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Neues Merian Centre in und über Lateinamerika

Veröffentlicht am 1. März 2017, 12:35 Uhr

Universitäten Bielefeld und Kassel leiten wissenschaftspolitisches Großprojekt / Bis zu 20 Millionen Euro Förderung

Ein neues Forschungszentrum mit Hauptsitz in Guadalajara, Mexiko, soll untersuchen, wie die Gesellschaften in Lateinamerika Krisen lösen. Die Universität Bielefeld und die Universität Kassel bauen das weltweit zweite Merian Centre in Kooperation mit den Universitäten Hannover und Jena auf. Für das Institut lässt sich die Universität Guadalajara vom Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld inspirieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Merian Centres voraussichtlich zwölf Jahre mit jeweils bis zu 20 Millionen Euro. Damit handelt es sich bei dem neuen Zentrum um das derzeit finanziell umfangreichste Forschungsprojekt zu Lateinamerika, das mit Mitteln aus Deutschland gefördert wird.

Der Historiker Prof. Dr. Olaf Kaltmeier ist Direktor des neuen Lateinamerika-Instituts CALAS in Guadalajara in Mexiko. Foto: Universität Bielefeld
Der Historiker Prof. Dr. Olaf Kaltmeier ist Direktor des neuen Lateinamerika-Instituts CALAS in Guadalajara in Mexiko. Foto: Universität Bielefeld
Das neue Institut heißt „Maria Sibylla Merian Centre for Advanced Latin American Studies in the Humanities and Social Sciences“ (CALAS, Zentrum für fortgeschrittene Lateinamerika-Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften). Sein Aufbau wird im Maria Sybilla Merian-Programm des BMBF gefördert. Mit den Internationalen Forschungskollegs „Maria Sibylla Merian Centres“ will das BMBF die Internationalisierung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften in Deutschland durch enge bi- und multilaterale Kooperationsprojekte an Standorten außerhalb Deutschlands voranbringen. Im Juli 2015 begann in Delhi (Indien) der Aufbau des ersten Merian Centre. An der Universid-ade de São Paulo (Brasilien) startet Anfang April ein weiteres Merian Centre. Außerdem soll ein Zentrum in einem Land Subsahara-Afrikas etabliert werden.

Für das Lateinamerika-Zentrum CALAS werden neben dem Zentralstandort in Guadalajara weitere Regionalzentren in Argentinien, Ecuador und Costa Rica aufgebaut. Der Historiker Professor Dr. Olaf Kaltmeier vom Center for InterAmerican Studies (CIAS) der Universität Bielefeld ist Direktor des CALAS und Sprecher des deutschen Universitätskonsortiums: „Mit diesem Projekt etabliert sich die Universität Bielefeld in der Spitzengruppe der deutschen und auch internationalen Forschung zu den Amerikas.“

Das CALAS geht das Hauptthema gesellschaftliche Krisen aus vier Perspektiven an: „Sozial-ökologische Transformation“, „Soziale Ungleichheiten“, „Gewalt und Konfliktlösung“ sowie „Identität und Region“. „Wir wollen von der Weltregion Lateinamerika lernen, wie dort Krisen bewältigt werden“, sagt Kaltmeier. Ab 2019 sollen im Wechsel gleichzeitig bis zu 20 „Fellows“, also internationale Gastwissenschaftler, in Forschungsgruppen am CALAS arbeiten, außerdem Doktorandinnen und Doktoranden in Graduiertenprogrammen.

