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Keine Abschottung vor der Integration, sondern Befürwortung der kulturellen Öffnung in Deutschland

Veröffentlicht am 24. Januar 2019, 11:51 Uhr

Trotz der Verschärfung der öffentlichen Debatte um Zuwanderung und Integration sind die Einstellungen in der Bevölkerung in den letzten zwei Jahren nicht stärker ablehnend geworden, sondern haben sich sogar verbessert.

  • Gesellschaftliche Willkommenskultur findet wieder mehr Zuspruch.
  • Weniger Menschen fordern Vorrechte für Alteingesessene ein.
  • Die gesellschaftliche Separation von Migranten und Deutschen wird größtenteils abgelehnt, die Sichtbarkeit von Vielfalt im öffentlichen Raum befürwortet.
  • Davon, dass Migranten unter sich bleiben wollen, kann nicht die Rede sein. 
Die Wertschätzung von Vielfalt und Befürwortung eines offenen Heimatkonzepts sind in der Bevölkerung demnach wieder leicht gestiegen nach 2016. Dies zeigt die dritte Erhebung der Studie „ZuGleich – Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit“ des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld, die heute in Berlin präsentiert wurde. In der
Studie wurden repräsentative Umfragen vor (2014), während (2016) und nach (2018) der hohen Zuwanderung von Geflüchteten und Asylsuchenden durchgeführt. 

 
Prof. Dr. Andreas Zick. Foto: Universität Bielefeld
Prof. Dr. Andreas Zick. Foto: Universität Bielefeld
„Einstellungen zur Aufnahme von Geflüchteten und zur kulturellen Diversität in Deutschland haben in den Vorjahren die Gesellschaft polarisiert und in Teilen gespalten. Dieses Klima hat sich im Jahr 2018 wieder entspannt. Vielfalt ist im öffentlichen Raum, im Alltag, in den Lebensbereichen der Befragten zur Normalität geworden und das fördert die Integrationskraft“, so Professor Dr. Andreas Zick, Leiter der Studie.
 
Die starke Polarisierung von 2016 geht zurück
36,9% der Befragten ohne Migrationshintergrund befürworten die gesellschaftliche Willkommenskultur in 2018 (gegenüber 32,3% in 2016), nur noch 27,5% lehnen sie ab (gegenüber 32,7% in 2016). Obwohl die Wertschätzung von gesellschaftlicher Vielfalt leicht zunimmt, liegt die Zustimmung zur Willkommenskultur trotzdem weiterhin unterhalb der 39,5% aus dem Jahr 2014. Unter Befragten mit Migrationshintergrund nimmt die Zustimmung gegenüber 2016 um fast zehn Prozentpunkte auf 38,3% ab; damit liegt kein signifikanter Einfluss des Migrationshintergrunds auf die Befürwortung der Willkommenskultur mehr vor.

Vorrechte für Alteingesessene werden weniger eingefordert     
Nach dem deutlichen Anstieg von 5,5% (2014) auf 16,4% der Befragten, die sich 2016 dafür aussprachen, dass sich Neuhinzukommende erst einmal mit weniger zufrieden geben sollten, wird diese Forderung wieder leiser. Dennoch spricht sich 2018 immer noch knapp jeder Achte (11,7%) für Etabliertenvorrechte aus. Gleichzeitig fordern immer noch deutlich mehr als ein Drittel der Befragten ohne Migrationshintergrund (38%) ein, jüngere Migranten in ihre Schranken zu weisen (2016: 41%, 2014: 26%). Die Forderung nach einer Wiederbelebung deutscher Werte und Traditionen geht hingegen zurück. 
 
Madlen Preuß, Koordinatorin der Studie, erklärt: „Trotz der positiven Tendenzen zeigt die Studie auch, dass Teile der Bevölkerung nach wie vor Vorbehalte gegenüber sogenannten ‚Neuen‘ haben und ihnen gleiche Rechte absprechen. Darin machen Befragte mit und ohne Migrationshintergrund seit 2016 auch keinen Unterschied mehr. Dies ist eine interessante Trendwende, die im Kontext anhaltender Aufrufe zur besseren Integration ernstgenommen werden sollte.“ 
 
Das Zugehörigkeitskonzept der Befragten wird offener
Auf die Frage, welche Kriterien wichtig sind, um zur deutschen Gesellschaft dazuzugehören, nennen die Befragten bereits seit 2014 vor allem erwerbbare Kriterien, die erfüllt werden sollen. Als am wichtigsten wird das Beherrschen der deutschen Sprache (91,4% Zustimmung) und die Achtung deutscher Institutionen und Gesetze (86,7%) bewertet. Immer weniger Relevanz wird exklusiven Kriterien wie das Geburtsland Deutschland (15,4%) und die christliche Religionszugehörigkeit (14,0%) beigemessen. Ihre Befürwortung hat sich seit 2014 halbiert.
 
