Die Wissenschaft der Öffentlichkeit - Die Öffentlichkeit der Wissenschaft
Das Verhältnis der Wissenschaft zu ihrer Öffentlichkeit und dessen Rückwirkungen auf die Wissenschaft genießt seit einigen Jahren besondere Aufmerksamkeit. Der Grund für das gewachsene Interesse ist eine neue gesellschaftliche Stellung der Wissenschaft. Die Wissenschaft existiert in relativer Abgeschiedenheit, ihre internen Operationen bleiben der Öffentlichkeit fremd, bis sie ihre Wirkung in Gestalt konkreter Verfahren und Technologien entfalten, auf die Einfluss zu nehmen dann kaum noch möglich ist. Unterstützung für die Wissenschaft wird durch die Öffentlichkeit notgedrungen weitgehend "auf Kredit" und "guten Glauben" gewährt. Genau das scheint sich aber zu ändern. Die Forderungen seitens der Öffentlichkeit, artikuliert im politischen Diskurs und in den Medien, nach größerem Einfluss werden nachhaltiger.
Zwei wechselseitig voneinander abhängige und aufeinander bezogene Entwicklungen lassen sich unterscheiden. Zum einen wird die Wissenschaft zum Gegenstand medialer Dauerbeobachtung. Die Innenwelt der Wissenschaft, ihre Verfahren der Konfliktlösung und der Qualitätssicherung, die Funktionsweise (und das Versagen!) ihrer Verhaltensnormen, die Konkurrenz der Wissenschaftler um Ansehen und Autorität, werden plötzlich öffentlich gemacht. Dabei wird "die Wissenschaft" in der Öffentlichkeit und durch sie "konstruiert", d.h. auf unterschiedliche Weise imaginiert und repräsentiert. In diesem Sinn kann man von einer Öffentlichkeit der Wissenschaft sprechen.
Zum anderen verändert sich die unter medialer Beobachtung stehende Wissenschaft. Indem sie auf die Erwartungen der Öffentlichkeit reagiert und sich anzupassen sucht, "konstruiert" sie diese, ihre Öffentlichkeit. Diese Konstruktionen spiegelt sie in sich selbst, als Reaktionen auf vorgestellte Erwartungen. Sie wird "medialisiert". In diesem Sinn kann man von einer Wissenschaft der Öffentlichkeit sprechen.
In dem Seminar wird das Verhältnis der Wissenschaft zu ihren Öffentlichkeiten, insbesondere im Spiegel der Medien (Print und TV) theoretisch analysiert und an Fällen untersucht.
Die Veranstaltung wird sowohl für die Wissenschaftssoziologie als auch für die Mediensoziologie geöffnet.
Einführende Literatur: B. Bensaude-Vincent, A genealogy of the increasing gap between science and the public, Public Understanding of Science, 10, 2001, 99-113.
(www.iop.org/Journals/pu)
Peter Weingart, Die Stunde der Wahrheit? Velbrück 2001, Kapitel 6.
| Frequency | Weekday | Time | Format / Place | Period | |
|---|---|---|---|---|---|
| weekly | Di | 10-12 | U6-211 | 12.04.-19.07.2005 |
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| Degree programme/academic programme | Validity | Variant | Subdivision | Status | Semester | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Medienwissenschaft, interdisziplinäre / Master | (Enrollment until SoSe 2014) | Modul 1 | |||||
| Sozialwissenschaften / Lehramt Sekundarstufe I | B2 | Wahlpflicht | HS | ||||
| Sozialwissenschaften / Lehramt Sekundarstufe II | B2 | Wahlpflicht | HS | ||||
| Soziologie / Diplom | (Enrollment until SoSe 2005) | 2.2.4 (DPO02) | Wahlpflicht | HS | |||
| Soziologie / Diplom | (Enrollment until SoSe 2005) | 2.2.5 | Wahlpflicht | HS | |||
| Soziologie / Promotion | Graduierte |