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300862 Studiengruppe: AnarchaFeminismus – anarchistischer Feminismus – feministischer Anarchismus(Fortführung) (StGr) (WiSe 2019/2020)

Inhalt, Kommentar

Als Gesellschaftstheorie zielt der Anarchismus auf die Abschaffung jeglicher Herrschaft über den Menschen. Also die Befreiung von Staat, Kapital und Klasse hin zu einer Gesellschaft, die sich selbst organisiert, in der Menschen über alles, was sie betrifft, aktiv mitentscheiden, ihre Umwelt aktiv gestalten können.
In dieser utopisch-revolutionären Sehnsucht ist jedoch keineswegs automatisch die Befreiung der Frau oder die Abschaffung des Patriarchats „mitgemeint“, auch wenn dies bis heute von Anarchisten behauptet wird. Der Vordenker des Anarchismus – Pierre Joseph Proudhon – sah nicht einmal die Notwendigkeit, Frauen auch nur als gleichwertige Menschen zu betrachten.
Nichtsdestotrotz gab es immer anarchistische Frauen. Sie waren aktiv in den anarchistischen Gruppierungen und Gewerkschaften, hielten Reden, schrieben Bücher, nahmen an Aufständen und Revolutionen teil und verübten Attentate. Obwohl sie auch die vollständige Emanzipation der Frau anstrebten und den Sexismus (nicht nur) ihrer Genossen kritisierten, verstanden sie sich oft nicht als Feministinnen. Der Feminismus wurde meist als vermeintlich bürgerlich und staatsfixiert zurückgewiesen.
Bis schließlich in den 1970er Jahren Anarchistinnen und Radikalfeministinnen in den USA versuchten, feministische und anarchistische Theorie miteinander zu verbinden – allen voran Peggy Kornegger und Carol Ehrlich. Es entstand der AnarchaFeminismus. Sie sahen die beiden Theorien als natürliche Ergänzungen an und gingen teils soweit zu sagen, dass jede Feminisitin im Grunde auch Anarchistin sei – im Zweifelsfall wisse sie es nur noch nicht.
Im Seminar möchten wir uns den Verbindungen und Trennlinien zwischen Anarchismus und Feminismus annähern. Mögliche Themen sind dabei Sexismus im Anarchismus (z.B. Proudhon), das „Mitmeinen“ der Frauen in der Theorie (z.B. Bakunin & Kropotkin), frühe (feministische) Anarchistinnen (z.B. Emma Goldman, Lucy Parsons & Voltairine de Cleyre), aktive Revolutionärinnen (z.B. Louise Michel, Mujeres Libres), Frauen in anarchistischen Gewerkschaften (z.B. Syndikalistischer Frauenbund), anarchistische Attentäterinnen (z.B. Rirette Maîtrejean), AnarchFeministinnen (z.B. Peggy Kornegger, Carol Ehrlich, Janet Biel & Silke Lohschelder) und die Frage, welche Relevanz AnarchaFeminismus heute hat oder haben könnte und was zeitgemäße AnarchaFemininistische Ansätze sind oder sein sollten.
Die Themen sind als Anregungen zu verstehen. Das Seminar ist ein autonomes, das heißt selbstorganisiertes. Wir wollen keinen fertigen Seminarplan vorlegen, sondern die Themen, deren Umsetzung und den Ablauf gemeinsam zu Beginn des Seminars (möglichst im Konsens) festlegen. Damit möchten wir auch die Möglichkeit schaffen, uns kollektiv den Begriffen Anarchismus, Feminismus und AnarchaFeminismus anzunähern. Das bedeutet, dass eine aktive Teilnahme notwendig ist. Das Seminar ist eine Fortführung aus dem Sommersemester, neue Teilnehmer_innen sind ebenso herzlich willkommen.

Literaturangaben

Anarchia Versand (Hrsg.): Was ist eigentlich AnarchaFeminsimus? Wien 2003. Online:
https://www.anarchismus.at/anarcha-feminismus/anarchafeministisches/801-was-ist-eigentlichanarchafeminismus

Akemi, Romina; Busk, Bree: Breaking the waves. Die liberalen Strömungen innerhalb des anarchistischen Feminismus angreifen. In: Gaidao, Nr. 74 / Februar 2017. Online:
https://anarchistischebibliothek.org/library/romina-akemi-bree-busk-ubersetzung-madaltonbreaking-the-waves

Kornegger, Peggy: Der Anarchismus und seine Verbindung zum Feminismus. Syndikat-A Verlag,Moers 2019. Online:
https://anarchistischebibliothek.org/library/peggy-kornegger-der-anarchismusund-seine-verbindung-zum-feminismus

Lohschelder, Silke: Anarcha Feminismus. Auf den Spuren einer Utopie. Unrast Verlag, Münster 2009

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