Studien zufolge gelten 55 % aller Kinder in Deutschland als unsicher gebunden. In sozialen Brennpunkten liegt die Zahl weitaus höher. Bindungsunsicherheiten und Traumatisierungen von Kindern stehen in Verbindung mit zahlreichen Problemen und Herausforderungen. Aufgrund von Bindungserfahrungen, die durch Zurückweisungen, starken Widersprüchen in der Eltern-Kind-Beziehung oder gar durch Missbrauch und Vernachlässigung geprägt sind, verhalten sich Kinder den Erwachsenen und Gleichaltrigen gegenüber distanzlos oder gewalttätig, wirken permanent unruhig und unkonzentriert. Sie gelten zum Teil sogar als nicht mehr tragbar in pädagogischen Einrichtungen. Diese entwicklungslogischen „Überlebensstrategien“ solcher Kinder und Jugendlichen wirken in der Schule aber dysfunktional.
Viele Pädagogen reagieren auf solche „Verhaltensauffälligkeiten“ verunsichert oder sogar, in Unkenntnis der Hintergründe, kontraproduktiv. Die Veranstaltung soll zum einen auf Grundlage theoretischen Hintergrundwissens die Pädagogen darin unterstützen, unsichere Bindungsmuster und Traumatisierungen „lesen zu lernen“. Zum anderen möchte ich anhand von konkreten Vorgehensweisen und Haltungsänderungen zeigen, wie im engen Rahmen von Schule angemessen auf bindungsunsichere Kinder und Jugendliche reagiert werden kann. Dabei können auch konkrete Fallbeispiele besprochen und Lösungen gefunden werden.
Theorie
Grundzüge der Bindungstheorie
Bindung und menschliche Entwicklung: Funktionen des Gehirns und des vegetativen Nervensystems im Kontext von Bindung, Emotionalität und Alltagsbewältigung
Bindungsunsicherheiten: Entstehung und Auswirkungen auf die menschliche Entwicklung/die Schule
Bindungsdynamiken in der Klasse verstehen und pädagogisch handeln
Lehrer-Schüler-Beziehung: Struktur, Rollenbilder, Lehrkräfte als "psychologische Leiheltern"?
Traumaforschung und -pädagogik
Psychotraumata (Bindungstraumata): Definition, Erscheinungsformen und Auswirkungen auf die menschliche Entwicklung/die Schule
Transgenerationale Übertragung von Traumata
„Leben im (emotionalen) Kriegsgebiet“: Auswirkungen von Traumatisierungen von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter
Übertragung-Gegenübertrag-Dynamiken
Traumatisierte Schüler: Erkennen, Verstehen, Unterstützen
Mentalisierungsorientierte Pädagogik
Mentalisieren: Definition, Entwicklung, Erscheinungsformen
Mentalisierungsorientierte Gesprächsführung
Praxis
Bindungsorientierte Gestaltung der Lehrer-Schüler-Beziehung
"Warum kommt bei Dir nichts an?!" – Mentalisierungsorientierte Gesprächsführung
Eltern- und Schülerverhalten deuten und pädagogisch handeln
„Angriff ist die schlechteste Verteidigung“ – Fallstricke ausräumen im Umgang mit unsicher gebundenen Kindern und Jugendlichen
„Was mir Dein Schreien verrät“ ¬– Rollenspiele
Fallbeispiele
Das Seminar wird als Blockveranstaltung angeboten.
In dieser Veranstaltung findet ein Platzvergabeverfahren statt. Bitte informieren Sie sich hier über den Ablauf: https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/erziehungswissenschaft/studium-und-lehre/studiendekanat/studienorganisation/platzvergabe/
Master of Education: Voraussetzung ist die Einschreibung im Master of Education – Erziehungswissenschaft Integrierte Sonderpädagogik mit dem Berufsziel Lehramt für sonderpädagogische Förderung im SoSe 2026
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| einmalig | Di | 18-20 | ONLINE | 28.04.2026 | Verbindliche Vorbesprechung |
| Block | Block | 9-16 | 16.-17.05.2026 | ||
| Block | Block | 9-16 | 06.-07.06.2026 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 25-ISP7 Förderung im Schwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung Förderung im Schwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung | E2: Unterrichten als Beziehungsgestaltung | Studienleistung
benotete Prüfungsleistung |
Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.