Die Mehrheit der Befragten wünscht sich heterogen Sozialbeziehungen und größere Sichtbarkeit der Sprachenvielfalt
Die soziale Abschottung von Deutschen und Migranten wird von mehr als 80% aller Befragten klar abgelehnt. Deutlich mehr als die Hälfte der Befragten ohne Migrationshintergrund (57,2%) sind außerdem der Meinung, dass die Vielfalt der in Deutschland gesprochenen Sprachen stärker im öffentlichen Raum berücksichtigt werden sollte; 15,1% teilen diese Meinung nicht. Befragte mit Migrationshintergrund unterstützen diese Forderung mit 48,6% seltener.
 
Dr. Susanne Farwick, Leiterin des Bereichs Integration der Stiftung Mercator, fasst zusammen: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit aller Befragten die kulturelle Vielfalt in Deutschland befürwortet, trotz aller Belastungen und
Konflikte. An ihnen sollte sich die Politik bei der Gestaltung von Integration und Teilhabe orientieren.“ 
 
Über die Studie ZuGleich
In zweijährigen Abständen erhebt die Studie „Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit – ZuGleich“ des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und
Gewaltforschung der Universität Bielefeld in repräsentativen Bevölkerungsumfragen, wie deutsche Bürgerinnen und Bürger zur Willkommenskultur stehen, welche Kriterien sie für die Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft anlegen, wie sie die Öffnung der Gesellschaft wahrnehmen und wie sie sich das Zusammenleben in Deutschland künftig vorstellen. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der dritten Erhebung aus 2018 liegen nun Daten vor, die es erlauben, Entwicklungen der Einstellung zur Integration seit 2014 nachzuzeichnen. Somit kann auch verglichen werden, wie sich Einstellungen in der Bevölkerung verändert haben, seit die Themen Migration und Integration im politischen und öffentlichen Diskurs in den Jahren 2015/16 deutlich an Relevanz und Brisanz gewonnen haben. Im Rahmen der dritten Erhebung wurden 2.008 Personen ab 18 Jahren von März bis Juli 2018 telefonisch befragt. Das Projekt wird von Professor Dr. Andreas Zick und Madlen Preuß, M.A., am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld durchgeführt.
 
Gefördert wird die ZuGleich-Studie seit 2013 von der Stiftung Mercator. Diese möchte mit ihren Projekten positive Impulse für das Zusammenleben in der deutschen Einwanderungsgesellschaft setzen und zu einer Versachlichung des Integrationsdiskurses beitragen.
 
Weitere Informationen und die Studie zum Download:
Factsheet_Zugleich_Zugehoerigkeit_und_Gleichwertigkeit_2018.pdf
Studie_Zugleich_Zugehoerigkeit_und_Gleichwertigkeit_2018.pdf
 

Über die Stiftung Mercator:
Die Stiftung Mercator ist eine private, unabhängige Stiftung. Sie strebt mit ihrer Arbeit eine Gesellschaft an, die sich durch Weltoffenheit, Solidarität und Chancengleichheit auszeichnet. Dabei konzentriert sie sich darauf, Europa zu stärken, den Bildungserfolg benachteiligter Kinder und Jugendlicher insbesondere mit Migrationshintergrund zu erhöhen, Qualität und Wirkung kultureller Bildung zu verbessern, Klimaschutz voranzutreiben und Wissenschaft zu fördern. Die Stiftung Mercator steht für die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise und praktischer Projekterfahrung. Als eine führende Stiftung in Deutschland ist sie national wie international tätig. Dem Ruhrgebiet, der Heimat der Stifterfamilie und dem Sitz der Stiftung, fühlt sie sich besonders verpflichtet. www.stiftung-mercator.de
 

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