Heiner Müller war einer der bekanntesten Dramatiker der deutschen Nachkriegszeit. Müllers Werk ist von den politischen Kontexten, die aus den Spannungen seiner Existenz als DDR-Autor, der ebenso im Westen und in den USA arbeitet und inszeniert nicht zu lösen. Wurde Müller in der DDR lange als ‚Formalist‘ beschimpft, der der kulturpolitischen Forderung eines sozialistischen Realismus nicht nachkomme, so galt er in der BRD mal als ‚Nachfolger Brechts‘‚ mal als radikaler Kommunist‘ mal als ‚rechter Linker‘, der offen seine Sympathien für Autoren wie Ernst Jünger und Carl Schmitt äußert. Das Provokationspotenzial seines Werkes und seiner Selbstinszenierung ist dabei ein Hinweis, dass diese zwar immer politisch sind, nie aber auf eine stringente ideologische Linie gebracht werden kann. Seine (Shakespeare-) Adaptionen, Kopien, intertextuelle Anleihen, mythische Bezüge verlangen danach seine ästhetischen Strategien nicht als bloße politische Statements abzuhandeln, sondern als Beitrag für ein modernes Theater nach Brecht und Beckett.
Das Seminar wird neben ausgewählten Dramen Müllers sich auch immer wieder mit dem kulturpolitischen Umfeld in der DDR und BRD auseinandersetzen, in dem Müller sich bewegt und daran reibt. Wir werden die Entwicklung des Werkes von seinen frühen Stücken bis in die Nachwendezeit verfolgen, in der Müller sich künstlerisch zunehmend ortlos fühlte.
Da es sich um eine Profilmodulveranstaltung handelt, wäre es sinnvoll, wenn die Basismodulveranstaltung "Theorie und Geschichte des 20. Jahrhunderts" zuvor belegt worden wäre.
Desweiteren setzt die Veranstaltung zumindest geschichtliche Grundkenntnisse über die Zeit von 1945-2003 voraus. Siehe dazu auch die Literaturangaben.
Anzuschaffende Lektüre:
Heiner Müller: Der Auftrag und andere Revolutionsstücke, hg. von Uwe Wittstock. Stuttgart: Reclam 2005 (3,80€)
Zur Vorbereitung:
Norbert Otto Eke: Heiner Müller. Stuttgart: Reclam 1999 (7,60€)
Für Fans:
Hans-Thies Lehmann/Patrick Primavesi (Hg.): Heiner-Müller-Handbuch. Leben-Werk-Wirkung. Stuttgart: Metzler 2003 (49,90€)
| Rhythmus | Tag | Uhrzeit | Format / Ort | Zeitraum | |
|---|---|---|---|---|---|
| wöchentlich | Mo | 16-18 | D2-136 | 12.10.2009-05.02.2010
nicht am: 28.12.09 / 04.01.10 |
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| Studiengang/-angebot | Gültigkeit | Variante | Untergliederung | Status | Sem. | LP | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Germanistik / Bachelor | (Einschreibung bis SoSe 2011) | Kern- und Nebenfach | BaGerP2G | 2/5 | |||
| Germanistik / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | BaGerP2G | 2/5 | ||||
| Germanistik (GHR) / Master of Education | (Einschreibung bis SoSe 2014) | BaGerP2G | 2/5 |
Für die aktive Teilnahme wird erwartet, dass die Texte grundlich gelesen und vorbereitet sind. Dazu gehört auch die Orientierung über die jeweiligen Autoren. Besonderen Wert lege ich auf das Adjektiv "aktiv" bei der Teilnahme. Es handelt sich nicht um eine Vorlesung, sondern ein universitäres Seminar, das vom Gespräch lebt.
Eine benotete Einzelleistung kann nur im Rahmen einer schriftlichen Hausarbeit erbracht werden. Ideal, aber nicht zwingend erforderlich, wäre es, wenn die Idee zur Hausarbeit zuvor im Seminar vorgestellt wird. Jede Hausarbeit muss zuvor in der Sprechstunde besprochen werden. Unangemeldete Arbeiten nehme ich nicht an.
Als Abgabetermin sollte das Ende der Semesterferien angepeilt werdden.