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Frau Dr. Annika Klanke

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Kontakt

Curriculum Vitae

01/2026 - dato
Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Graduiertenkolleg "Geschlecht als Erfahrung", Habilitationsprojekt: "Sorge(n) erzählen. Literarische Darstellungen von Care/Cura vom 16. bis ins 19. Jahrhundert

02/2025
Promotion, Thema: Das Private ist nach wie vor politisch? Erfahrung und Geschlecht in der feministischen Essayistik der Gegenwart, Betreuung: Dr. Benedikt Wolf, Prof. Dr. Walter Erhart, Prof. Dr. Tomke König (s.cl.)

05/2021 - 07/2024
Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Doktorandin) am Graduiertenkolleg "Geschlecht als Erfahrung" sowie am IZG, Universität Bielefeld

05/2019 - 05/2021
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fak. 15 /Kulturwissenschaften; Germanistische Literaturwissenschaft an der TU Dortmund

06/2018-05/2019
Assistentin/Pflegekraft für Menschen mit hohen Pflegegraden, ambulante dienste e.V., Berlin

10/2013-06/2018
Masterstudium an der Humboldt-Universität Berlin und der Cornell University in Ithaca (NY/USA). Masterabschluss in germanistischer Literaturwissenschaft.

Aktuelle Forschungsthemen

Sorge(n) erzählen. Literarische Darstellungen von Cura/Care vom 16. bis ins 19. Jahrhundert
Habilitationsprojekt

Das Projekt untersucht die Ambivalenzen und Widersprüche der Sorge in historischer Perspektive: Sorge ist lebenserhaltend und -ermöglichend, kann jedoch ebenso kontrollierende, einhegende und gewaltförmige Wirkungen entfalten. In ihrer zyklischen Zeitlichkeit erscheint sie als Gegenbild zu Fortschritt und Produktivität – ist aber, wie die feministische Theorie gezeigt hat, deren verdeckte Voraussetzung. Diese Spannungen verfolgt das Vorhaben anhand eines breiten Korpus kanonischer deutschsprachiger Texte vom 16. bis ins 19. Jahrhundert und konzentriert sich dabei auf zwei Darstellungsmodi: allegorische Personifikationen der Cura/Sorge (u. a. Hans Sachs, Herder, Goethe u.a. in Anschluss an Hyginus' Cura-Fabel) sowie erzählte, dramatisierte und lyrische Sorgehandlungen (u. a. Grimmelshausen, La Roche, Schiller, Stifter, Droste-Hülshoff).
Methodisch verbindet das Projekt Tropen- und Figurenanalyse mit einer macht- und herrschaftssensiblen Untersuchung verkörperter Handlungsvollzüge und situiert sich an der Schnittstelle von Literatur- und Kulturwissenschaft, Geschlechter- und Affektgeschichte. Über die historische Rekonstruktion hinaus zielt es auf eine literaturtheoretische Frage: Inwiefern lässt sich Literatur selbst als sorgende Praxis verstehen – oder gerade nicht? Damit rekonstruiert das Projekt einerseits zentrale Aspekte einer Literatur- und Kulturgeschichte der Sorge von der Frühen Neuzeit bis in die Sattelzeit; andererseits leistet das Vorhaben einen Beitrag zur Debatte über die Praxisdimension des Ästhetischen. Es bearbeitet zudem in historischer Perspektivierung einen Widerspruch, den die sozialwissenschaftliche und moralphilosophische Careforschung sowie die gegenwärtige politische, mediale und auch feministische Care-Debatte zeigen: Sorge erscheint hier bisweilen als ethische Rettungsfigur, wodurch ihre eigene Verstrickung in Asymmetrie, Herrschaft und Gewalt verdeckt zu werden droht.
So wirft das Projekt in historischer Perspektive einen kritischen Blick auf Sorgeimaginationen, -vorstellungen und -modelle der Gegenwart und untersucht dazu Literatur als Reflexionsraum für die Widersprüchlichkeit von Sorge und Sorgen.

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Das Raunen. Literarische Mehrdeutigkeit und ihre neurechte Vereinnahmung in der deutschsprachigen Literatur seit 1945 · Drittmittelprojekt, zusammen mit Mareike Gronich (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)

