English flag English
 
uni.aktuell

Hintergrundbild
Hintergrundbild

Wenn der Spiegel den Terminkalender und die Tür den Busfahrplan kennt

Veröffentlicht am 30. Mai 2016, 11:55 Uhr

Bundesministerium zu Gast am CITEC der Universität Bielefeld

„Spieglein, Spieglein an der Wand…”: Der Spiegel der Zukunft kann Fragen beantworten, beim Zähneputzen helfen oder auf anstehende Termine hinweisen. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelt der Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld im Innovationscluster KogniHome zusammen mit 13 regionalen Partnern einen intelligenten Eingangsbereich mit mitdenkendem Spiegel und intelligenter Tür. Zur Projekthalbzeit besuchten Vertreterinnen des BMBF heute (30.5.2016) CITEC und das PIKSL-Labor der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, um sich die KogniHome-Entwicklungen demonstrieren zu lassen.


KogniHome-Bewohner sehen im intelligenten Spiegel nicht nur ihr Spiegelbild, sondern auch Informationen zum Wetter und zu ihrem Terminkalender, wie hier Entwickler Alexander Neumann. Foto: Universität Bielefeld
KogniHome-Bewohner sehen im intelligenten Spiegel nicht nur ihr Spiegelbild, sondern auch Informationen zum Wetter und zu ihrem Terminkalender, wie hier Entwickler Alexander Neumann. Foto: Universität Bielefeld
„Spiegel sind in unserem Alltag eine gewohnte Nebensache, die wir tagtäglich eher unbewusst benutzen. Daher ist es bei der Entwicklung eines intelligenten Spiegels wichtig, dass er ohne Aufwand verwendet werden kann. Der Spiegel lässt sich intuitiv über Gesten bedienen und fügt sich in den Alltag ein“, sagt Dr. Thomas Hermann. Er leitet die Forschungsgruppe Ambient Intelligence (Umgebungsintelligenz) am CITEC und entwickelt den Eingangsbereich mit.

Der Spiegel soll vor allem alltagstauglich sein
„Der Spiegel muss im Mittelpunkt stehen, die Funktionen müssen sich darum gruppieren.“ Etwa der integrierte Terminkalender oder das Messen von Puls oder Atemfrequenz. Beides wird der Spiegel künftig messen, indem er die Änderung der Gesichtsfarbe erfasst. „Auch wenn der Nutzer schon beim Zähneputzen wissen will, wie das Wetter wird oder ob die Bahn pünktlich kommt, kann der Spiegel der Zukunft solche Fragen beantworten. Zudem sollen sich Bewohnerinnen und Bewohner das mühsame Anprobieren von verschiedenen Kleidungsstücken sparen und sich trotzdem im Spiegel mit unterschiedlicher Kleidung anschauen können“, sagt Hermann. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler planen, dass die Technik direkt zeigen kann, wie unterschiedliche Hosen oder Pullover am Spiegelbild aussehen würden. Durch die verbauten Kameras kann der Spiegel bereits jetzt eine Farbkorrektur des digitalen Spiegelbildes vornehmen, wodurch Menschen mit Farbsehschwäche die verschiedenen Nuancen ihrer Kleidung besser wahrnehmen können.

Der Prototyp des Spiegels besteht aus einer Spiegelscheibe, hinter der sich ein Flachbildschirm versteckt. Geplant sind zwei Spiegelarten: einer für das Badezimmer und einer für die Garderobe. Der Spiegel kann einerseits wie ein gewöhnlicher Spiegel genutzt werden, durch Kameras aber auch andere Ansichten zeigen, wie den Rücken oder Hinterkopf.

Der intelligente Spiegel soll mit Menschen und auch mit anderen Geräten der mitdenkenden Wohnung vernetzt sein. So wird der Garderobenspiegel direkt mit der Ankleide und der intelligenten Eingangstür verbunden. Das Familienunternehmen Hettich entwickelt mit CITEC im Projekt KogniHome intelligente Technik für Möbel. Die Firma im ostwestfälischen Kirchlengern ist maßgeblich am Bau der Ankleide beteiligt, die mit dem intelligenten Spiegel zusammenarbeiten wird und zum Beispiel die richtige Jacke raushängen soll.

