261014 Transformation des Krieges (V) (SoSe 2002)

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Kurzkommentar

Inhalt, Kommentar

Die USA erklärten sich nach dem 11. September 2001 als im Kriege befindlich - auf unabsehbare Zeit, ohne Fronten, ohne staatlich identifizierbaren Feind, ohne Einschränkung auf die herkömmlichen militärischen Operationsmodi. Damit ist ein bisher randständiger Kriegs-Typ zur neuen herrschenden Gestalt geworden. In dieser geschichtlichen Situation geraten Theorien, die sich normativ am "klassischen" europäischen Modell völkerrechtlich hegbarer Kriege orientieren, ebenso in die Krise wie pazifistische Utopien, die Krieg als überwindbaren moralischen Atavismus kriminalisieren. Die nur in der öffentlichen Wahrnehmung "neue" Situation war schon 1991 von dem israelischen Militärtheoretiker Van Creveld klar diagnostiziert worden. Die Reaktionen schwanken zwischen Ignoranz und Abwehr. Selbst realistische Theoretiker versuchen, Teile der in die Krise geratenen Ideen zu retten: entweder durch Modelle einer (die USA-Hegemonie euphemisierenden) "Welt-Innenpolitik" (Kaldor) oder durch Postulate, das Chaos globaler Interaktionen in einer plural neu zu ordnenden Staaten-"Gesellschaft" zu befrieden (Münkler). Es scheint aber, als gehörten Institutionen und Prinzipien staatlich-rechtlich organisierter kriegsfähiger Gesellschaften zu einer abgeschlossenen Epoche (1648-1989): allenfalls noch "insulär" fortsetzbare Ausnahmezustände. Jetzt gewinnen politische Lehren aus vorstaatlichen, halb anarchischen Kulturen (wie der altchinesische Strategie-Traktat des Sunzi) Aktualität als prozess-theoretische Alternativen zu Handlungstheorien (des Clausewitz-Typs). Die Vorlesung geht auf Sunzi zurück, versucht aber, Kerne der Theorie von Clausewitz in einem (an Whitehead orientierten) Modell aufzuheben, das den Transformationen des Krieges entspricht. (Einige fällige philosophische Umstrukturierungen laufen übrigens mit solchen des moralischen Alltagsbewußtseins parallel - wie aktuelle Thematisierungen der "List" zeigen.

Literaturangaben

Martin Van Creveld, The Transformation of War, NY 1991, dt.: D. Zukunft des Krieges, München (Gerling) 1998; Albert A. Stahel (Hg.), List? Hinterlist in unserer Zeit!, Zürich 2000. (Komm. Literaturübersichten in der Vorlesung)

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Philosophie (Nebenfach) / Magister A1; A3; A4 Wahlpflicht GS und HS
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Freitag, 11. Dezember 2015 
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Art(en) / SWS
Vorlesung (V) / 2
Einrichtung
Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie / Abteilung Philosophie
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