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Die Frauenbewegung und ihre Ableger

Veröffentlicht am 10. Februar 2015, 10:30 Uhr

Doppelkonferenz an der Universität Bielefeld zur Geschlechterforschung

Ob die feministische Punkband Pussy Riot, die Frauenrechtsgruppe Femen oder die Twitter-Aktion #Aufschrei, die sich gegen Sexismus wendete: „Die Ziele der Frauenbewegung sind nicht mehr so einfach wie in den 1960ern. Die Bewegung ist gewachsen und hat politische und wissenschaftliche Erweiterungen bekommen. Geschlechterbewegung ist dafür der passendere Begriff“, sagt Dr. Birgitta Wrede vom Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung (IFF) der Universität Bielefeld. Was die heutige Geschlechterforschung ausmacht – damit befasst sich eine Doppelkonferenz vom 12. bis 14. Februar in der Universität Bielefeld. „Die neuen Bewegungen haben nicht mehr alleine Frauen im Blick. Die Ziele reichen vom Recht auf ein uneindeutiges Geschlecht über die Möglichkeiten homosexueller Paare, Kinder zu bekommen, bis hin zu neuen Beziehungskonstellationen“, sagt Wrede, die die Konferenzen mit organisiert.

Für die Doppelkonferenz haben sich zwei Gruppierungen zusammengetan: Am 12. und 13. Februar tagt die „Konferenz der Einrichtungen für Frauen- und Geschlechterstudien im deutschsprachigen Raum“ (KEG). Am 13. und 14. folgt die Konferenz der Fachgesellschaft Geschlechterstudien. Insgesamt werden 200 Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erwartet. Unter ihnen sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Soziologie, Ethnologie, Psychologie, Geschichte, Medizin, Erziehungswissenschaft, Gesundheitswissenschaften, Technik- und Ingenieurwissenschaften, Kulturwissenschaft, Musik- und Kunstwissenschaften sowie Praktikerinnen und Praktiker, Aktivistinnen und Aktivisten aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen.

Die KEG setzt sich auf ihrer Tagung vor allem damit auseinander, inwieweit Geschlechterforschung an deutschen Hochschulen verankert ist und wie sie in Studiengängen vermittelt wird.

Die Fachgesellschaft Geschlechterstudien diskutiert unter dem Motto „Bewegung/en“ aktuelle wissenschaftliche Debatten. Die Tagung ist in sieben Panels gegliedert, Themenrunden mit jeweils vier Vorträgen und anschließender Diskussion. Im Panel „Frauenbewegungen“ berichtet etwa die Soziologin Dr. Imke Schmincke (Ludwig-Maximilians-Universität München), welche Wirkung Studierende zwischen 1981 und 2012 Frauen zuschreiben. Die Soziologin Antje Daniel (Universität Bayreuth) spricht über Frauenbewegungen in Brasilien. Die Politikwissenschaftlerin Aslı Polatdemir und die Kulturwissenschaftlerin Charlotte Binder (beide Universität Bremen) gehen auf Frauenbewegungen in der Türkei ein und erklären, welche politischen Bündnisse diese Gruppen eingehen.

In einem weiteren Panel geht es um „Russland und den westlichen Blick“. Die Genderforscherin Masha Neufeld (Technische Universität Dresden und Universität Wien) stellt vor, wie der „Gay Pride“-Trend nach Russland importiert wurde. Der Begriff stammt aus der Lesben- und Schwulenbewegung und beschreibt den selbstbewussten Umgang mit der eigenen sexuellen Identität. Neufeld geht auch darauf ein, wie die russische Gesellschaft auf „Gay Pride“-Bewegungen reagiert. Im Panel „Geschlechter(un)ordnung“ wird thematisiert, wie Weiblichkeit und Männlichkeit inszeniert werden. Hier spricht unter anderem Nadine Sanitter (Fachhochschule Erfurt) darüber, wie Männlichkeit im Musikgenre Indie-Rock dargestellt wird. In dem Panel „Biopolitiken“ präsentiert beispielsweise Dr. Ulrike Klöppel von der Humboldt-Universität Berlin, wie sich die Aidskrise in Deutschland auf das Verhältnis der Menschen zu Sexualität auswirkt.

Eine Brückenveranstaltung verbindet die beiden Tagungen unter dem Titel „(Wohin) bewegen sich die Gender Studies?“. Sie beginnt am 13. Februar um 12.30 Uhr. Die Tagungssprache beider Konferenzen ist deutsch. Pressevertreterinnen und -vertreter sind herzlich eingeladen, über die Veranstaltung zu berichten. Um Anmeldung im Tagungsbüro wird gebeten.

Weitere Informationen im Internet:
Programm der 13. Arbeitstagung der „Konferenz der Einrichtungen für Frauen- und Geschlechterstudien im deutschsprachigen Raum“ (KEG): http://www.uni-bielefeld.de/IFF/keg/programm
Programm der 5. Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien (FG): http://www.uni-bielefeld.de/IFF/fg/programm

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