Mehr als sechzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges tun sich die Großkirchen immer noch schwer, ihre Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus selbstkritisch zu reflektieren. Eine geradezu obrigkeitshörige Gesinnung innerhalb der Kirchen (vor allem der evangelischen Landeskirchen), die Gleichsetzung von Staatsgehorsam mit Gottesgehorsam, eine übertriebene Loyalitätspflicht gegenüber dem Staat, aber auch der Versuch, als Anwalt der Kirche zu wirken, sie vor staatlichen Eingriffen zu schützen und ihr Bestehen zu sichern, charakterisiert die Haltung der offiziellen Kirchenvertreter in der Zeit zwischen 1933 und 1945. Zur selben Zeit formiert sich der Widerstand um Goerdeler, Stauffenberg, Bonhoeffer, den Kreisauer Kreis und andere. Auch nach 1945 tat sich die Kirche mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit schwer. Vielmehr versuchte man, vorhandene Strukturen möglichst unverändert in die BRD zu überführen. Genau dieser Epoche der Kirchengeschichte will das Seminar nachgehen.
Themenüberblick:
16.04. Einführung in die Thematik
23.04. Nationalismus, Völkische Gesinnung, Sozialdarwinismus
30.04. Die Deutschen Christen – politische Hintergründe, Ideologie, Forderungen
07.05. Der Pfarrernotbund
14.05. Katholische Kirche: 1932 Distanzierung von der NSDAP; 1933 Reichskonkordat; „Mit brennender Sorge…“
21.05. Karl Barth, die Kirche im Rheinland und die Barmer Synode
28.05. 1933 -1938: Von der Reichskirche zurück zu den Landeskirchen: z.B. Marahrens und die Hannoversche Landeskirche
04.06. Der katholische Widerstand innerhalb der Kirche: Fürstbischof von Galen; Alfred Delp
11.06. Kreisauer Kreis und Goerdeler-Gruppe
18.06. Dietrich Bonhoeffer
25.06. Gezielte Judenvernichtung und Deutsche mosaischen Glaubens: Leo Baeck
02.07. Die Evangelische Kirche: das Stuttgarter Schuldbekenntnis
09.07. „Erfolgsgeschichte Bundesrepublik Deutschland?“
16.07. Fritz Bauer, der Bergen-Belsen-Prozess in Lüneburg 1945 und der
Auschwitz-Prozess in Frankfurt 1963-1965
23.07. Papst Pius XII. und die Rattenlinie
Grosse, Heinrich, Hans Otte und Joachim Perels: Bewahren ohne Bekennen? Die hannoversche Landeskirche im Nationalsozialismus, Hannover 1996.
• Daniel J. Goldhagen: Die katholische Kirche und der Holocaust: Eine Untersuchung über Schuld und Sühne. Berlin 2002,
• Gerhard Besier: Der Heilige Stuhl und Hitler-Deutschland. Die Faszination des Totalitären. Deutsche Verlags-Anstalt. München 2004,
• Karl Zehrer: Evangelische Freikirchen und das "Dritte Reich". Vandenhoek & Ruprecht. Göttingen 1986
• Alexander Groß: Gehorsame Kirche - ungehorsame Christen im Nationalsozialismus. Der Widerstand katholischer Christen gegen das NS-Regime. Topos Plus, 2004,
• Helmut Kurz: Katholische Kirche im Nationalsozialismus (= Beiträge zu Theologie, Kirche und Gesellschaft im 20. Jahrhundert, Bd. VII), Berlin 2006
Otto Diem: Der Kirchenkampf. Evangelische Kirche und Nationalsozialismus; Hamburg 19702
Heiner Faulenbach: Artikel Deutsche Christen; in: RGG4, 1999
Christopher R. Browning: „Ganz normale Männer“
Kurt Meier: Die Deutschen Christen; Halle 1964
Kurt Meier: Kreuz und Hakenkreuz. Die evangelische Kirche im Dritten Reich; München 20012
Günther van Norden u.a. (Hrsg.): Wir verwerfen die falsche Lehre. Arbeits- und Lesebuch zur Barmer Theologischen Erklärung
Marikje Smid: Deutscher Protestantismus und Judentum 1932–33; München: Christian Kaiser, 1990;
Karl Heussi: Kompendium der Kirchengeschichte; Tübingen1
Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
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wöchentlich | Fr | 10-12 | H14 | 16.04.-23.07.2010
nicht am: 11.06.10 |
am 11.06.2010 Hörsaal 3 |
einmalig | Fr | 10-12 | H3 | 11.06.2010 |
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Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
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Evangelische Theologie / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | KG Ia; KG II/1a; KG II/2a | 2 | |||
Evangelische Theologie / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | KG Ia; KG II/2a | 2 | ||||
Frauenstudien | (Einschreibung bis SoSe 2015) | ||||||
Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler |
Ein dritter Leistungspunkt kann durch ein Essay (7 Seiten) erworben werden; der Modulabschluss durch eine Hausarbeit.
Wichtig: Wenn die Veranstaltung für ein Profilmodul besucht wird, MUSS ein dritter Leistungspunkt erbracht werden.