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Sonderforschungsbereich „Praktiken des Vergleichens“ verlängert

Veröffentlicht am 4. Dezember 2020, 10:30 Uhr
Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Verbund mit 11,9 Millionen Euro

Der Sonderforschungsbereich „Praktiken des Vergleichens: Die Welt ordnen und verändern“ (SFB 1288) der Universität Bielefeld wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ab Januar 2021 für weitere vier Jahre gefördert. Die DFG hat am 27. November bekannt gegeben, die Laufzeit des interdisziplinären Forschungsverbunds zu verlängern. Für die zweite Förderperiode wurden 11,9 Millionen Euro bewilligt. „Das ist ein großartiger Erfolg, der die Arbeit der SFB-Mitglieder der vergangenen vier Jahre belohnt“, sagt Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld.

Der im Januar 2017 eingerichtete SFB beschäftigt sich mit den historisch variablen Praktiken des Vergleichens. „Wie bedeutend die Arbeit des Sonderforschungsbereichs ist, ließ sich in den vergangenen Monaten sehr gut nachzuvollziehen“, so Sagerer. „Denn wer die Diskussionen um die Covid-19-Pandemie und die US-Wahlen verfolgt hat, weiß, wie allgegenwärtig Vergleiche im öffentlichen Raum sind.“

Vergleichen ist eine Alltagspraxis und gleichermaßen eine wissenschaftliche Methode in fast allen Disziplinen. Das Vergleichen ist dabei keineswegs eine unschuldige oder gar neutrale Tätigkeit. „Wir holen das ans Tageslicht, was beim Vergleichen häufig verborgen bleibt, aber das Vergleichen zu einer hochspannenden, wirkungsvollen und manchmal auch gefährlichen Tätigkeit macht“, sagt die SFB-Sprecherin Professorin Dr. Angelika Epple. „Wir analysieren, was Akteur*innen tun, wenn sie Gegenstände vergleichbar machen und in eine komparative, häufig wertende Beziehung setzen. Unser Spektrum reicht von der Untersuchung rassistischer Vergleichspraktiken bis hin zu Vergleichspraktiken bei der Nobelpreisverleihung durch die Schwedische Akademie, von der Antike bis in die Gegenwart.“

SFB-Sprecherin Prof’in Dr. Angelika Epple: „Vergleiche sind omnipräsent – im SFB erforschen wir, wie sich die Welt verändert, wenn wir vergleichen.“ Foto: Universität Bielefeld/S. Jonek
SFB-Sprecherin Prof’in Dr. Angelika Epple: „Vergleiche sind omnipräsent – im SFB erforschen wir, wie sich die Welt verändert, wenn wir vergleichen.“ Foto: Universität Bielefeld/S. Jonek
Der SFB 1288 ist ein interdisziplinärer Forschungsverbund von rund 50 Wissenschaftler*innen aus den Fachbereichen Geschichtswissenschaft, Germanistik, Kunstgeschichte, Romanistik, Philosophie, Rechts- und Politikwissenschaft sowie den Interamerikanischen Studien. Das langfristige Forschungsziel ist, die Praktiken des Vergleichens präzise beschreibbar zu machen, ebenso die ordnende und verändernde Kraft des Vergleichens, aber auch die unterschiedlichen Hindernisse, die Vergleiche erschweren. Mit der Bewilligung der DFG kann nun weitere vier Jahre an der Universität Bielefeld zum Thema „Praktiken des Vergleichens“ geforscht werden. „In der neuen Förderphase möchten wir mit unserer Forschung auch eine neue Art und Weise des Nachdenkens über Geschichte, Gesellschaften und den historischen Wandel anstoßen und somit weiterverfolgen, was wir bereits seit 2017 tun“, so Epple. „Unser Ziel ist, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Praxis des Vergleichens nur vermeintlich objektiv oder unschuldig ist. Denn: Auf welcher Grundlage treffen wir unsere vergleichenden Werturteile? Wie neutral kann das Vergleichen wirklich sein?“

Vier Sonderforschungsbereiche an der Universität Bielefeld

Durch die Verlängerung des SFB „Praktiken des Vergleichens: Die Welt ordnen und verändern“ gibt es nun weiterhin vier Sonderforschungsbereiche an der Universität Bielefeld. Der SFB 1283 erforscht den Zufall aus mathematischer Sicht. Die Physiker*innen im Transregio-Sonderforschungsbereich (SFB-TRR) 211 untersuchen die Wechselwirkungen von Materie unter extremen Bedingungen (Verbund mit Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt). Warum Tiere ganz individuell ihre eigene, unverwechselbare Nische im Ökosystem wählen, wird im SFB/TRR 212 erforscht.

Sonderforschungsbereiche (SFB) sind langfristig angelegte Forschungseinrichtungen der Universitäten, in denen Wissenschaftler*innen im Rahmen eines fächerübergreifenden Forschungsprogramms zusammenarbeiten. Sie werden von der DFG finanziert und ermöglichen die Bearbeitung anspruchsvoller, aufwendiger und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben. Die Dauer der Förderung beträgt im Idealfall zwölf Jahre, wobei eine Förderperiode vier Jahre umfasst.

Weitere Informationen:
•    DFG-Pressemitteilung zur Verlängerung des Sonderforschungsbereichs
•    Website des SFB 1288
•    Podcast „Praktisch Theoretisch“ zum SFB


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