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Neuer Sonderforschungsbereich: Das Individuum und seine ökologische Nische

Veröffentlicht am 27. November 2017, 11:52 Uhr
Universitäten Bielefeld und Münster kooperieren für Transregio-Verbund

Ein neuer Transregio-Sonderforschungsbereich (SFB-TRR) mit dem Kurznamen „NC3“ soll die Teildisziplinen Verhaltensbiologie, Ökologie und Evolutionsbiologie verknüpfen. Sein Ziel: Zeigen, wie es Lebewesen individuell gelingt, sich an ihre Umwelt anzupassen und so ihre eigene ökologische Nische zu finden und zu nutzen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat den SFB-TRR 212 nun bewilligt. Sie fördert die neue Forschungseinrichtung ab Januar 2018 für vier Jahre mit insgesamt rund 8,5 Millionen Euro. Der Verhaltensforscher Professor Dr. Oliver Krüger von der Universität Bielefeld ist Sprecher. Der Evolutionsbiologe Professor Dr. Joachim Kurtz von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ist sein Stellvertreter.

Prof. Dr. Oliver Krüger
Prof. Dr. Oliver Krüger ist Sprecher des neuen Transregio-Sonderforschungsbereichs. Foto: Universität Bielefeld
Individuen unterscheiden sich. Diese vermeintlich triviale Aussage – vor 2400 Jahren schon von Aristoteles geäußert – steht für eine neue Leitvorstellung in der organismischen Biologie, die sich mit der Vielfalt der Lebewesen und ihren Beziehungen beschäftigt. „Sie geht damit weg vom Fokus auf Durchschnitts- und andere Mittelwerte einer Population oder Art. Vielmehr stellt sie heraus, dass Tiere und andere Lebewesen individuelle Fähigkeiten mitbringen und ausbilden, mit denen sie jeweils unterschiedlich in ihrer Umwelt bestehen“, sagt Oliver Krüger.

„Unser Ziel ist es, das Nischenkonzept auf der Ebene des Individuums zu definieren“, sagt Krüger. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die genetische Ausstattung von Lebewesen ebenso wie ihr jeweiliges Erscheinungsbild (Phänotyp). Joachim Kurtz erklärt: „Die zentrale Annahme ist, dass die Interaktion von individuellen Phänotypen und der Umwelt zu individualisierten Nischen führt, und zwar über drei Prozesse der Anpassung: Nischenwahl, Nischenkonformität und Nischenkonstruktion." Dafür arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen in 19 Teilprojekten zusammen. Sie kommen nicht nur aus der Verhaltensforschung, Ökologie und Evolutionsbiologie. Weitere beteiligte Disziplinen sind zum Beispiel Philosophie, Statistik und die Theoretische Biologie.

Die Leitvorstellung, dass Lebewesen sich als Individuen unterscheiden, hat die Forschung in mehreren Teildisziplinen der Biologie massiv beeinflusst. So hat die Verhaltensbiologie das Konzept der Tierpersönlichkeit begründet, um stabile Unterschiede im Verhalten von Individuen zu erforschen. Die Ökologie hebt heute hervor, dass sich einzelne Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen spezialisieren und dass damit die ökologische Nische einer Art oder eine Population feiner gegliedert ist als bisher dargestellt. Für die Evolutionsbiologie waren die Unterschiede zwischen Individuen einer Art oder Population immer schon bedeutend. Sie stellt aber heute stärker heraus: „Zu welchen Phänotypen die genetische Ausstattung führt, das ist stärker von der Umwelt abhängig als lange Zeit angenommen“, sagt Kurtz.

„NC3“, der Name des Transregio-Sonderforschungsbereichs, steht für „A Novel Synthesis of Individualisation across Behaviour, Ecology and Evolution: Niche Choice, Niche Conformance, Niche Construction“ (Eine neue Verbindung der Individualisierung  über Verhalten, Ökologie und Evolution hinweg: Nischenwahl, Nischenkonformität und Nischenkonstruktion).

Sonderforschungsbereiche sind langfristig angelegte Forschungseinrichtungen der Hochschulen, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen eines fächerübergreifenden Forschungsprogramms zusammenarbeiten. Sie werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert und ermöglichen die Bearbeitung anspruchsvoller, aufwendiger und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben. Die Dauer der Förderung beträgt im Idealfall zwölf Jahre, wobei eine Förderperiode vier Jahre umfasst. Transregio-Sonderforschungsbereiche (kurz: SFB/TRR) werden von zwei oder drei Hochschulen gemeinsam beantragt, die etwa gleichgewichtig im Verbund vertreten sind.

An der Universität Bielefeld gibt es durch die Bewilligung des SFB-TRR 212 jetzt vier Sonderforschungsbereiche (SFB). Im SFB 1288 befassen sich Forschende unter anderem aus Geschichte, Soziologie und Literaturwissenschaft mit Praktiken des Vergleichens. Der SFB 1283 widmet sich aus mathematischer Sicht der Erforschung des Zufalls. Die Physikerinnen und Physiker im SFB TRR 211 beschäftigen sich mit stark wechselwirkender Materie unter extremen Bedingungen (Verbund mit Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt).

Weitere Informationen:
Die Pressemitteilung der DFG zu neu bewilligten Sonderforschungsbereichen:
www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2017/pressemitteilung_nr_48

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