Das Seminar widmet sich den Spannungsfeldern, die entstehen, wenn universale Ansprüche des „Guten“ und „Gerechten“ – etwa Menschenrechte, Entwicklungsziele oder globale Gerechtigkeitsdiskurse – aus feministischen und postkolonialen Perspektiven kritisch betrachtet werden. Aus diesen Positionen wird seit langem darauf hingewiesen, dass diese Konzepte nicht frei von Ambivalenzen sind: Sie sind historisch in koloniale, rassifizierte und geschlechtlich codierte Machtverhältnisse eingebettet und entfalten trotz ihres emanzipatorischen Potenzials immer wieder Formen von Ausschlüssen, Unterdrückung und Herrschaft.
Ziel des Seminars ist es, ein differenziertes Verständnis dafür zu vermitteln, wie Ambivalenzen im Namen des „Guten“ und „Gerechten“ entstehen und welche alternativen, machtkritischen Zugänge feministische Theorien zu Menschenrechten und globaler Gerechtigkeit bieten. Unter Einbeziehung post- und dekolonialer Theorien sollen in diesem Zusammenhang feministische Interventionen in globale Gerechtigkeits- und Menschenrechtsdiskurse diskutiert und bewertet werden.
Eine wichtige Frage wird dabei sein, ob Menschenrechte und Gerechtigkeitsprinzipien als universell gültige Normen verstanden werden können oder ob sie im Kontext spezifischer kultureller, historischer und sozialer Rahmenbedingungen interpretiert werden müssen. Kulturrelativistische und universelle Menschenrechtspositionen müssen aber nicht gegeneinander ausgespielt werden. Statt das Spannungsverhältnis zu einer Seite hin aufzulösen, ist es möglicherweise produktiver nach den komplexen Vermittlungen und Beziehungen beider Sichtweisen zu suchen.
Zentrale Fragen sind:
• Wie entstand das internationale Menschenrechtssystem?
• Sind Menschenrechte eine westliche Idee und wenn ja, können sie dann überhaupt universelle Gültigkeit beanspruchen?
• Wer profitiert von den Menschenrechten und wer nicht?
• Was ist dekolonialer und postkolonialer Feminismus?
• Wie wirken globale Machtverhältnisse und koloniale Kontinuitäten auf Vorstellungen des „Guten“ und „Gerechten“?
• Produziert der moralische Universalismus Ausschlüsse und welche Stimmen werden beim Thema globale Gerechtigkeit nicht gehört?
• Kulturrelativismus und Universalismus – In welchem Spannungsverhältnis stehen kulturell-religiöse Geschlechternormen zu universellen Menschenrechten?
• Globale Solidarität, Verantwortung und Gerechtigkeit: Ist ein Universalismus möglich, der alle Menschen gleichermaßen einbezieht und berücksichtigt?
• Welche alternativen Konzepte von Gerechtigkeit, Menschenrechten und Solidarität entwickeln feministische und postkoloniale Denker*innen?
Werden im Seminar bekannt gegeben.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Mi | 14-16 | 15.04.-22.07.2026 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
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| 30-M26 Fachmodul Geschlechterforschung und Geschlechterverhältnisse Fachmodul Geschlechterforschung und Geschlechterverhältnisse | Einführung (Seminar 1) | Studienleistung
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Studieninformation |
| Vertiefung (Seminar 2) | Studienleistung
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Studieninformation | |
| - | benotete Prüfungsleistung | Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.