Die Verhaltensgenetik beschäftigt sich mit der Frage nach dem Ausmaß genetischer Beiträge zu interindividuellen Unterschieden in charakteristischen Mustern von Emotionen, Kognitionen, Motivationen und Verhaltensweisen. In einer Frage: In welchem Ausmaß machen genetische Unterschiede die individuellen Besonderheiten aus? Die Verhaltensgenetik fokussiert dabei nicht nur auf variable Aspekte des menschlichen Genoms, sondern auch auf Unterschiede in den Umwelten, die Individuen erleben und prägen. Die Verhaltensgenetik nutzt dabei ganz verschiedene Studiendesigns wie beispielsweise quantitative Extended Twin Family Designs (ETFDs) oder molekulare Genome-Wide Association Studies (GWAS), um komplexe genetische Faktoren und verschiedene umweltbedingte Einflüsse sowie deren Wechselwirkungen auf interindividuelle Unterschiede im Erleben und Verhalten zu entflechten. Zunächst wird in die theoretischen und methodischen Grundlagen der quantitativen und molekularen Verhaltensgenetik im Rahmen von drei Einführungsblöcken eingeführt. Dabei werden die entsprechenden Forschungsdesigns und -methoden anhand von ausgewählten Beispielen in Gruppenarbeiten angewandt und reflektiert. In den anschließenden vier Vertiefungsblöcken wird das aufgebaute grundlegende Wissen und die methodischen Fertigkeiten auf gezielte Fragestellungen und Merkmalsbereiche angewandt.
Themen des Einführungsblocks:
- Evolution und Variation
- Molekulargenetische Grundlagen
- Quantitative verhaltensgenetische Designs: Anlage versus Umwelt
- Schätzungen genetischer und Umwelteinflüsse auf individuelle Unterschiede
- Interaktion und Kovariation zwischen Anlage und Umwelt
- Identifikation von Genen mit molekulargenetischen Designs
- Vom Gen zum Verhalten und die Rolle der Epigenetik
Mögliche Themenbereiche der Vertiefung, welche nach Interessenlage der Teilnehmenden ausgewählt werden:
- Allgemeine kognitive Fähigkeiten
- Spezifische kognitive Fähigkeiten
- Kognitive Störungen
- Persönlichkeitsdimensionen
- Persönlichkeitsentwicklung
- Persönlichkeitsstörungen
- Selbstwert und Wohlbefinden
- Schizophrenie und spezifische Psychotische Störungen
- Depressions- und Angststörungen
- Entwicklungspsychopathologie (Autismus, ADHS, Anpassungsstörungen)
- Suchtstörungen und Substanzmissbrauch
- Body Mass Index und Essstörungen
- Altersbedingte Funktionseinschränkungen und Demenz
- Aging, Langlebigkeit und Epigenetische Uhren
- Politische Orientierung und Religiosität
Keine
Einstiegsliteratur:
Asendorpf, J., & Kandler, C. (2018). Verhaltens- und molekulargenetische Grundlagen. In: W. Schneider & U. Lindenberger (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 81-97). Beltz.
Kandler, C., Zapko-Willmes, A., Richter, J., & Riemann, R. (2021). Synergistic and dynamic genotype-environment interplays in the development of personality differences. In: J. F. Rauthmann (ed.), The Handbook of Personality Dynamics and Processes (pp. 155-181). Elsevier Academic Press. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-813995-0.00007-8
Grundlagenliteratur:
Knopik, V. S., Neiderhiser, J. M., Defries, J. C., & Plomin, R. (2017). Behavioral Genetics (7th ed.). W. H. Freeman & Co Ltd Chapters 1 – 10 (pp. 1 – 166) + Appendices (342 – 382)
Vertiefungsliteratur zu Zwillingsforschung:
Tarnoki, A. D., Tarnoki, D. L., Harris, J. R., & Segal, N. L. (2022). Twin Research for Everyone: From Biology to Health, Epigenetics, and Psychology. Academic Press. Section 1, 4, and 7 (pp. 1-50, 189-233, 547-664)
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| 14täglich | Mo | 14-18 | 13.04.-13.07.2026 |
| Modul | Veranstaltung | Leistungen | |
|---|---|---|---|
| 27-PT-WiVt Wissenschaftliche Vertiefung Wissenschaftliche Vertiefung | 27-PT-WiVt.1: Wissenschaftliche Vertiefung I | Studienleistung
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Studieninformation |
| 27-PT-WiVt.2: Wissenschaftliche Vertiefung II | Studienleistung
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Studieninformation | |
| 27-PT-WiVt.3: Wissenschaftliche Vertiefung III | benotete Prüfungsleistung
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Studieninformation |
Die verbindlichen Modulbeschreibungen enthalten weitere Informationen, auch zu den "Leistungen" und ihren Anforderungen. Sind mehrere "Leistungsformen" möglich, entscheiden die jeweiligen Lehrenden darüber.
In dieser Veranstaltung können benotete Prüfungsleistungen und unbenotete Studienleistungen erbracht werden. Hierzu wird es zwei Optionen geben:
1. Einzelprüfungsoption (Paper Session)
2. Gruppenprüfungsoption (Symposium)
Prüfungsabnahmen sind in deutscher und englischer Sprache möglich. Einzelheiten und Kriterien der Benotung werden im Seminar bekanntgegeben.