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Wie das Internet mitbestimmt, was wir wissen und wer wir sind

Veröffentlicht am 13. Februar 2012, 13:17 Uhr

Internationale Konferenz in Bielefeld

Suchmaschinen und soziale Netzwerke sind heute alltäglich. Wie das Internet beeinflusst, wie Menschen zu Wissen über die Welt kommen, wie sie soziale Beziehungen knüpfen und wie sie lernen – damit befassen sich Forscherinnen und Forscher aus der ganzen Welt von Mittwoch bis Freitag, 15. bis 17. Februar, auf einer Konferenz im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Der Titel der Konferenz: „Web Epistemics – Wie das Internet mitbestimmt, was wir wissen und wer wir sind“. Teil der Konferenz ist ein öffentlicher Vortrag von Professor David Gugerli von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, Schweiz. Der Autor des Buches „Suchmaschinen: Die Welt als Datenbank“ ist am Mittwoch ab 18 Uhr zu hören. Der Vortrag ist in englischer Sprache.


Plakat zu der Tagung "Web Epistemics".
Plakat zu der Tagung "Web Epistemics".
Gugerlis Vortrag heißt „Information overload, knowledge and noise since the 1960s“ (Informationsüberflutung, Wissen und Lärm seit den 1960ern). Der Technikhistoriker sagt in seinem Buch, Suchmaschinen seien „stets in Auseinandersetzungen verwickelt zwischen jenen, die sie einsetzen, und jenen, auf die sie angesetzt werden“. Suchmaschinen wie Google und Yahoo können die Demokratie fördern, indem sie durch freien Zugang zu Information die Teilhabe von Bürgern fördern. Sie können hingegen auch Instrumente eines Überwachungsstaats sein, der Informationen zensiert und Einwohner so kontrolliert. Gugerli argumentiert in seinem Buch, wie Suchmaschinen seit Jahrzehnten dazu beigetragen haben, dass programmiertes und technisiertes Suchen normal wurde. Dabei beschränkt er sich nicht auf Suchmaschinen im Internet. Für ihn sind auch Sensoren, die Erdbeben ausfindig machen, Suchmaschinen und ebenfalls die Fernseh-Rateshow „Was bin ich?“. In der Sendung musste durch eine Ja-Nein-Suchabfrage herausgefunden werden, welchen Beruf ein Kandidat hatte. Auch die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ sieht Gugerli als Suchmaschine an – und zwar als eine, bei der die Fernsehzuschauer den Verbrecher finden müssen, der zu einer bestimmten Täterbeschreibung passt.

Gugerlis Vortrag ist eines von 17 Themen, die auf der Konferenz diskutiert werden. Vor ihm ist unter anderem Dr. Daniela Pscheida von der Technischen Universität Dresden zu hören. Ihr Vortrag trägt den Titel „A new paradigm of knowledge? How the web transforms our comprehension of knowledge and the way of academic research“ (Ein neues Paradigma des Wissens? Wie das Internet unser Verständnis von Wissen und die akademische Forschung umformt). Ein weiterer Referent ist Professor János Kertész von der Universität für Technologie und Wirtschaft in Budapest, Ungarn. Er spricht darüber, wie Autoren im Online-Lexikon Wikipedia darüber streiten, welche Eintragungen sein dürfen und welche nicht. Der Titel „Edit wars in Wikipedia: How cooperative value is formed“ (Autoren-Krieg in der Wikipedia: Wie kooperativer Wert entsteht).

Am zweiten Tag der Konferenz spricht Professor Geoffrey C. Bowker von der Universität von Kalifornien in Irvine, USA, über „Time and the Web“ (Zeit und das Internet). Krishna Gummadi PhD vom Max-Planck-Institut für Softwaresysteme in Saarbrücken referiert über „Diffusion of innovations in the Twitter social network“ (Verbreitung von Neuerungen im sozialen Netzwerk Twitter). Mit dem Verhalten von Internetnutzern befassen sich Dr. Dave Nicholas und David Clark von CIBER Research im englischen Newbury. Ihr Thema: „Information seeking behavior and usage in the digital world“ (Verhalten in der Informationssuche und –nutzung in der digitalen Welt).

Die Konferenz wird zusammen vom Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) und dem Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld veranstaltet.

Das ZiF – 1968 als „Keimzelle“ der Universität Bielefeld gegründet – fördert herausragende interdisziplinäre und innovative Forschungsprojekte und gilt als Ideengenerator für neue, zukunftsweisende Forschungsthemen. Das ZiF ist eine unabhängige, thematisch ungebundene Forschungseinrichtung und steht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Länder und aller Disziplinen offen. Der Exzellenzcluster CITEC wurde an der Universität Bielefeld im November 2007 als einer von 37 Exzellenzclustern im Rahmen der deutschen Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gegründet. Die CITEC-Forschungsagenda orientiert sich an vier zentralen Forschungsbereichen, die jeweils auf Schlüsselfunktionen kognitiver interaktiver Systeme zielen: Bewegungsintelligenz, Systeme mit Aufmerksamkeit, Situierte Kommunikation sowie Gedächtnis und Lernen.

Tagungszeiten:    
15. Februar, 13.15 Uhr bis 19.00 Uhr
16. Februar, 9.00 Uhr bis 18.30 Uhr
17. Februar, 9.00 Uhr bis 12.30 Uhr

Weitere Informationen im Internet:
www.uni-bielefeld.de/ZIF/AG/2012/02-15-Blanchard.html
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