230703 "Dunkles zu sagen": Ingeborg Bachmann und Paul Celan (S) (SoSe 2009)

Inhalt, Kommentar

Im August 2008 erschien der Briefwechsel zwischen den vielleicht bedeutendsten deutschsprachigen Nachkriegsdichtern Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Bisher waren diese Zeugnisse einer sich als unmöglich herausstellenden Liebe und später einer komplizierten Freundschaft gesperrt. Erst nach Gesprächen der Herausgeber mit der Familie Ingeborg Bachmanns, die die Briefe bislang aufgrund ihrer Intimität unter Verschluß gehalten haben, konnte man sich gemeinsam zu einer Veröffentlichung entschließen.

Ingeborg Bachmann und Paul Celan lernen sich im Mai 1948 in Wien kennen. Es entwickelt sich eine kurze, intensive Beziehung, die sich aber aufgrund unüberwindbarer Differenzen beider, hauptsächlich aus der unterschiedlichen Herkunft resultierend, als unmöglich herausstellen sollte. Ingeborg Bachmann ist Tochter eines früh der NSDAP beigetretenen Lehrers aus Kärnten, der als Offizier aktiv ins Kriegsgeschehen involviert war, Paul Celan ist ein deutschsprachiger Jude aus Czernowitz, dessen Eltern in einem deutschen Konzentrationslager ermordet wurden.

Die Beziehung zwischen der Tätertochter und dem Opfersohn war zum Scheitern verurteilt und sah sich den gleichen Schwierigkeiten ausgesetzt wie die Dichtung beider. So wird in den Briefen nicht nur eine tiefgehende Liebe beider zueinander sichtbar, sondern auch ständig ein poetischer Diskurs geführt. Aber nicht nur dort, sondern auch in der Lyrik und der Prosa selbst wird die Beziehung beider thematisiert und verarbeitet. So schreibt beispielsweise Ingeborg Bachmann in ihrem Roman Malina: „Mein Leben ist zu Ende, denn er ist auf dem Transport im Fluß ertrunken“. Sie spielt damit auf den Freitod Paul Celans im April 1970 an, der sich in Paris in die Seine stürzte.

Im Seminar sollen sowohl der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan als auch die intertextuellen Bezüge in den literarischen Werken beider besprochen werden. Ziel soll es sein, anhand der biographischen und literarischen Dokumente einen Einblick in die existentiellen Probleme hinsichtlich der (Un-)Möglichkeit von Sprechen und Dichten in der Nachkriegszeit zu erhalten.

Anzuschaffen und vorzubereiten sind der Briefwechsel, der unter dem Titel Herzzeit. Ingeborg Bachmann – Paul Celan. Der Briefwechsel bei Suhrkamp erschienen ist und Ingeborg Bachmanns Roman Malina.

Die Gedichte, die im Seminar besprochen werden, werden als Kopiervorlage zur Verfügung gestellt.

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Literaturwissenschaft / Master (Einschreibung bis SoSe 2009) MaLit4   3/7  
Literaturwissenschaft / Master (Einschreibung bis SoSe 2009) MaLit2   3/7  
Literaturwissenschaft / Master (Einschreibung bis SoSe 2009) MaLit1   3/7  
Literaturwissenschaft / Master (Einschreibung bis SoSe 2009) MaLit3   3/7  

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Freitag, 11. Dezember 2015 
Letzte Änderung Zeiten:
Sonntag, 23. November 2008 
Letzte Änderung Räume:
Sonntag, 23. November 2008 
Art(en) / SWS
Seminar (S) / 2
Einrichtung
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
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