230134 Erzählzähltheorie und Erzähltextanalyse (S) (SoSe 2017)

Inhalt, Kommentar

Ein entscheidendes Fachgebiet innerhalb der germanistischen Literaturwissenschaft nehmen die Theorien des Erzählens und die Methoden der Erzähltextanalyse ein. Die Erzähltheorie fragt, welche Strukturen und Verfahren in Erzähltexten benannt und voneinander differenziert werden können und was daraus für die Verfasstheit dieser Texte zu folgern ist. Die Analysemethoden sind das auf den eigentlichen Text zu applizierende Resultat dieser Überlegungen und müssen ihrerseits kritisch darauf befragt werden, welchen Beitrag sie zum Verständnis literarischer Erzähltexte leisten können. Dabei werden Erzählverfahren ebenso in den Mittelpunkt gerückt werden müssen, wie die Konstruktion einzelner Narrative, Handlungsverläufe, Motive und Figuren innerhalb der jeweiligen Erzählwerke.
Das Seminar wird sich über die Auseinandersetzung mit diesen Methoden der Theorie des Erzählens annähern, zugleich aber immer die Anwendung der Methoden an konkreten Textbeispielen einüben und auch versuchen, diese konstruktiv und hinsichtlicher ihrer Funktion und Schlüssigkeit zu diskutieren. Die Grundlage der gemeinsamen Arbeit bildet der Band 'Einführung in die Erzähltheorie' von Matías Martínez und Michael Scheffel, der von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Seminars angeschafft werden muss. Alle weiteren Materialien (u.a. ein Großteil der Erzählungen) werden in Form eines Readers, durch Arbeitsblätter und Lernraumunterlagen zur Verfügung gestellt, oder sind in einem Semesterapparat in der Bibliothek enthalten.
Ausgehend von poetologischen Überlegungen zur Prosa innerhalb der Aufklärung und Frühromantik, aber auch der klassischen Novellen- und moderner literaturwissenschaftlicher Erzähltheorie, wird diese Veranstaltung also auf charakteristische Gestaltungsformen, Motive und Themen der erzählenden Literatur von der Renaissance bis zur Gegenwartsliteratur eingehen. Begriffe wie "Motiv", "Plot", "intradiegetisches Erzählen", "extradiegetisches Erzählen", "unzuverlässiges Erzählen", "auktorialer und personaler Erzähler", "erlebte Rede, innerer Monolog und Bewusstseinsstrom", "Fokalisierung", "Temporalität", "Erzählzeit und erzählte Zeit" etc. werden dabei ihre Definition erfahren und ihre Anwendung innerhalb des Umgangs mit erzählerischen Texten erhalten.
Als Textbeispiele könnten Erzählungen herangezogen werden von Boccaccio, Goethe, Heinrich von Kleist, Edgar Allan Poe, Ferdinand von Saar, Theodor Storm, Guy de Maupassant, Arthur Schnitzler, Alfred Döblin, Franz Kafka, Franz Werfel, Ernest Hemingway, Wolfgang Borchert, Julio Cortázar, Peter Stamm und David Wagner. Da das Seminar als Blockveranstaltung zu Beginn der vorlesungsfreien Zeit Anfang August 2017 durchgeführt und dadurch eine sehr intensive Arbeitsatmosphäre garantiert wird, findet im Laufe des Sommersemesters eine noch per Rundmail bekannt zu gebende Vorbesprechung statt, auch um Rückfragen zu beantworten und Interessengebiete von Seiten der Studierenden konkret berücksichtigen zu können. Zuvor wird ( ca. Ende Februar) ein provisorischer Seminarplan/Syllabus versendet. Um einen ersten - texbezogenen - Einstieg zu garantieren, soll bereits für den ersten Termin Heinrich von Kleists kurze Erzählung "Das Bettelweib von Locarno" (1810) vorbereitend - und mit möglichen Analysefragen versehen - gelesen werden.

Teilnahmevoraussetzungen, notwendige Vorkenntnisse

- Besuch einer Einführung in die Germanistische Literaturwissenschaft
- erste Lektüreerfahrungen mit Erzähltexten
- intensive Lese- und Diskussionsbereitschaft

Literaturangaben

Wayne Booth: The rhetoric of fiction, Chicago 1969.
Seymour Chatman: Story and discourse. Narrative structure in fiction and film, Ithaca 1980 (ED 1978).
Alfred Döblin: "Der Bau des epischen Werks", in: ders.: Schriften zu Ästhetik, Poetik und Literatur, herausgegeben von Erich Kleinschmidt, Olten/Freiburg im Breisgau 1989, S. 215-245.
Gérard Genette: Die Erzählung, München 1998, zweite Auflage.
Eberhard Lämmert: Bauformen des Erzählens, Stuttgart 1980, siebte Auflage.
Matías Martínez / Michael Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie, München 2012, neunte Auflage. (bitte anschaffen! Arbeitsgrundlage für das Seminar)
Matías Martínez (Hg.): Handbuch Erzählliteratur. Theorie - Analyse - Geschichte, Stuttgart/Weimar 2011.
Matías Martínez (Hg.): Erzählen. Ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart/Weimar 2016.
Ansgar Nünning/Vera Nünning (Hgg.): Neue Ansätze in der Erzähltheorie, Trier 2002.
Vera Nünning und Ansgar Nünning (Hgg.): Erzähltextanalyse und Gender Studies. Unter Mitarbeit von Nadyne Stritzke, Stuttgart/Weimar 2004.
Jürgen H. Petersen: "Kategorien des Erzählens. Zur systematischen Deskription epischer Texte", in: Poetica 9, Heft 2 (1977), S.167 - 195.
Richard Rorty: "Der Roman als Mittel zur Erlösung aus der Selbstbezogenheit", in: Joachim Küpper/Christoph Menke (Hgg.): Dimensionen ästhetischer Erfahrung, Frankfurt am Main 2003, S. 49-66
Franz K. Stanzel: Theorie des Erzählens, Göttingen 1995, sechste Auflage.
Jochen Vogt: Aspekte erzählender Prosa. Eine Einführung in Erzähltechnik und Romantheorie, Paderborn 2014, elfte Auflage.
Patricia Waugh: Metafiction. The Theory and Practice of Selfconscious Fiction, London/New York 1984
Dietrich Weber: Erzählliteratur. Schriftwerk, Kunstwerk, Erzählwerk, Göttingen 1998.
David E. Wellbery: Positionen der Literaturwissneschaft. Acht Modellanalysen am Beispiel von Kleists "Das Erdbeben in Chili", München 2007, fünfte Auflage.

Lehrende

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Fachzuordnungen

Modul Veranstaltung Leistungen  
23-GER-PLit1_ver1 Systematische Aspekte der Literaturwissenschaft Veranstaltung 1 (mit Modulprüfung) Studienleistung
benotete Prüfungsleistung
Studieninformation
Veranstaltung 2 Studienleistung
Studieninformation

Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.


Studienleistung: schriftliche Skizzierung einer erzähltheoretischen Position bzw. Kategorie und deren Anwendung auf einen selbst gewählten Text (ca. zwei bis drei Seiten)
benotete Einzelleitung: Hausarbeit (ca. zwölf bis fünfzehn Seiten)

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Letzte Änderung Grunddaten/Lehrende:
Donnerstag, 9. März 2017 
Letzte Änderung Zeiten:
Mittwoch, 2. August 2017 
Letzte Änderung Räume:
Mittwoch, 2. August 2017 
Art(en) / SWS
Seminar (S) / 2
Einrichtung
Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
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88243889