Boden ist ein zentraler Faktor kapitalistischer Ökonomien. Er ist Produktionsmittel und Anlageobjekt, Grundlage von Ernährung und Rohstoffgewinnung, Gegenstand staatlicher Herrschaft und kolonialer Expansion, Eigentumsobjekt und ökologische Notwendigkeit. Trotz seiner Vielgestaltigkeit behandeln ihn moderne Volkswirtschaften aber kaum anders als jede andere ökonomische Ressource: als Ware.
Historisch ist dieser Warencharakter des Bodens eine vergleichsweise junge Erscheinung. Er ist eng mit der Genese des modernen Kapitalismus selbst verbunden. Vor diesem Hintergrund untersucht die Veranstaltung die Entstehung des modernen Bodeneigentums (und seiner Alternativen), seine ökonomische Relevanz (von den agrarischen Produktivitätssteigerungen des 18. Jahrhunderts über die urbane Bodenspekulation des 19. Jahrhunderts bis hin zur Finanzialisierung des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts), seine Verflechtung mit kolonialer Expansion und siedlerkolonialer Landnahme, seine Bedeutung für Reformbemühungen und Entwicklungsstrategien (z.B. in Asien und Lateinamerika nach 1945) sowie seine Relevanz für gegenwärtige Debatten über Finanzialisierung, land-grabbing und urbanen Wohnungsmangel. Auch die Theoriegeschichte des Grundeigentums und der Grundrente – von John Locke und David Ricardo über Karl Marx und Henry George bis hin zu Elinor Ostrom und Hernando de Soto – werden wir behandeln.
In der Historischen Orientierung geschieht das in weitgespannten Überblicken. Das begleitende Seminar wird einzelne Aspekte vertieft behandeln. Die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Texte ist für die Teilnahme unerlässlich.
Michael Albertus, Land Power. Who Has It, Who Doesn't, and How That Determines the Fate of Societies, London 2025; Mike Bird, The Land Trap. A New History of the World's Oldest Asset, New York 2025; Andro Linklater, Owning the Earth. The Transforming History of Land Ownership, New York u.a. 2013; Josh Ryan-Collins/Toby Lloyd/Laurie Macfarlane, Rethinking the Economics of Land and Housing, London 2017; Gerhard Senft (Hg.), Land und Freiheit. Zum Diskurs über das Eigentum von Grund und Boden in der Moderne (Kritische Geographie Bd. 18), Wien 3. A. 2020; John C. Weaver, The Great Land Rush and the Making of the Modern World, 1650-1900, Montreal u.a. 2003.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Mi | 14-16 | X-E0-214 | 12.10.2026-05.02.2027 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
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22-4.3
Mastermodul Geschichtswissenschaft: Moderne
4.3.4 |
Historische Kontextualisierung Moderne | Studieninformation | |
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22-M-4.3
Mastermodul Moderne
4.3.4 |
Historische Kontextualisierung | Studienleistung
|
Studieninformation |
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22-M-4.4.15
Profilmodul "Gesellschaft - Wissen - Umwelt"
4.3.4 |
Historische Kontextualisierung | Studienleistung
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Studieninformation |
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22-M-4.5.15
Forschungsmodul "Gesellschaft - Wissen - Umwelt"
4.3.4 |
Historische Kontextualisierung | Studienleistung
|
Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.