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300639 Zur Soziologie des arabischen Staates (S) (SoSe 2021)

Inhalt, Kommentar

In diesem Seminar wird die Soziologie des arabischen Staates, seiner Entstehung und Entwicklung und dessen Verhältnis zu Gesellschaft, Religion, Kultur, und Militär fokussiert. Die strukturelle Besonderheit des Staates steht im Mittelpunkt des Seminars. Aus der Perspektive der politischen Soziologie haben wir es mit einem Staatstypus zu tun, dessen Entstehung auf vormoderne, traditionelle und patriarchalische Strukturen zurückzuführen ist. Er ist nicht im Kontext der Modernisierung, sondern des Kolonialismus entstanden. Konfessionalismus und Clanstrukturen fungieren als prägende Momente.
Die arabische Gesellschaft hat sich gewandelt, weniger jedoch die politische Herrschaft. Der Herrscher ist immer noch ein Patriarch oder Sultan. Der Staat ist sein Eigentum und Beute. Zu Recht spricht man vom „Beutestaat“, „Rentenstaat“ und „Stammesstaat“. Diese Typen vertiefen den Gegensatz von Staat und Gesellschaft und liegen der Staats- und Legitimitätskrise der Herrschaft zugrunde.
Der postkoloniale arabische Staat leidet an einem Geburtsfehler; er ist nicht als Nationalstaat entstanden, sondern im Kontext des Kolonialismus, der die Nationenbildung verhinderte und die arabische Nation in kleine , lebensunfähige Staaten aufteilte . So ist der postkoloniale Staat ein koloniales Konstrukt, er kämpft immer noch um seine Identität.
Diese Konstellation illustriert die zunehmende Entfremdung von Staat und Gesellschaft und die Insuffizienz des Staates, seinen Aufgaben nachzukommen. Konfessionalismus und Postkolonialismus blockieren den Übergang zur Moderne; im Gegensatz dazu beruht der moderne Staat auf Menschen- und Bürgerrechten.

Diese Verhältnisse liegen der chronischen Krise des arabischen Staates zugrunde.  

Der arabische Frühling ist in erster Linie ein Aufstand gegen den autoritären Staat, der alle Lebensbereiche kontrolliert und durch Repression herrscht. Dabei erweist sich das Militär als das größte Hindernis für eine demokratische Transformation, wie in Ägypten, wo es sich nach demokratischen Wahlen an die Macht geputscht hat, oder in Syrien, wo es mit Hilfe ausländischer Mächte gegen den Demokratisierungsprozess vorging. Im Gegensatz dazu wurde der Wandel im Sudan und Algerien mit Unterstützung des Militärs eingeleitet, eine Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist.
Diese Prozesse stehen im Vordergrund des Seminars, vor allem das tunesische Staatsmodell, wo die Ennahda- Bewegung an der Macht beteiligt ist. Wir werden das tunesische und türkische Staatsmodell vergleichen.
Über die Strukturanalyse des arabischen Staates hinaus, sollen seine Zukunftsszenarien analysiert werden, besonders im Hinblick auf die Folgen des arabischen Frühlings und der Herausforderung der Globalisierung.

   Themenschwerpunkte 

1. Der Begriff des Staates
2. Der Begriff des arabischen Staates in der klassischen soziologischen Literatur
- Ibn Khaldun
- Marx
- Wittfogel
- Weber
3. Postkolonialismus und Staatenbildung in der arabischen Welt
4. ZurBesonderheit des gegenwärtigen arabischen Staates, eine politichsoziologische Analyse.
5. Konfessionalismus und Politik in der arabischen Welt
6. Das Verhältnis von Religion und Politik
7. Kultur und Politik
8. Die Ideologien des Panarabismus und Panislamismus
9. Die Rolle des Militärs im arabischen Staat
10. Rentenstaat und Rentenklassen in der arabischen Welt.
11. Die Ursachen für das arabische „Demokratie-Defizit“.
12. Die arabische Herrschaftselite
13. Arabischer Frühling, Aufstand gegen den autoritären Staat
14. Der Staat nach dem arabischen Frühling
15. Tunesien und der politische Islam
16. Die Legitimität- und Identitätskrise des arabischen Staates
17. Gescheiterte Staaten in der arabischen Welt
18. Die Zukunft des arabischen Staates

Literaturangaben

Literatur: siehe Lernraum

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