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Welchen Unterschied machen die Gene?

Veröffentlicht am 5. Januar 2017, 09:19 Uhr

Forschungsgruppe am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld stellt Ergebnisse vor

Welche Rolle spielt die genetische Ausstattung für die Lebenschancen eines Menschen? Und welche Rolle spielen soziale Bedingungen? Ein Jahr lang haben sich internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld mit genetischen und sozialen Ursachen von Lebenschancen befasst. Die ZiF-Forschungsgruppe präsentiert und diskutiert ihre Ergebnisse nun auf ihrer Abschlusstagung von Montag bis Mittwoch, 9. bis 11. Januar.

Die Professoren Dr. Martin Diewald (links) und Dr. Rainer Riemann leiten die Forschungsgruppe zum Thema Lebenschancen. Foto: Universität Bielefeld/ N. Junghof
Die Professoren Dr. Martin Diewald (links) und Dr. Rainer Riemann leiten die Forschungsgruppe zum Thema Lebenschancen. Foto: Universität Bielefeld/ N. Junghof
Die Tagung am ZiF trägt den Titel „Genetic and social causes of life chances: High ambitions and a realistic outlook” (Genetische und soziale Chancen von Lebenschancen: große Ziele und ein realistischer Ausblick).

„Neuere Forschungen belegen, dass soziale Ungleichheiten, soziale Mobilität und soziale In-tegration ebenso substantiell genetisch beeinflusst sind wie Persönlichkeitseigenschaften und Fähigkeiten“, sagt der Psychologe Professor Dr. Rainer Riemann von der Universität Bielefeld. Er leitet die ZiF-Forschungsgruppe zusammen mit dem Soziologen Professor Dr. Martin Diewald, ebenfalls Universität Bielefeld. Die sozialwissenschaftliche Forschung folge derzeit noch weitgehend der „Tabula rasa“-Metapher – der  Idee, dass der Mensch als unbeschriebenes Blatt auf die Welt kommt, sagt Diewald. Er rät, auf diese Metapher zu verzichten und die genetischen Einflüsse für die Erklärung von Lebenschancen zu berücksichtigen.

Um zu ergründen, wie genetische und soziale Ursachen zusammenwirken, haben die beiden Wissenschaftler im vergangenen Jahr zwölf Fellows aus Genetik und Sozialwissenschaften, Psychologie und Philosophie am ZiF zusammengebracht, rund 40 weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zehn Ländern nahmen an den Veranstaltungen der Forschungsgruppe teil. Fellows nennt das ZiF die Mitglieder seiner Forschungsgruppen, die meist für ein Jahr am ZiF leben und zusammen an ihrem Thema arbeiten.

„Wir haben sehr viel voneinander gelernt“, sagt Diewald, „auch von produktiven Irritationen.“ Zum Beispiel, als die Genetiker darauf hinwiesen, dass relevante Genkonstellationen nur auszumachen sind, wenn auch die soziale Umwelt der Menschen präzise erfasst werden kann. „Die Genetiker haben uns gezeigt, wie sehr sie auch auf unsere Resultate angewiesen sind“, ergänzt Riemann.

Wie Genetik, Sozialwissenschaften, Psychologie und Philosophie voneinander profitieren können, ist ein Thema auf der Abschlusstagung. In weiteren Vorträgen geht es darum, was die Epigenetik – die Steuerung von Genen im Erbgut – für soziale Ungleichheit bedeutet, wie Verhaltensgenetik und Verantwortung zusammenhängen und wie Erziehungsstile, genetische Einflüsse und Umwelteinflüsse die soziale und politische Teilhabe von Menschen beeinflussen.

Das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) – 1968 als „Keimzelle“ der Universität Bielefeld gegründet – fördert herausragende interdisziplinäre und innovative Forschungsprojekte und gilt als Ideengenerator für neue, ungewöhnliche und „riskante“ Forschungsthemen. Das ZiF ist eine unabhängige, thematisch ungebundene Forschungseinrichtung und steht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Länder und aller Disziplinen offen. ZiF-Forschungsgruppen sind längerfristige, interdisziplinäre Projekte und stehen im Mittelpunkt der Arbeit des ZiF. Neben regelmäßigen Arbeitstreffen veranstalten die Forschungsgruppen Konferenzen, Workshops und Vorträge.
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