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Die Hungerkrisen der "Kleinen Eiszeit"

Veröffentlicht am 9. Februar 2015, 10:58 Uhr

Tagung an der Universität Bielefeld befasst sich mit Klimawandel und Gesellschaft

Laut Welthunger-Index sind rund 805 Millionen Menschen weltweit unterernährt. Damit macht die Welthungerhilfe deutlich, dass Hungerkrisen eine Gegenwartsfrage bleiben. Wie wurden solche Herausforderungen in der Vergangenheit bewältigt? Historiker, Geographen und Politikwissenschaftler diskutieren am 19. und 20. Februar die Einflüsse von Klimafaktoren und gesellschaftlichen Entwicklungen auf die Entstehung von Hungerkrisen in der „Kleinen Eiszeit“ (1300-1800). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld zusammen.

„Hungerkatastrophen ereignen sich an der Nahtstelle von Natur und Kultur. Untersuchungen in diesem Feld werden durch disziplinäre Grenzziehungen erschwert“, sagt der Historiker Dr. Dominik Collet von der Universität Heidelberg. Er leitet die Tagung zusammen mit seinem Heidelberger Kollegen Dr. Maximilian Schuh.

„Hungerkatastrophen können sowohl biophysikalische als auch gesellschaftliche Ursachen haben“, sagt Collet. Die Natur spielt zum Beispiel dann eine Rolle, wenn zu viel Sonne oder zu viel Regen die Ernte in einer Region unmöglich machen. Gesellschaftliche Ursachen für eine Hungersnot können Bürgerkriege sein oder Börsen-Spekulationen mit Nahrungsmitteln, die zu steigenden Preisen führen. „Der populäre Verweis auf die dramatischen Auswirkungen von ausschließlich klimainduzierten Hungersnöten der Vergangenheit beruht daher zumeist auf Mutmaßungen“, sagt Dr. Maximilian Schuh.

Deshalb bringt der Workshop Forscher aus den Natur-, Sozial- und Kulturwissenschaften zusammen, die vor dem Hintergrund neuerer Ansätze ausloten, wie sich natürliche und gesellschaftliche Faktoren zueinander verhalten. „In Hungerkrisen wird die Verflechtung von natürlicher Umwelt und sozialem Handeln in besonderem Maße sichtbar“, betont Dominik Collet.

Die Tagungsveranstalter streben nach einem integrativen Ansatz: Er soll Baumringe als „Archive der Natur“ ebenso berücksichtigen wie „Archive der Gesellschaft", etwa historische Darstellungen und Chroniken.

Die Tagung mit 23 Forschern aus acht Nationen konzentriert sich auf Agrargesellschaften der „Kleinen Eiszeit“ (1300-1800), in denen Hungerkrisen besonders häufig auftraten. Der Fokus liegt auf Europa und Asien. Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch.

Weitere Informationen im Internet:

http://www.uni-bielefeld.de/(de)/ZIF/AG/2015/02-19-Collet.html

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