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Forum Offene Wissenschaft zum Thema „Fehler, Fahrlässigkeit, Irrtum“

Veröffentlicht am 15. Oktober 2010, 11:59 Uhr

Risiken und Fehler gehören seit jeher wie selbstverständlich zur menschlichen Existenz. Dass aber die Risiken gewachsen und die Folgen von Fehlern sich vergrößert haben, ist eine neue Erfahrung. Wie also sollen die Menschen in Zukunft mit Risiken und Fehlern leben? Mit diesem Thema befasst sich das „Forum Offene Wissenschaft“ (FOW) im Wintersemester 2010/11. Jeden Montag (18.15 Uhr, Hörsaal 12 der Universität Bielefeld) beleuchten Wissenschaftler verschiedener Disziplinen das Thema aus ihrer Perspektive. „Macht die Natur Fehler?“ fragt beispielsweise Professor Dr. Klaus Reinhold, Evolutionsbiologe an der Universität Bielefeld, am 25. Oktober. Den Vortrag „Fehlervermeidung um jeden Preis! Das Beispiel Kernenergie“ hält Professorin Dr. Eva Schwenzfeier-Hellkamp (Ingenieurswissenschaften, FH Bielefeld) am 22. November.

Grundsätzlich gewinnen aus Sicht der Veranstalter zwei kontroverse Positionen national und international immer mehr Kontur und fordern zur Stellungnahme heraus: eine prinzipiell fehlerfeindliche und eine eher fehlerfreundliche.

Die Anhänger der „Null-Fehler-Kultur“ möchten nicht mit Risiken und Fehlern leben müssen. Sie wollen Fehler möglichst ausschalten oder minimieren, und, sofern sie doch auftreten, sie entschieden sanktioniert wissen: Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern sollen durch elektronische Kontrollen vermieden; Ärzte für Fehlbehandlungen stärker zur Rechenschaft gezogen und höher bestraft; Technologien, die, wie die Ölbohrungen im Meer, mit hohen Risiken verbunden sind, verboten werden.

Die Kritiker der „Null-Fehler-Kultur“ halten es hingegen selbst für einen gravierenden Fehler, in allen gesellschaftlichen Bereichen Risiken und Fehler vermeiden und sanktionieren zu wollen. Ihrer Ansicht nach müssen wir vor allem lernen, besser mit Fehlern umzugehen, brauchen wir eine größere Fehlerfreundlichkeit und ist mehr Freiraum nötig, um Fehler zu machen. Nur so können wir im Privatleben, in der Schule, in den Betrieben und in der Forschung spontan, lernfähig und kreativ sein.
Vor der Entscheidung für die eine oder die andere oder eine vermittelnde Position ist die Klärung von sieben Kardinalfragen zum Thema Risiko und Fehler nötig:

  • Ist überhaupt objektiv bestimmbar und entscheidbar, was jeweils als Fehler anzusehen ist?
  • Wo ist das Risiko, dass Fehler entstehen, besonders groß?
  • Warum entstehen Fehler, obwohl wir sie doch in der Regel vermeiden möchten?
  • Welche Fehler sind aufgrund ihrer Folgen nicht tolerierbar?
  • Was kostet die Vermeidung von Fehlern materiell, aber auch ideell?
  • Gibt es kulturell bedingte Unterschiede im Umgang mit Fehlern und wie kann das Verdrängen und Vertuschen von Fehlen besser verhindert werden?
  • Können Menschen tatsächlich aus Fehlern lernen?

Um auf diese grundlegenden Fragen Antworten zu erhalten, haben die Veranstalter Experten gewinnen können, die Risiken und Fehler verschiedenster Art – zum Beispiel Fehlhandlungen im Alltag, fehlerhafte Kommunikationsformen, Fehler im Spracherwerb, technische und betriebswirtschaftliche Fehler, fehlerhafte Interpretationen von Gesetzestexten, entwicklungspolitische Fehler – aus unterschiedlichen Fachperspektiven und interkulturell erforscht haben.
Eröffnet wird die Reihe am Montag, 18. Oktober mit dem Vortrag des Bielefelder Wissenschaftlers Professor Dr. Wolfgang Krohn zum Thema „Fehler, Fahrlässigkeit, Irrtum – ein weites Feld.“

Das Forum Offene Wissenschaft wird von einer fächerübergreifenden Arbeitsgruppe aus der Universität organisiert und verfolgt mit dieser Ringveranstaltung das Ziel, ein wissenschaftlich, politisch und kulturell gleichermaßen wichtiges Thema aus der Sicht verschiedener Disziplinen und/oder Berufe zu beleuchten und damit ein die Fächer und Sparten übergreifendes Nachdenken und Gespräch zu stimulieren. Es wendet sich an Studierende aus allen Fächern und Semestern sowie an interessierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt und Umgebung.

Weitere Informationen und das Programm finden sich im Internet:
www.uni-bielefeld.de/forum/

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