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Geschlechterverhältnis beeinflusst elterliche Brutfürsorge bei Regenpfeifern

Veröffentlicht am 25. April 2018, 13:36 Uhr
Forschungsergebnis im Journal „Nature Communications“ veröffentlicht

Das Verhältnis von Männchen zu Weibchen ist ein wichtiges demographisches Merkmal in natürlichen Populationen, ungleiche Geschlechterverhältnisse treten dabei recht häufig auf. Diese Ungleichheit bildet sich bei Regenpfeifern im Jugendalter heraus und wirkt sich auf die Zusammenarbeit der Eltern bei der Brutfürsorge aus. Bei einem ungleichen Verhältnis in der Population ist es wahrscheinlicher, dass ein Elternteil – meist das Männchen – den Nachwuchs großzieht. In ausgeglichenen Populationen dagegen kümmern sich eher beide Eltern um die Jungenaufzucht. Das hat eine Forschungsgruppe um Dr. Luke Eberhart-Phillips herausgefunden. Der Verhaltensforscher hat, betreut von Professor Dr. Joseph Hoffman und Professor Dr. Oliver Krüger, an der Universität Bielefeld zum Geschlechterverhältnis von Regenpfeifern geforscht und ist jetzt Postdoc am Max-Planck-Institut für Ornithologie Seewiesen. Seine Ergebnisse stellt das Forschungsteam, an dem auch Wissenschaftler von der University of Bath und vom Max- Planck-Institut für Ornithologie Seewiesen beteiligt sind, heute (25.04.2018) im Journal „Nature Communications“ vor.


Der Verhaltensforscher Luke Eberhart-Phillips – hier auf Madagaskar – untersucht seit vier Jahren an Stränden in aller Welt, wie sich Regenpfeifer in ihren Kolonien entwickeln. Foto: Universität Bielefeld/ L. Eberhart-Phillips
Verhaltensforscher Luke Eberhart-Phillips. Foto: Universität Bielefeld/ L. Eberhart-Phillips
Das Geschlechterverhältnis in einer Population wirkt sich auf die Verfügbarkeit von Paarungspartnern aus, mit Konsequenzen für das Sozialverhalten: Ist ein Geschlecht in der Überzahl, gibt es häufiger Scheidungen, Untreue oder elterlichen Antagonismus. Die Forschungsgruppe um Luke Eberhart-Phillips wollte nun wissen, in welcher Lebensphase und unter welchen Bedingungen es zu solchen Verschiebungen im Geschlechterverhältnis kommt. Dazu untersuchten sie fünf Arten von Regenpfeifern in sechs Populationen weltweit. Anhand einer einmaligen, individuellen Markierung der Tiere durch Farbringe und einer kleinen Blutprobe der Küken zur Bestimmung des Geschlechts analysierten sie die Überlebensrate, Fruchtbarkeit und das Brutverhalten von über 6.000 Individuen.

In allen sechs Populationen war das Geschlechterverhältnis der Küken beim Schlüpfen zunächst etwa gleich verteilt. Die Überlebenswahrscheinlichkeit des männlichen und weiblichen Nachwuchses variierte jedoch stark sowohl zwischen, als auch innerhalb der Arten: „Zu Verschiebungen im Geschlechterverhältnis hin zu mehr Weibchen oder Männchen in der Population trugen jugendliche Tiere acht Mal häufiger bei als Erwachsene, und sogar 327 Mal häufiger als gerade geschlüpfte Küken“, sagt Eberhard-Phillips, Erstautor der Studie. „Wir wissen nicht genau, warum ein Geschlecht das Jugendstadium besser überlebt als das andere. Dies zu untersuchen, wird der nächste Schritt unserer Forschung sein“.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Geschlechterverhältnis der adulten Population unmittelbare Auswirkungen auf die Brutfürsorge der Eltern hat: In ausgeglichenen Populationen ist es wahrscheinlicher, dass sich beide Elternteile um den Nachwuchs kümmern. Ist das Geschlechterverhältnis jedoch ungleich, kümmert sich eher nur ein Elternteil. Die Wissenschaftler erwarteten, dass in diesem Falle eher das häufigere Geschlecht bei den Jungen bleibt, da die Aussichten geringer sind, einen neuen Partner für die Fortpflanzung zu finden. Tatsächlich fanden sie heraus, dass sich eher Männchen kümmern, wenn das Geschlechterverhältnis zu ihren Gunsten verschoben ist, und dann auch mehr Männchen überleben. Sind es mehr Weibchen, kümmern sich erstaunlicherweise jedoch auch eher die Männchen um den Nachwuchs – dann überleben aber eher die weiblichen Küken. „Eine Möglichkeit ist, dass sich in der Stammesgeschichte der Regenpfeifer schon immer eher die Väter um die Jungen gekümmert haben“, sagt Clemens Küpper, Co-Autor der Studie. Strategien zur Jungenaufzucht sind vermutlich angepasst an örtliche Paarungsgelegenheiten, bedingt durch das Geschlechterverhältnis in der Population. Dieses übt so unter Umständen großen Einfluss auf die Populationsdynamik und das Sozialverhalten aus.

Originalveröffentlichung:
Luke J. Eberhart-Phillips, Clemens Küpper, María Cristina Carmona-Isunza, Orsolya Vincze, Sama Zefania, Medardo Cruz-López, András Kosztolányi, Tom E. X. Miller, Zoltán Barta, Innes C. Cuthill, Terry Burke, Tamás Székely, Joseph I. Hoffman & Oliver Krüger: Demographic causes of adult sex ratio variation and their consequences for parental cooperation, Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-018-03833-5, erschienen am 25. April 2018, Link: https://www.nature.com/articles/s41467-018-03833-5

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