wie auch einer auf Verstehen ausgerichteten qualitativen Perspektive auf den Prozess der Diagnostik, thematisiert und diskutiert werden.

Daran anschließend sollen spezifische Aspekte bezogen auf die beiden sonderpädagogischen Förderschwerpunkte der emotionalen und sozialen Entwicklung und des Lernens vertiefend in den Blick genommen werden. Dabei gilt es zu reflektieren, dass je nach wissenschaftstheoretischer Verortung sowie grundlegender Erklärungsansätze sich sehr unterschiedliche Prämissen für das diagnostische Vorgehen ergeben. So ergibt sich neben dem ambivalenten Verhältnis von Selektion und Förderung, auch ein Spannungs- und Diskussionsfeld bezüglich standardisierten (eher psychologisch-orientierten) Verfahren und Metho-den und Zugängen die qualitativ auf das Verstehen kindlicher Lernwege und Verhaltensweisen ausgerichtet sind. Somit werden im Verlauf des Seminars unterschiedliche Zugänge zu den einzelnen Förder- und Entwicklungsbereichen, etwa Möglichkeiten von Verhaltensscreenings, der Entwicklungs- und Intelligenzdiagnostik oder auch systemische Ansätze, vorgestellt und diskutiert werden. Dies ist mit dem Ziel verbunden theoretische und konzepti-onelle Grundlagen für die spätere diagnostische Praxis als Lehrkraft in sonderpädagogi-schen Handlungsfeldern aufzubauen. Anhand einzelner Verfahren sollen dabei Methoden der Datenerhebung, -auswertung und -interpretation erprobt und geübt werden. Dies kann jedoch nur exemplarisch geschehen, wobei eine vertiefende Auseinandersetzung in den Seminaren der weiteren Elemente des Moduls angebahnt wird.

In der abschließenden Auseinandersetzung mit der Perspektive Inklusion kann das zu Beginn eröffnete Problemfeld divergierender Zielsetzungen und Konzeptionen nochmals zuge-spitzt diskutiert werden, da hier wiederum die Frage auftaucht, welche Rolle Diagnostik im Umgang mit kindlicher Heterogenität aber auch schulischen Leistungs- und Verhaltenserwar-tungen, im Sinne schulischer Normalitätsvorstellungen spielt. So wird in der Entwicklung schulischer Inklusion einerseits die Notwendigkeit fundierter Diagnostik immer wieder betont, um eine Legitimation für die Entwicklung individualisierter Curricula und förderpädagogischer Maßnahmen zu entwickeln, andererseits bringt verstärkte Diagnostik Differenzen teils erst verschärft hervor und steht somit im Verdacht Exklusion bzw. Separation zu befördern. Dies soll demnach intensiv auch hinsichtlich der eigenen Rolle als Lehrkraft für sonderpädagogische Förderung diskutiert und reflektiert werden. Perspektivisch werden dazu Möglichkeiten einer engen Verschränkung von Diagnostik und Didaktik im Formen einer lernprozessbegleitenden Diagnostik aufgezeigt werden.

Zum Ende des Seminars sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer somit einen fundierten Überblick über theoretische wie auch handlungsorientierte Konzepte sonderpädagogischer Diagnostik erhalten haben, die helfen professionelles Handeln zu unterstützen und zu einer kritischen Haltung gegenüber dem pädagogisch Wünschenswerten und dem schulsystemisch Geforderten zu ermöglichen.

In dieser Veranstaltung findet ein Platzvergabeverfahren statt. Bitte informieren Sie sich hier über den Ablauf: http://www.uni-bielefeld.de/erziehungswissenschaft/bie/faq.html

Teilnahmevoraussetzungen, notwendige Vorkenntnisse

Master of Education: Voraussetzung ist die Einschreibung im Master of Education - Erziehungswissenschaft Integrierte Sonderpädagogik mit dem Berufsziel Lehramt für sonderpädagogische Förderung im WiSe 2019/20

Es werden grundlegende Kenntnisse zu Aspekten pädagogischer Diagnostik, wie diese Modul "Diagnose und Förderung" (BiWi-11 bzw. BiWi-4) im Rahmen des BA-Bildungswissenschafen erworben werden, vorausgesetzt.

Literaturangaben

Eine umfassende Liste mit Hinweise zur Grundlagenliteratur erhalten Sie zu Beginn des Seminars in der ersten Veranstaltung. Darüber hinaus werden im Seminarplan ein- und weiterführende Text zu den entsprechenden Thematiken ausgewiesen, die zur Vor- und Nachbereitung der einzelnen Sitzungen genutzt werden sollen. Diese Texte sowie weitere Materialien zur Veranstaltung werden Ihnen im Lernraum der bereitgestellt werden.

Lehrende

Termine (Kalendersicht )

Rhythmus Tag Uhrzeit Ort Zeitraum  
wöchentlich Do 16-18 U2-223 10.10.2019-30.01.2020

Klausuren

  • Keine gefunden

Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
25-ISP3 Diagnostik und Förderplanung E1: Einführung in die (sonder)pädagogische Diagnostik Studienleistung
Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.

Konkretisierung der Anforderungen

Anforderung zur Studienleistung:
Ausgehend von einer beispielhaften Fallbeschreibung soll vor dem Hintergrund eines Erklärungsmodells die Skizze eines diagnostischen Prozesses fiktiv entworfen werden, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Ausgangshypothesen, so-wie begründeten Auswahlentscheidungen hinsichtlich des methodischen Vorgehens liegen soll. Abgabe der Skizze ist der 14.02.2020. Nähere Informationen hierzu erfolgen im Seminar.

Lernraum
TeilnehmerInnen
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Änderungen/Aktualität der Veranstaltungsdaten
Sonstiges