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Bielefelder Personaloffensive: Interview mit Professor Dr. Martin Egelhaaf

Veröffentlicht am 2. Oktober 2019, 15:00 Uhr
Vor rund zwei Jahren wurde an der Universität die Bielefelder Personaloffensive BiPO gestartet. Mit seinem Konzept für den wissenschaftlichen Nachwuchs hatte sich die Universität erfolgreich beim Tenure-Track-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses des Bundes und der Länder beworben. Parallel dazu wurde im Jahr 2018 eine große Mitarbeitendenbefragung durchgeführt, in der auch ganz explizit die Situation des wissenschaftlichen Mittelbaus in den Blick genommen wurde. Im uni.intern-Interview berichtet Professor Dr. Martin Egelhaaf, Prorektor für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung, wie die Befragungsergebnisse berücksichtigt werden, warum die Personaloffensive einen Paradigmenwechsel darstellt und wie der wissenschaftliche Nachwuchs davon profitiert.

Prof. Dr. Martin Egelhaaf,Prorektor für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung, Foto Unversität Bielefeld.
Prof. Dr. Martin Egelhaaf, Prorektor für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung, Foto: Universität Bielefeld.
Seit rund zwei Jahren gibt es an der Universität Bielefeld die Bielefelder Personaloffensive BiPO. Mit welchem Ziel haben Sie damals dieses Projekt ins Leben gerufen?
Professor Dr. Martin Egelhaaf: Um als Universität erfolgreich und leistungsfähig in Forschung und Lehre sein zu können, brauchen wir unsere Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Daher möchten wir an der Universität Bielefeld unseren wissenschaftlichen Nachwuchs in jeder Karrierephase so gut wie möglich unterstützen. Dabei können wir uns jedoch nicht nur auf die Karriere im Wissenschaftsbetrieb konzentrieren, sondern müssen auch außeruniversitäre Karrierewege in den Blick nehmen. Das bedeutet, dass wir eine konsistente Strategie brauchen, die gezielt verschiedene Karriereoptionen berücksichtigt. Das war vor zwei Jahren ein Paradigmenwechsel.

Was hat Sie zu diesem Paradigmenwechsel veranlasst?
Professor Dr. Martin Egelhaaf: Wir haben uns zunächst die Datenlage angeschaut. Ein Beispiel: An der Universität Bielefeld werden pro Jahr rund 200 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler promoviert. Natürlich wird nicht jede dieser Promotionen in eine weiterführende Karriere im Wissenschaftsystem führen. Auch in Wirtschaft und Gesellschaft gibt es einen großen Bedarf und großes Potential für wissenschaftlich hochqualifizierte Menschen. An dieser Stelle setzt die Bielefelder Personaloffensive an. Wir tragen Verantwortung für unsere Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Daher wollen wir alle Karrierewege transparent machen, sowohl innerhalb der Universität als auch außerhalb, und insbesondere unsere Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler dabei unterstützen, bewusste Entscheidungen an den oft schwierigen Übergängen von einem Karriereschritt zum nächsten treffen zu können. Wir betrachten dabei Karrierewege innerhalb des Wissenschaftssystems, aber eben auch in andere Bereiche der Gesellschaft, die den jeweiligen Neigungen und Fähigkeiten, aber auch den vielfältigen Herausforderungen des wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Arbeitsmarkts möglichst gut Rechnung tragen.  

