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Ethik des Kopierens: Von der Theorie zur Praxis

Veröffentlicht am 4. Juli 2017, 14:08 Uhr
Internationale Forschungsgruppe tagt im ZiF

Kopien sind aus dem menschlichen Leben nicht wegzudenken. Ohne Kopien gäbe es kein Lernen, keine kulturelle Entwicklung, kein erfolgreiches Wirtschaften. Nie war das Kopieren so einfach wie in der digitalen Gegenwart – und nie so umstritten: Wo liegen die Grenzen des legitimen Kopierens? Wo beginnt der geistige Diebstahl? Wer darf was mit Kopien machen? Ein Jahr lang hat sich eine hochkarätig besetzte Forschungsgruppe am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld (ZiF) mit Fragen wie diesen befasst. Bei ihrer Abschlusstagung „Copy Ethics: Theory & Practice“ („Ethik des Kopierens: Theorie und Praxis“), die vom  11. bis 14. Juli im ZiF stattfindet, stellt sie ihre Ergebnisse vor.


Ethik des Kopierens ZiF Tagung
Das Poster zur Abschlusstagung der Forschungsgruppe "The Ethics of Copying". Foto: ZiF
„Wir wollen ein Bewusstsein für die Relevanz der Konflikte um Kopien und Kopierhandlungen schaffen und vertiefen. Außerdem wollen wir Klarheit über die Zusammenhänge von rechtlichen, politischen, ökonomischen und moralischen Problemen gewinnen und Vorschläge ausarbeiten, wie Konflikte um das Kopieren gelöst werden können“, erklärt der Philosoph Professor Dr. Reinold Schmücker (Universität Münster). Gemeinsam mit dem Juristen Professor Dr. Thomas Dreier (Karlsruher Institut für Technologie) und dem Soziologen Professor Dr. Pavel Zahrádka (Universität Olomouc, Tschechien) leitet er die Tagung.

Dazu haben sie eine Gruppe aus Kunst-, Literatur-, Sozial- und Medienwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, Philosophinnen und Philosophen sowie Juristinnen und Juristen am ZiF zusammengebracht. Sie haben sich die unterschiedlichen Konfliktfelder rund um das Kopieren und die Auswirkungen möglicher Regelungen genau angesehen: Wie steht es mit der Abwägung von Redefreiheit und Schutz vor übler Nachrede im Internet? Soll Open Access in der Wissenschaft zum Standard werden? Welche Folgen hätte das? Bedarf die Veröffentlichung von Abbildungen gemeinfreier Werke, etwa von Bildern aus einem Museum, einer Genehmigung der aktuellen Besitzer der Vorlage? Diese Fragen stellen sich mit besonderer Dringlichkeit angesichts der neuen Möglichkeiten des digitalen Kopierens und der Verbreitung von Bildern, Texten und Musik im Internet. Die ZiF-Forschungsgruppe hat die Auseinandersetzungen seit 2015 begleitet und kommentiert, unter anderem im Zusammenhang mit der jüngsten Reform des Urheberrechts.

Bei ihrer Abschlusstagung werden die Fellows ihre Ergebnisse und Publikationen präsentieren und mit etwa 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus zehn Ländern diskutieren. Dabei geht es auch um praktische Konsequenzen: beispielsweise die Ausgestaltung rechtlicher Normen, den alltäglichen Umgang mit Originalen und Kopien oder die Nutzungsrechte von Online-Portalen.

Einige ausgewählte Vorträge der Abschlusstagung:
•    Niva Elkin-Koren (Universität Haifa, Israel) wird in ihrem Eröffnungsvortrag darüber sprechen, wie sich Algorithmen, die automatisch Texte, Bild- oder auch Musikdateien auf (illegale) Kopien prüfen, auf unseren Umgang mit Medien und deren Inhalten auswirken.
•    Pavel Zahrádka thematisiert das Geoblocking, das Blockieren von Inhalten des Internets für bestimmte Länder.
•    Thomas Dreier setzt sich mit der Ethik des Zitierens und der Kopien kleinerer oder auch größerer Teile geschützter Vorlagen auseinander.

Außerdem stehen Themen wie die Reproduktionen von Kunst in der Kunst, aber auch die Einschränkungen der Meinungsfreiheit durch Blockierung bestimmter Inhalte auf dem Programm. „Uns liegt vor allem daran, nach dem Jahr der Reflexion nun praxistaugliche Vorschläge zu machen, wie man Konflikte um das Kopieren moralisch lösen kann“, so die Tagungsleiter.

Die Tagungssprache ist Englisch. Die Tagung findet im ZiF, Methoden 1, statt.

Weitere Informationen:
Die ZiF-Forschungsgruppe: www.uni-bielefeld.de/(de)/ZIF/FG/2015Copying/Events

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