300246 Regionalanalyse: Identitäts- und Zugehörigkeitspolitiken in Südasien (S) (WS 2009/2010)

Einrichtung
Fakultät für Soziologie
Art(en) / SWS
S / 2
Zeitraum
12.10.2009-01.02.2010
Voraussichtl. Wiederholung

Lehrende

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Klausuren

Fachzuordnungen

Studiengang/-angebot Gültigkeit Variante Untergliederung Status Sem. LP  
Pädagogik / Erziehungswissenschaft / Diplom (Einschreibung bis SS 2008) H.S.2; H.S.3 Wahl  
Politische Kommunikation / Master 3.1    
Soziologie / Diplom (Einschreibung bis SS 2005) 2.2.2 Wahlpflicht HS
Soziologie / Diplom (Einschreibung bis SS 2005) 2.4.7 Wahlpflicht HS
Soziologie / Master (Einschreibung bis SS 2012) Modul 4.2 Wahl 3 (bei Einzelleistung 3 LP zusätzlich)  

Allgemeine Anforderungen bei Lehrveranstaltungen:

Die Anforderungen an die regelmäßige und aktive Teilnahme (nur gültig für Studienmodell 2002) sind hier erläutert. In den FsB und Modulhandbüchern finden sich Informationen, ob Studienleistungen (nur gültig für Studienmodell 2011)/Einzelleistungen/Modul(teil)prüfungen vorgesehen sind, und welche Anforderungen hierfür bestehen.

Inhalt, Kommentar

Identitäts- und Zugehörigkeitspolitiken haben in den letzten Jahren in Südasien bedeutend an Dynamik und an öffentlicher Sichtbarkeit gewonnen. Vertreterinnen und Vertreter ethnischer und religiöser Minderheiten, Frauenorganisationen, Angehörige vormals als in der Kastenhierarchie niedrig eingestuften, so genannten ‚unberührbaren Kasten’ (Dalit), Menschen mit besonderer sexuellen Orientierung und andere Personen mit ‚Minderheitenstatus’ setzen sich immer häufiger gegen die sie benachteiligenden staatlichen Regelungen und gegen sie ausschließende Praktiken zur Wehr, benennen ihre Ziele und Vorstellungen vom ‚guten Leben’ und markieren ihre Präsenz im öffentlichen Raum. Ähnlich prominent sind von Kollektiven getragene Protestaktionen, die gegen Übergriffe auf ihre Lebenswelten protestieren. Dazu gehören u.a. in die Belange lokaler Gesellschaften eingreifende Umsiedlungspläne im Zusammenhang mit großen infrastrukturellen Projekten (z.B. Bau von Staudämmen), Protest gegen Verstaatlichung und / oder Privatisierung von Wäldern und Weiden sowie Versuche, Pflanzen und Praktiken zu patentieren, die einheimische Wissensgemeinschaften über Jahrhunderte erarbeitet haben (z.B. ‚Bio-Piraterie’).

In diesem Seminar werden politische Kommunikation und Aktivismus betrachtet und analysiert, die kollektive Benachteiligung zum Gegenstand machen. Es interessieren erstens die Formen der Thematisierungen, die ‚Sprache der grievances’ und die öffentlich vorgetragenen Formen des Protests. Zweitens sollen politische und Rechtsansprüche in den Blick genommen werden, welche die Akteurinnen und Akteure fordern oder bereits eingefordert haben, sowie deren Umsetzung. Schließlich interessieren die gesellschaftlichen Kontexte, im Rahmen derer Ansprüche und Forderungen formuliert und ausgehandelt werden. Dazu gehören solch disparate Bezugsgrößen, wie nationale Rechtsprechung, internationale Entwicklungszusammenarbeit, zivilgesellschaftliche ‚Advocacy-Netzwerke’ sowie Menschenrechtsarbeit.

Als Regionalanalyse führt die Untersuchung der hier im Fokus stehenden Identitäts- und Zugehörigkeitspolitiken in alle zentralen Sphären südasiatischer Gesellschaften. Die Fallbeispiele wurden so ausgewählt, dass möglichst alle sieben südasiatischen Länder – Indien, Nepal, Bangladesch, Sri Lanka, Bhutan, Pakistan und die Malediven - behandelt werden, doch im Zentrum werden die ersten drei genannten Länder stehen. Den Studierenden wird die Möglichkeit geboten, sich in spezifische nationale Kontexte vertiefend einzuarbeiten, aber auch nationale Vergleiche und Querbezüge zu schaffen sowie regionale und selbstverständlich auch weltgesellschaftliche, globale und transnationale Perspektiven einzubeziehen.

Die Auseinandersetzung mit Identitäts- und Zugehörigkeitspolitiken greift auf einen breiten Korpus an theoretischen Ansätzen zurück, darunter insbesondere Ethnizität- und Geschlechterforschung, Theorien der Kastengesellschaft, soziale Bewegungen und Identitätspolitiken, Konfliktforschung sowie Ansätze des Rechtspluralismus und der socio-legal studies. Eine große Bedeutung wird theoretischen und methodologischen Herangehensweisen an die Untersuchung von Globalität zukommen, darunter postkolonialen Positionen sowie den ‚subaltern studies’.

Teilnahmevoraussetzungen, notwendige Vorkenntnisse

Dieses Seminar richtet sich an Studierende, die im Sommer 2010 eine Lehrforschung in Südasien durchführen möchten (und denen der Besuch dieser Veranstaltung zur Vorbereitung der Lehrforschung sehr empfohlen wird) sowie an Studierende des MA (Modul 4) und des Diplomstudiengangs. Erforderlich sind Vorkenntnisse auf dem Gebiet der Entwicklungs- und der Globalisierungsforschung. Notwendig ist die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Texte.

Literaturangaben

Shapan Adnan 2004: Migration, Land Alienation and Ethnic Conflict. Causes of Poverty in the Chittagong Hill Tracts of Bangladesh, Dhaka: Research and Advisory Services.

Ellen Bal 2007: They Ask if We Eat Frogs: Garo Ethnicity on Bangladesh, Singapore: Institute of Asian Studies.

David N. Gellner und Krishna Hachhethu (Hrsg.) 2008: Local Democracy in South Asia: Microprocesses of Democratization in Nepal and ist Neighbours, Delhi: Sage.

David N. Gellner, Joanna Pfaff-Czarnecka und John Whelpton (Hrsg.) 1997: Nationalism and Ethnicity in a Hindu Kingdom, Amsterdam: Harwood.

Joanna Pfaff-Czarnecka, Darini Rajasingham-Senanayake, Ashis Nandy and Edmund Terence Gomez (Hrsg.) 1999: Ethnic Futures : The State and Identity Politics in Asia/, Delhi: Sage.

Shalini Randeria und Martin Fuchs (Hrsg.) 2004: Konfigurationen der Moderne: Diskurse zu Indien, Sonderheft der „Sozialen Welt“, München: Nomos Verlag.

Dokumentenablage

Hier finden Sie weitere Materialien zur Veranstaltung:

Stud.IP

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