Die intelligente Tür wird bald jeden Mitbewohner erkennen
 „Optisch sieht die Tür genauso wie eine handelsübliche Tür aus. Die Herausforderung bestand darin, alle technischen Komponenten so zu verbauen, dass sie funktional sind und zugleich so gut wie unsichtbar“, sagt Ralf Laux, Geschäftsführer von DMW Schwarze. Die Firma DMW Schwarze entwickelt Tür- und Tor-Systeme mit eingebauten Sensoren und Antriebselementen. Der von DMW Schwarze und CITEC entwickelte Tür-Prototyp kann verschiedene Sensoren aufnehmen, die Temperaturen, Luftfeuchte, Rauch, Licht, Schall, Annäherung und Bewegung messen. „Die Tür erinnert zum Beispiel beim Rausgehen an einen Termin oder zeigt auf einem kleinen Display die nächste Busverbindung an.“ Bei Projektabschluss wird sie noch mehr können: Sie erkennt jeden Mitbewohner durch das Bluetooth-Signal des Smartphones oder der Smartwatch. Das Familienmitglied, das die Wohnung als letztes verlässt, wird von der Tür au-ßerdem daran erinnert, das Licht oder den Herd auszumachen.
Die intelligente Tür zeigt vor dem Verlassen des Hauses zum Beispiel an, ob der Herd ausgeschaltet ist und welche Dinge demnächst eingekauft werden müssen. Dr. Thomas Hermann und Prof. Dr.-Ing. Britta Wrede demonstrieren die Funktionsweise. Foto: Universität Bielefeld
Die intelligente Tür zeigt vor dem Verlassen des Hauses zum Beispiel an, ob der Herd ausgeschaltet ist und welche Dinge demnächst eingekauft werden müssen. Dr. Thomas Hermann und Prof. Dr.-Ing. Britta Wrede demonstrieren die Funktionsweise. Foto: Universität Bielefeld


Wie wird Datenschutz und Sicherheit garantiert?
Neben den technischen Komponenten arbeitet der Innovationscluster KogniHome im Querschnittsprojekt ELSI auch an ethischen, rechtlichen, sicherheitstechnischen und sozialen Aspekten. ELSI steht für Ethical, Legal and Social Implications. „Die intelligente Tür soll niemanden bevormunden und wird nicht so programmierbar sein, dass sie bestimmten Familienmitgliedern den Eintritt oder Ausgang verweigert“, sagt Hermann. „Außerdem muss die Privatsphäre der Bewohner gewahrt bleiben, auch wenn der Spiegel eingebaute Kameras besitzt. Gerade im Badezimmer ist die Intimsphäre für die Familie besonders wichtig.“ Daher entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Technik, die alle notwendigen rechtlichen und sicherheitstechnischen Aspekte berücksichtigt.

Heute (30.5.2016) informierte sich Frau Dr. Christine Thomas, Leiterin der Unterabteilung „Innovation im Dienste der Gesellschaft“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vor Ort über KogniHome-Entwicklungen, weitere CITEC-Demonstratoren und besuchte auch das PIKSL-Labor der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Neben den KogniHome-Prototypen demonstrierten die CITEC-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler weitere Technologien rund um die intelligente Wohnumgebung.

In dem Innovationscluster „KogniHome“ arbeiten 14 Projektpartner aus Ostwestfalen-Lippe gemeinsam an einer vernetzten Wohnung, die die Gesundheit, Lebensqualität und Sicherheit von Familien, Singles und Senioren fördert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt über drei Jahre mit acht Millionen Euro bis 2017. Geleitet wird KogniHome von CITEC, dem Exzellenzcluster der Universität Bielefeld.

Weitere Informationen im Internet:
www.kogni-home.de/technologie/der-eingangsbereich

Kontakt:
Dr. Thomas Hermann, Universität Bielefeld
Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC)
Telefon: 0521 106-12140
E-Mail: thermann@techfak.uni-bielefeld.de

 

Kommentare:

Senden Sie einen Kommentar:
Kommentare sind ausgeschaltet.
Seite drucken

Kalender

« Oktober 2017
MoDiMiDoFrSaSo
      
1
3
7
8
10
14
15
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
     
Heute

Kontakt

Universität Bielefeld
Pressestelle
Postfach 10 01 31
33501 Bielefeld

E-Mail:
pressestelle@uni-bielefeld.de

Homepage Pressestelle

[Dies ist ein Apache Roller Blog]