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Schulterschluss für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft

Veröffentlicht am 1. Februar 2017, 14:09 Uhr
Ergebnisse der Konferenz „Gender 2020“ in Bielefeld

Die Konferenz „Gender 2020“ brachte am 26. und 27. Januar 2017 Hochschulleitungen sowie Spitzen aus Wissenschaftsorganisationen und Politik in Bielefeld zusammen. Auf Initiative der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (bukof) diskutierten sie mit Gleichstellungsexpertinnen und -experten sowie Geschlechterforscherinnen und -forschern über einen dringend notwendigen Kulturwandel für die Gleichstellungspolitik in der Wissenschaft.


Zahlreiche Rednerinnen und Redner äußerten ihre Ungeduld über das Schneckentempo, zum Beispiel bei der Erhöhung des Professorinnenanteils. Derzeit liegt dieser bei 22 Prozent. EU-weit gehöre Deutschland damit zu den Schlusslichtern. Auch die Vertragsbedingungen von Wissenschaftlerinnen sind hinsichtlich Befristung, Teilzeit und Gehalt häufig schlechter als die ihrer Kollegen. So formulierten die Konferenzgäste in Bielefeld eine nüchterne Erkenntnis: Die vielen Aktivitäten von Politik und Wissenschafts-organisationen müssen koordiniert und geschärft werden, sonst verpuffen ihre Wirkungen. Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen benötigen weiterhin ambitionierte Ziele und eine hohe Verbindlichkeit in der Umsetzung. Reputation und Geld sind die Währungen für wirksame Anreizsysteme im wissenschaftlichen Alltag. Hier schließt sich auch die Empfehlung der bukof an. Sie setzt sich dafür ein, „Allgemeine Gleichstellungstandards“ für alle Hochschultypen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen organisations- und fachspezifisch zu etablieren.

Prof. Londa Schiebinger, Ph.D., Professorin an der Stanford University, USA, weitete diesen Qualitäts-gedanken auf die Inhalte der Forschung aus. „Forschungsprojekte zum Beispiel in der Medizin, welche die Geschlechterdimensionen nicht berücksichtigen, sind verschwendetes Geld und können sogar Leben kosten“, so Londa Schiebinger.

Die Liste der Sprecher und Sprecherinnen in den unterschiedlichen Formaten der Konferenz war beeindruckend: Nicht nur die neu gewählte Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Prof. Dr. Martina Brockmeier hatte sich Zeit genommen. Neben den Spitzen von Hochschulrektorenkonferenz, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren zeigten auch die Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz, Prof. Dr. Eva Quante-Brandt und die Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Svenja Schulze, wie wichtig ihnen das Thema ist.

Mit ihren Keynotes setzten Prof. Jutta Allmendinger, Ph.D., Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin und Prof. Dr. Susanne Baer, LL.M., Richterin am Bundesverfassungsgericht, wichtige Impulse für die Diskussion und unterstrichen die Notwendigkeit, Geschlechtergerechtigkeit im Wissenschaftssystem nachhaltig zu stärken. Prof. Dr. Ernst Th. Rietschel (Gründungsdirektor des Berlin Institute of Health, ehemaliger Präsident der Leibniz-Gemeinschaft) nahm in seinem Impulsvortrag die Hochschulen und Wissenschaftsinstitutionen in ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in die Pflicht und forderte, „im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit zusammenzustehen und die großen kulturellen, aber auch die ebenso bedeutsamen kleinen organisatorischen Probleme zu lösen, um der Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken.“

Im Strategieforum, einem der Höhepunkte der Konferenz, diskutierten die Rednerinnen und Redner aus Wissenschaftsorganisationen und Politik über die stärkere Verzahnung und Koordination geschlechterpolitischer Aktivitäten, über die Notwendigkeit organisationsspezifischer Zielquoten und die Frage, wie eine größere Verbindlichkeit in der Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit im Alltag hergestellt werden kann. Konkret wurde es bei der lebhaft-kritischen Diskussion um die Einrichtung eines bundesweiten Rats für Gleichstellung in der Wissenschaft. Die Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Ulrike Beisiegel, begrüßt die Einrichtung eines solchen Rats und versprach, sich konkret hierfür einzusetzen.

Weitere Informationen:
www.gender2020.de
www.bukof.de


Die Konferenz ist das Kernelement des Projekts „Gender 2020. Perspektiven und Strategien zur Förderung einer geschlechtergerechten Wissenschaftskultur“. Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01FP1505 gefördert. Das Projekt wurde initiiert und wird getragen von der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (bukof), angesiedelt ist das Projekt an der Universität Bielefeld.

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