Schon Leonardo da Vinci dienten zufällige Gesteinsstrukturen als Quelle künstlerischer Inspiration, wenngleich er noch weit davon entfernt war, sie als Kunstwerk anzusehen. Erst in der Moderne wurde der Zufall als künstlerisches Prinzip anerkannt. Der Dadaismus erhob ihn explizit zum Stilmittel. Im Surrealismus, dem abstrakten Expressionismus, der Objektkunst, dem Informel oder der konkreten Kunst spielt er eine wichtige Rolle, bis in die zeitgenössische Kunst hinein. In der Musik dagegen scheint sich die Gebundenheit an Formen zunächst hemmend auf zufällige musikalische Strukturen auszuwirken, bis in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit der medialen Wende ein neues Medium für kurze Zeit auch den Zufall in der Musik zum Thema hat.
In dem irrationalen Moment des Zufalls manifestiert sich die Sehnsucht nach einer "anderen Welt", spiegelt sich das Unbewusste wider, kommt eine gleichsam natürliche Kreativität und Ästhetik zum Ausdruck. Dabei wird der Zufall nicht als planloses Geschehen verstanden, wie die allgemeine Bedeutung des Wortes nahe legen würde. Vielmehr offenbart sich in ihm eine übergeordnete Gesetzlichkeit, er ist also durchaus planvoll. In diesem Sinne wird er von zeitgenössischen Künstlern eingesetzt: Otto Piene erklärt lapidar, der Mensch sei ein Stümper, der Natur gelinge es hingegen durch den Zufall, Kunstwerke zu schaffen. Eigene kreative Fähigkeiten werden hier bewusst negiert. Wolf Kahlen geht noch weiter, der "Macherwille" limitiere nicht nur, sondern deformiere die Kunst - den Zufallsformen wird eine höhere Qualität beigemessen. Vor diesem Hintergrund besteht die Aufgabe des Künstlers oder der Künstlerin darin, geeignete Rahmenbedingungen für die bestmögliche Entfaltung der "naturschönen" Strukturen zu schaffen. In diesem Seminar werden die Erscheinungsformen der Zufallsästhetik sowohl für die Musik als auch für die Kunst beobachtet, vor allem aber werden die unterschiedlichen kunst- bzw. musikspezifischen Verständnisse beider Künste thematisiert.
Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
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wöchentlich | Mo | 14-16 | T0-260 | 26.04.-30.07.2004 |
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Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
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Kunst und Musik / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | BT.1 | 3 | ||||
Kunst und Musik / Lehramt Primarstufe | B1; B2 | Pflicht | GS und HS | ||||
Kunstpädagogik / Diplom | Nebenfach | B1; B2 | Pflicht | GS und HS | |||
Kunstpädagogik / Magister | Nebenfach | B1; B2 | Pflicht | GS und HS | |||
Musikpädagogik / Diplom | Nebenfach | B1; B2 | Pflicht | GS und HS | |||
Musikpädagogik / Magister | Nebenfach | B1; B2 | Pflicht | GS und HS |