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Universität Bielefeld erwirbt und erschließt den Nachlass Niklas Luhmanns

Veröffentlicht am 3. Februar 2011, 12:43 Uhr

Vielversprechende Bestände als Grundlage eines Luhmann-Archivs

Für viele gilt der Soziologe Niklas Luhmann (1927–1998) als der bedeutendste Gesellschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts. 1968 wurde er als erster Professor an die Universität Bielefeld berufen und lehrte hier bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1993. Luhmanns außerordentlich anspruchsvolles wissenschaftliches Werk ist schon rein äußerlich von gewaltigen Dimensionen und umfasst rund 50 Monographien und hunderte von Aufsätzen, in denen er seine soziologische Systemtheorie umfassend entfaltete. Ein Geheimnis dieser Produktivität ist gewiss Luhmanns in Fachkreisen geradezu legendärer Zettelkasten.

Zettelkasten
Zettelkasten
Die Universität Bielefeld hat Luhmanns umfangreichen wissenschaftlichen Nachlass erworben, der auch den Zettelkasten umfasst. Mit Hilfe der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft wird nun an der Universität ein Luhmann-Archiv errichtet und der Nachlass systematisch erschlossen. Dazu gehört unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. André Kieserling, selbst Luhmann-Schüler und zweiter Nachfolger auf Luhmanns Professur, auch die Publikation mehrerer Buchmanuskripte – einige davon in nahezu publikationsreifem Zustand, während andere noch stärkerer herausgeberischer Bearbeitung bedürfen. Es handelt sich dabei vor allem um Arbeiten aus früheren Schaffensperioden des großen Systemtheoretikers, die aber nicht allein von historischem Interesse sind. Ganz im Gegenteil, meint Kieserling: „Es scheint, als sollte der frühe Luhmann dem späteren über den Nachlass noch erheblich Konkurrenz machen!“

Auch der Zettelkasten ist nicht als Museumsstück gedacht, sondern soll nach den Vorstellungen Kieserlings und seiner Mitstreiter der Wissenschaft zugänglich gemacht werden – nicht nur als wissenschaftsgeschichtlicher Forschungsgegenstand, sondern auch als Grundlage zur weiteren Entwicklung der Systemtheorie. Dazu ist zunächst eine Transkription der handgeschriebenen Zettel erforderlich und dann eine (möglicherweise elektronische) Form der Publikation, die das von Luhmann entwickelte komplexe Verweissystem zwischen den Zetteln aufrechterhält.
Rektor Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer betonte die grundsätzliche Bedeutung des Luhmann-Archivs für die Universität Bielefeld: „Ich bin stolz und froh, dass dieser Nachlass dort bleibt, wo er hingehört: an den Ort, an dem Luhmann mehr als 25 Jahre wirkte. An der Universität Bielefeld ist die kontinuierliche Aufarbeitung der Bestände durch hochqualifizierte Experten garantiert – und damit die produktive Auseinandersetzung mit seinem einzigartigen Werk!"

 

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