Für das Forschungszentrum in Mexiko orientiert sich die Universität Guadalajara am Konzept des Instituts ZiF der Universität Bielefeld. Foto: Universität Bielefeld
Für das Forschungszentrum in Mexiko orientiert sich die Universität Guadalajara am Konzept des Instituts ZiF der Universität Bielefeld. Foto: Universität Bielefeld
„Ein zentrales Ziel des CALAS ist, gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Lateinamerika zu forschen – und nicht über ihre Köpfe hinweg“, sagt Kaltmeier. Lateinamerika bringe bemerkenswerte Lösungen für Krisen hervor. „Mit Blick auf den sozial-ökologischen Wandel ist zum Beispiel die lateinamerikanische Idee vom ,Buen Vivir‘, dem guten Leben, vorbildlich. Das Konzept beruft sich auf Wertmaßstäbe der einheimischen Kulturen der Andenländer“, sagt Kaltmeier. „Ein anderes, unkonventionelles Beispiel betrifft die Lösung von Konflikten. Länder wie jüngst Kolumbien haben das Prinzip der Wahrheitskommissionen entwickelt, um das Unrecht von Bürgerkriegen oder Diktaturen aufzuarbeiten und sind erfolgreich damit.“

Das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld hat die Förderung für das CALAS mit beantragt. „Das ZiF ist eine starke Inspiration für das CALAS“, sagt Kaltmeier. 1968 als „Keimzelle“ der Universität Bielefeld gegründet, fördert es herausragende interdisziplinäre und innovative Forschungsprojekte. Professor Dr. Héctor Raúl Solis Gadea, Rektor der Universität Guadalajara, besuchte 2016 zusammen mit einem Architekten das ZiF. Die designierten mexikanischen Direktoren des Zentrums, Professorin Dr. Sarah Corona und Professor Dr. Gerado Cham, waren als Gastwissenschaftler am ZiF tätig.
„Wir nutzen am CALAS das ZiF-Prinzip der Forschungsgruppen auf Zeit und ergänzen es“, sagt Kaltmeier. Ebenso wie am ZiF können sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler künftig am CALAS mit einem Thema um eine Forschungsgruppe bewerben. Bei Erfolg leben und arbeiten die Mitglieder der Gruppe (Fellows) dann etwa ein Jahr gemeinsam am CALAS, laden andere Wissenschaftler zu Tagungen ein, bringen gemeinsame Publikationen heraus und informieren in Vorträgen und Diskussionen über ihre Ergebnisse. „Die CALAS-Außenstellen ermöglicht den Fellows zudem, in den dortigen Archiven zu arbeiten und zum Beispiel in Studien die Menschen des jeweiligen Landes zu befragen“, sagt Kaltmeier.

Die Förderung des BMBF läuft zunächst über zwei Jahre Aufbauphase. Danach ist eine weitere Förderung des CALAS für bis zu zehn Jahre vorgesehen (eine sechsjährige Hauptphase und eine vierjährige Abschlussphase). Allein für die ersten acht Jahre beläuft sich die Förderung auf 13 Millionen Euro.

Ebenso wie die Universität Bielefeld vergrößert und modernisiert auch die Universität Guadalajara ihren Campus. Zu dem neuen Stadtviertel gehören neben Gebäuden für die Sozial- und Geisteswissenschaften, darunter das CALAS, auch Theater und Museen. Guadalajara ist mit 4,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Mexiko. Sie gilt mit der zweigrößten Buchmesse der Welt als internationale Kulturmetropole. Mit der Universität Bielefeld ist die Universität Guadalajara seit mehr als zehn Jahren eng verbunden, unter anderem durch ein Austauschprogramm für Dozenten und Studierende, das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert wird.

Die Universität Bielefeld hat sich auf die sozial- und kulturwissenschaftliche Erforschung des amerikanischen Doppelkontinents spezialisiert und dafür 2011 das Zentrum für interamerikanische Forschung (CIAS, Center for InterAmerican Studies) gegründet. Ein Projekt des CIAS heißt „Die Amerikas als Verflechtungsraum“. Noch bis Ende 2019 untersucht das vom BMBF geförderte Projekt, wie Nord- und Südamerika historisch und sozial verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Zwischen 2008 und 2009 analysierte die ZiF-Forschungsgruppe „E Pluribus Unum“ ethnische Identitäten in den Amerikas und wie sie sich grenzüberschreitend verbinden. Olaf Kaltmeier war einer der Leiter der Gruppe.

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