Das Projekt untersucht eine Ästhetik der deutschsprachigen Literatur seit 1945, die sich vorläufig als ‚raunend‘ fassen lässt: hochgradig polysem angelegte Texte, die verborgene Bedeutungsebenen evozieren und deren Erschließung ein spezifisches Wissen um symbolische Codes sowie literarhistorische und theoretische Diskurse voraussetzt. Kennzeichnend sind rhetorische Verfahren der "obscuritas" sowie Motivkomplexe wie Dekadenz, Fremdheit oder Verweiblichung von der frühen Nachkriegszeit (z.B. Ernst Jünger, Heimito von Doderer) über die Tendenzwendezeit (z.B. Botho Strauß, Peter Handke, Martin Walser) bis in die Gegenwart (z.B. Monika Maron, Simon Strauß, Uwe Tellkamp, Christian Kracht).
Solche Texte finden in der hegemoniepolitischen Kulturarbeit der sog. ‚Neuen Rechten‘** besonderen Anklang, ohne dass die Autor*innen selbst notwendig diesem Milieu zuzurechnen wären. Die literarische Mehrdeutigkeit ihrer Texte eröffnet vielmehr divergierende und zum Teil auch herrschaftskritische und emanzipatorische Deutungen. Das Projekt unterscheidet deshalb konsequent zwischen einer literarischen Produktionsebene, auf der Mehrdeutigkeit ästhetisch erzeugt wird, und einer Rezeptionsebene, auf der neurechte Akteure diese Offenheit strategisch für ihre Literaturpolitik nutzen. Eine Aussage über Gesinnungen oder Intentionen der Autor*innen ist damit also ausdrücklich nicht intendiert.
Das Projekt verfolgt drei Ziele: Es leistet erstens literaturtheoretische Begriffsarbeit zu den ästhetischen Techniken des Raunens und macht das bislang vage Konzept operationalisierbar; es analysiert zweitens die neurechte Anschlusskommunikation im Medienverbund – von Literaturpodcasts und YouTube-Formaten über die Sezession bis zur Buchmesse Seitenwechsel im Nov. 2025 in Halle/Saale – selbst als raunende, hier jedoch intentionale Praxis der Mehrfachcodierung (etwa als Dog-Whistle-Strategie); und es bezieht drittens diese Befunde auf das literaturwissenschaftliche Zentralkonzept der Polysemie zurück, das in der ästhetischen Theorie nach 1945 (Adorno, Iser/Jauß, Eco) als Schutz vor politischer Vereinnahmung in Stellung gebracht wurde. Indem es literarische Produktion, strategische Rezeption und institutionelle Rahmung zusammen betrachtet, adressiert das Projekt eine disziplinäres Desiderat und eröffnet Perspektiven für eine kritische Reformulierung literaturtheoretischer Grundannahmen. Über die theoretische Frage hinaus zielt es auf praxisrelevante Reflexionen: Es erarbeitet ein Instrumentarium zur Identifikation und Kontextualisierung raunender Schreib-, Denk- und Deutungsweisen, die in Literaturvermittlung (z.B. im Kulturjournalismus und Literaturhäusern), in politischer Bildungsarbeit und in Bildungsinstitutionen (Schule, Universität, Erwachsenenbildung) durch den wachsenden Einfluss neurechter Akteur*innen benötigt werden.

** Die sog. 'Neue Rechte' ist eine intellektuell-publizistischen Strömung in der deutschsprachigen extremen Rechten, die ein völkisch-nationalistisches, maskulinistisches, anti-egalitäres Ordnungsdenken pflegt und Politik vordringlich als Kampf um kulturelle Deutungshoheit ('Metapolitik') begreift. Historisch bezieht die Neue Rechte sich prominent auf die Konservative Revolution der Zwischenkriegszeit, weitere intellektuelle Bezugspunkte sind die französische Nouvelle Droite um Alain de Benoist und Guillaume Faye, von der sowohl das Konzept des ‚Ethnopluralismus' als auch die strategische, gegen Gramsci gewendete Idee einer metapolitischen ‚Kulturrevolution von rechts' übernommen wird, ferner das antiliberale Denken Carl Schmitts und Armin Mohlers.

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Erfahrung darstellen, Erfahrung deuten. Feministische Essayistik der Gegenwart
Dissertationsprojekt abgeschlossen im Februar 2025. Die Studie erscheint 2026 bei transcript.

Die Dissertation bietet eine umfassende germanistische Untersuchung des zeitgenössischen literarischen Feldes feministischer Essayistik. Im Zentrum steht die Frage, wie Essayist*innen subjektive Erfahrung darstellen und welche ästhetischen, ethischen, epistemologischen und politischen Funktionen diese Darstellungsformen erfüllen. Der Schwerpunkt liegt auf dem deutschsprachigen Literaturbetrieb: Untersucht wird ein großes Korpus von Autor*innen, das von Margarete Stokowski über Mely Kiyak und Carolin Emcke zu Enis Maci reicht. Zugleich wird die deutschsprachige Produktion feministischer Essays in internationale Entwicklungen eingebettet, um ihre Verflechtungen mit globalen literarischen und politischen Bewegungen sichtbar zu machen. Die Studie beleuchtet sowohl das emanzipatorische Potenzial feministischer Essayistik als auch ihre ideologischen Begrenzungen und zeichnet die Genese des Genres seit den 1990er Jahren im Zusammenspiel mit Gattungsgeschichte, feministischer Theorie und gesellschaftlicher Transformation nach.