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Willkommenskultur nimmt leicht ab – Fremden- und Islamfeindlichkeit steigen deutlich an

Veröffentlicht am 29. April 2016, 12:41 Uhr
Ergebnisse einer neuen Studie der Bielefelder Religionsforscher

Willkommenskultur, Kriegsflüchtlinge und Islam – zu diesen Themen hat sich die Spaltung der deutschen Bevölkerung in der kurzen Zeit zwischen August 2015 und März 2016 weiter vertieft. Während für die Willkommenskultur ein eher geringer Rückgang zu verzeichnen ist, haben Fremden- und Islamfeindlichkeit ein enormes Ausmaß angenommen – nicht nur, aber besonders bei potenziellen AfD-Wählerinnen und -Wählern. Dies haben Religionsforscher der Universität Bielefeld in zwei Befragungen dokumentiert.


Die Bielefelder Wissenschaftler messen Willkommenskultur mit unterschiedlichen Fragen. Grafik: Universität Bielefeld/H. Streib
Die Bielefelder Wissenschaftler messen Willkommenskultur mit unterschiedlichen Fragen. Grafik: Universität Bielefeld/H. Streib
Heinz Streib, Professor der Religionspädagogik an der Universität Bielefeld, analysiert gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Dr. Constantin Klein und seinem Forschungsteam die Einstellungen in Deutschland. Sie untersuchen positive und negative Einstellungen zwischen den drei großen Weltreligionen: dem Judentum, dem Christentum und dem Islam. Der Titel des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts lautet: „Xenophobie und Xenosophie in und zwischen den abrahamitischen Religionen“.

In einer ersten repräsentativen Befragung Anfang August 2015, zu Beginn des großen Flüchtlingsstroms über die Balkanroute, haben 637 Personen einen Online-Fragebogen ausgefüllt, in der zweiten Befragung im März 2016, in der Zeit der Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt, wurden weitere 625 Personen repräsentativ befragt. Durch die Aufnahme einer Sonntagsfrage – also die Frage nach der Wahlabsicht   in den Fragebogen der zweiten Befragung kann gezeigt werden, dass die extremistische – und beachtlich angestiegene – Fremden- und Islamfeindlichkeit vor allem bei potenziellen AfD-Wählerinnen und -Wählern zu finden ist, aber auch bei Wählern anderer Parteien.

Die Willkommenskultur gegenüber Kriegsflüchtlingen liegt auch Anfang März 2016 auf relativ hohem Niveau – allerdings mit leichten Einbußen gegenüber August 2015. Dass Menschen, die vor einem Krieg in ihrem Heimatland fliehen, hier willkommen sein sollten, findet Anfang August 2015 bei 83,4 Prozent der Befragten Zustimmung; Anfang März 2016 hingegen sind dies noch 78,9 Prozent (Rückgang: 4,7 Prozentpunkte).

Auf der anderen Seite stehen fremdenfeindliche Meinungen wie die, dass Europa sich vor einer zunehmenden Islamisierung schützen muss und dass die Regierenden zu wenig gegen Überfremdung tun: Dass Europa sich vor einer zunehmenden Islamisierung schützen müsse, meinen im März 2016 69,3 Prozent der Befragten, das sind 9 Prozentpunkte mehr als noch im August 2015. Dass die Regierenden zu wenig gegen die Überfremdung tun, finden inzwischen 66,1 Prozent der Befragten – 11,5 Prozentpunkte mehr als noch im August 2015.

„Der Vergleich nach Parteipräferenzen mit den Daten vom März 2016 bringt beunruhigende Tatsachen ans Licht“, meint Professor Streib. Dass Europa sich vor einer zunehmenden Islamisierung schützen müsse, findet bei 94,9 Prozent der potenziellen AfD-Wählerinnen und -Wähler Zustimmung. Aber auch bei allen anderen Wählergruppen liegt die Zustimmung zu dieser islamkritischen Behauptung bei über 50 Prozent, am niedrigsten noch mit 53,3 Prozent bei den potenziellen Grünen-Wählern. Ähnlich sind die Ergebnisse bei dem Vorwurf, dass die Regierenden zu wenig gegen die Überfremdung in unserem Land tun: 90,2 Prozent der potenziellen AfD-Wählerinnen und -Wähler stimmen hier zu, und nur die potenziellen Grünen-Wähler liegen mit 48,1 Prozent knapp unter der 50 Prozent-Marke.

Weitere Informationen im Internet:
www.uni-bielefeld.de/xenosophia
Pressemitteilung vom 04.03.2016:
Fremdenfeindlichkeit oder Willkommenskultur?
http://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/fremdenfeindlichkeit_oder_willkommenskultur_nr_36


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