Wie sieht die Unterstützung der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus? Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Professor Dr. Martin Egelhaaf: Natürlich werden klassische Angebote der Personalentwicklung und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, wie die Unterstützung des Übergangs von einer Karrierephase zur nächsten, ergänzt und an neue Herausforderungen angepasst. Das Spektrum möglicher Karriereziele ist dabei – neben dem für die Universtät Bielefeld sehr wichtigen Lehramtsbereich – breit angelegt: Wissenschaft mit Schwerpunkt Forschung und/oder Lehre im universitären System, Wissenschaft in außeruniversitären Einrichtungen, eine FH-Professur, Wissenschaftsmanagement oder eben Tätigkeiten in Wirtschaft und Gesellschaft. Da Letztere eine quantitativ besonders große Rolle spielen, sind wir auch dabei, auch die Herausforderungen außeruniversitärer Karrierewege systematischer in den Blick zu nehmen. So konnten wir zum Beispiel im Career Service dank der im Tenure-Track-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eingeworbenen Mittel eine neue Stelle schaffen. Aufgabe dieser Stelle ist es, ein Konzept zur Beratung für außeruniversitäre Karrierewege zu entwickeln.
Da in manchen Geistes- und Sozialwissenschaften außeruniversitäre Karrierewege nicht immer offensichtlich sind, unterstützt darüber hinaus das Rektorat ein Pilotprojekt der Bielefeld Graduate School for History and Sociology (BGHS), das Promovierenden die Möglichkeiten gibt, sich mit außeruniversitären Tätigkeitsfeldern, z.B. in Form einer Praxisphase in Unternehmen oder gesellschaftlichen Einrichtungen, vertraut zu machen. In anderen Bereichen unserer Universität, insbesondere in einigen natur- und technikwissenschaftlichen Feldern - haben Forschungsergebnisse auch von Qualifikationsarbeiten oft eine hohes Transfer- und Anwendungspotential, das z.B. durch eine Unterstützung auf dem Weg zur Gründung eines StartUps – auch ein spannender Karriereweg – gefördert wird.  
In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf den Nachwuchs-Newsletter der Universität Bielefeld hinweisen, der vom Service Center für den Wissenschaftlichen Nachwuchs entwickelt wurde und der regelmäßig Informationen zu aktuellen Themen der Nachwuchsförderung an der Universität Bielefeld, zu externen Ausschreibungen und Förderprogrammen sowie zu relevanten wissenschafts- und hochschulpolitischen Entwicklungen zur Verfügung stellt.

Vor gut einem Jahr lagen die Ergebnisse der Mitarbeitendenbefragung vor. Ein Ergebnis: Besonders Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler fühlen sich durch befristete Stellen belastet. Wie reagieren Sie darauf?
Professor Dr. Martin Egelhaaf: Wir haben die Frage nach den befristeten Stellen bewusst in die Mitarbeitendenbefragung aufgenommen. Das Thema ist natürlich seit Langem bekannt – nicht nur in Bielefeld, sondern in der gesamten Hochschullandschaft. Angesichts der wissenschaftlichen Qualifizierungsaufgaben von Universitäten und der für unsere Forschung essentiellen projektförmigen Mittel z.B. der DFG, des Bundes oder auch der EU, wird zwangsläufig ein großer Teil der Stellen für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auch in Zukunft befristet sein. Aber auch hier greifen wieder die Ziele der Personaloffensive: unterstützen und fit machen für Karrieren innerhalb aber auch außerhalb der Universität. Die Wege dorthin sollen transparent gemacht werden und Vertragslaufzeiten sich an der Dauer der jeweiligen Qualifiakationsphase orientieren. Wie schon gesagt, wird das Beratungsangebot stetig an die aktuellen Herausforderungen systematisch angepasst. Damit dies gut gelingen kann, haben sich die für Nachwuchsförderung und Personalentwicklung verantwortlichen Bereiche der Universität strategisch unter dem Dach des BiPO Steuerkreises miteinander verschränkt und stimmen ihr jeweiliges Angebot miteinander ab.

Wie können Sie sicherstellen, dass das Thema ausreichend Aufmerksamkeit innerhalb der Universität bekommt?
Professor Dr. Martin Egelhaaf: Nicht nur der wissenschaftliche Nachwuchs, sondern der gesamte akademische Mittelbau ist für die Universität Bielefeld von zentraler Bedeutung. Dies hat auch der Rektor in seinem ambitionierten Programm für seine neue Amtzeit sehr deutlich gemacht. Um dieser Bedeutung noch prominenter gerecht werden zu können, soll das Thema Personalentwicklung für alle Karrierestufen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zukünftig von einem neuen Prorektorat verantwortet werden.


Weitere Informationen:
Ergebnisse der Mitarbeitendenbefragung (Wissenschaft) von 2018
Zusammenfassung der Bielefelder Personaloffensive
Meldung „14 zusätzliche Professuren für die Universität Bielefeld“ vom 21. September 2017
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