Der Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Winnicott interpretierte das kindliche Spiel als ein Handeln im Übergangsbereich. Einer sich hierbei entwickelnden Fähigkeit zur Umdeutung und Neudeutung von Objekten komme dabei eine zentrale Bedeutung als Bedingung für seelische Gesundheit – beispielsweise bei der Bewältigung von Ablösungskrisen - und die spätere schöpferische Teilnahme an der Kultur zu. Eine solchermaßen nicht nur entwicklungspsychologische sondern auch kulturanthropologische Sicht, die der spielerischen Bewältigung des Phänomens der Differenz eine fundamentale kultur- und subjektkonstituierende Leistung zuspricht, zeigt interessante Korrespondenzen mit phänomenologisch und poststrukturalistisch orientierten Philosophien. So gehen bspw. Huizinga und Bataille, von einer Spielgeleitetheit alles Kulturellen im Sinne der Bewältigung einer fundamentalen Kontingenz aus. Bataille argumentiert damit und darüberhinaus in seinem Konzept der Heterologie für eine Zuwendung zum gesellschaftlich Ausgeschlossenen und Heterogenen wobei er der Kunst und dem Künstler das Potenzial zu einer machtlosen Souveränität unterstellt, die subversiv gegenüber gesellschaftlichen Herrschaftsansprüchen wirken könne.
In diesem Seminar soll die Beschäftigung mit verschiedenen theoretischen Diskursen die kulturanthropologische, entwicklungspsychologische sowie die ästhetische Sicht auf das Phänomen des Spiels beleuchten. Dem kindlichen, künstlerischen und kulturpädagogischen Umgang mit den Dingen, dem Spiel/Zeug als ZwischenDing, wird dabei eine besondere erfahrungspraktische und ethnographische Aufmerksamkeit zukommen. Hierbei sollen – ergänzend und verknüpfend mit theoretischem Wissen - Orientierungen und Kriterien für die eigene pädagogische Praxis entwickelt werden.
Master of Arts: Voraussetzung ist die Zulassung zum Master of Arts Erziehungswissenschaft
Die Bereitschaft und Fähigkeit zur eigenständigen Erarbeitung von theoretischen Texten wird vorausgesetzt. Die aktive und verantwortliche Mitgestaltung des Seminars wird ausdrücklich begrüßt, ebenso wie die Bereitschaft, sich auf spielerische Erfahrungssituationen und den künstlerischen Umgang mit Spiel/Zeug einzulassen.
Werner Sesink: Vermittlungen des Selbst. Eine pädagogische Einführung in die psychoanalytische Entwicklungstheorie D. W. Winnicotts, Münster: LIT 2002,
Ebeling, Knuth: Spiel/Zeug – eine Archäologie des homo ludens - http://www.dgae.de/downloads/Knut_Ebeling.pdf 2009
Elisabeth Bange: An den Grenzen der Sprache. Studien zu Bataille. Lang, Frankfurt a.M. 1982
Seitz, Hanne:Räume im Dazwischen. Bewegung, Spiel und Inszenierung im Kontext von ästhetischer Theorie und Praxis, Essen 1996
Christoph Riemer: Playing Arts - Netzwerk Spiel und Kultur http://www.playing-arts.de/index.php
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum |
|---|
| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Erziehungswissenschaft / Master | (Einschreibung bis SoSe 2011) | ME 16.1; ME 16.2; ME 17.1; ME 17.2 | 4 | aktive Teilnahme | |||
| Pädagogik / Erziehungswissenschaft / Diplom | (Einschreibung bis SoSe 2008) | H.1.2; H.2.5; H.2.6; H.3.1 | scheinfähig |
aktive Teilnahme: nachträgliche schriftliche Reflexion des Seminars auf der Grundlage von Protokollnotizen in selbst zu wählenden Aspekten (ca. 4 Seiten) oder Seminarbeitrag ohne Ausarbeitung
Leistungsnachweis DSE: Seminarbeitrag mit Ausarbeitung (ca. 8 Seiten) oder Hausarbeit (ca. 15 Seiten)
Seminarbeiträge können sowohl in der Form eines wissenschaftlichen Referats, der wissenschaftlichen Darstellung und Verteidigung von Thesen zur Thematik des Seminars, in der praktisch-konzeptionellen - auch experimentell-künstlerischen - Vorbereitung und reflexiven Nachbereitung einer Seminarsitzung oder in der Präsentation und kritischen Reflexion eines kulturpädagogischen Projekts bestehen.