Wer schreibt, wenn ich über mich selbst schreibe? Über wen schreibe ich, wenn ich über mich selbst schreibe? Protokolliere ich mein Leben oder entwerfe ich es im Schreiben? Wie kann ich über mein Leben schreiben, wenn es noch nicht zu Ende ist? Mit welchen anderen Medien kann ich mich auf mich beziehen und ausdrücken? Und wie prägen Medien den Selbstbezug und -ausdruck? Diese und viele andere Fragen stellen Autobiographien und fordern jede Reflektion des Autobiographischen heraus.
Vor allem französische Theoretiker des 20. Jahrhunderts haben das Nachdenken über das Autobiographische und Automediale entscheidend geprägt. Wir werden im Seminar einige prominente Texte dieser Theoriebildung diskutieren. Anhand einer breiten historischen, Auswahl von Selbstentwürfen werden wir die Fragen der Theoriebildung nachvollziehen und ihre Antworten überprüfen. Wir untersuchen das Autobiographische in Lebenserzählungen (Rousseau, Sartre, Duras etc.) genauso wie in lyrischen und essayistischen Selbstverschriftungen (Villon, Montaigne, Michaux etc.) und werden auch crossmediale Selbstentwürfe in den Blick nehmen (Barthes, Calle etc.).
Im Einführungsmodul des BA Literaturwissenschaft kann der Kurs als theoretische Veranstaltung angerechnet werden.
Jeder Teilnehmende sucht sich bis zum Beginn des Seminars ein Werk aus, mit dem er sich besonders beschäftigen möchte. Ich schlage im Folgenden einige vor, weitere Vorschläge Ihrerseits sind sehr willkommen. Möglich sind alle Zeugnisse ästhetischen Selbstbezugs (sei es in Literatur, Film, bildender Kunst oder digitalen Medien). Bitte teilen Sie mir Ihre Wahl bis spätestens zum Semesterbeginn per Mail mit, ich vergebe die Themen „first come first serve“.
Vorschläge:
• Villon: "Le Testament" (ca. 1461/62) (Auszug)
• Montaigne: "Essais" (1580-88) (Auswahl)
• Rousseau: "Les Confessions" (1758)
• Baudelaire: "Mon coeur mis a nu" (1887)
• Henri Michaux: „Qui je fus“ (1927)
• Michel Leiris: "L’âge d’homme" (1939)
• Jean Genet: "Journal du Voleur" (1949)
• Jean Paul Sartre: "Les Mots" (1964)
• "Roland Barthes par Roland Barthes" (1975)
• Alain Robbe-Grillet: "Le Miroir que revient" (1984)
• Marguerite Duras: "L’amant" (1984) oder "La douleur" (1985)
• Sophie Calle: "Des histoires vraies + 10" (2002) oder "Prenez soin de vous" (2007) (DVD)
Wir lesen sowohl die theoretischen als auch die literarischen Texte auf Französisch.
Die theoretischen Texte und die von allen zu lesenden Auszüge aus den Primärtexten stelle ich in einem Reader zu Verfügung.
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Mi | 16-18 | C4-153 | 12.04.-23.07.2010 |
Verstecke vergangene Termine <<
| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Literaturwissenschaft / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Nebenfach | BaLitP3; BaLitP6; BaLitEM | 2/4 | |||
| Romanische Kulturen: Sprache, Literatur, Geschichte / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Nebenfach | BaRKF2; BaRK5b | 2/5 | |||
| Studieren ab 50 |
Für eine regelmäßige und aktive Teilnahme müssen Sie regelmäßig und aktiv teilnehmen sowie den von Ihnen ausgewählten Primärtext (s.o.) vorstellen.
Eine benotete Einzelleistung kann als Klausur oder Hausarbeit erbracht werden.