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Wie Kooperation Schule machen kann

Veröffentlicht am 27. April 2018, 10:47 Uhr
Bielefelder Forschende entwickeln Fortbildung für inklusive Schulen

Tragfähige, vertrauensvolle Kooperation innerhalb von Schulen und zwischen Schule und Elternhaus ist wichtig. Sie kann nicht nur eine effektive Zusammenarbeit der Erwachsenen fördern, sondern auch zum Wohlbefinden und zur Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler beitragen. Zu diesem Schluss kommen vor allem Studien aus dem Ausland. Die hiesige Forschung zeigt jedoch, dass derart effektive Kooperationsbeziehungen in Deutschland nur selten institutionell verankert sind. Um das zu ändern, entwickeln Forscherinnen und Forscher aus Sonderpädagogik und Pädagogischer Psychologie der Universität Bielefeld im neuen Projekt „Bielefelder Fortbildungskonzept zur Kooperation in inklusiven Schulen“ (BiFoKi) eine interdisziplinäre Fortbildung für Schulleitungen, Jahrgangsteams und Eltern. Durch die Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) können 30 inklusive Gesamtschulen und Sekundarschulen in Nordrhein-Westfalen an der kostenlosen Fortbildung teilnehmen.

Leiten das Projekt BiFoKi: Prof.‘in Dr. Birgit Lütje-Klose, Dr. Julia Gorges, Phillip Neumann und Prof.‘in Dr. Elke Wild. Foto: Universität Bielefeld
Leiten das Projekt BiFoKi: Prof.‘in Dr. Birgit Lütje-Klose, Dr. Julia Gorges, Phillip Neumann und Prof.‘in Dr. Elke Wild. Foto: Universität Bielefeld
Ziel ist es, langfristig tragende Kooperationsstrukturen in der sich neu konfigurierenden fünften Jahrgangsstufe zu etablieren. In dem Projekt wird somit das diesjährige, am 5. Mai zelebrierte Motto der "Aktion Mensch" aufgegriffen: Inklusion von Anfang an - in der neuen Schule, der neuen Klasse und im neuen Jahrgangsteam.




Prof.'in Dr. Birgit Lütje-Klose. Foto: Universität Bielefeld
Prof.'in Dr. Birgit Lütje-Klose. Foto: Universität Bielefeld
„Kooperation wird an vielen Schulen noch zu wenig systematisch verfolgt und gelingt dann eher zufällig. Das wollen wir ändern“, sagt Professorin Dr. Birgit Lütje-Klose, die in der Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld zu schulischer Inklusion und sonderpädagogischer Professionalität forscht. Sie leitet gemeinsam mit Professorin Dr. Elke Wild, Dr. Julia Gorges (Pädagogische Psychologie) und Phillip Neumann (Erziehungswissenschaft) an der Universität Bielefeld das Projekt BiFoKi.

Gelingende Kooperationsbeziehungen innerhalb der Schule ebenso wie zwischen Elternhaus und Schule setzen die Verständigung auf ein gemeinsames Leitbild voraus, auf dessen Basis konkrete (Teil-)Ziele entwickelt und konkrete Maßnahmen beschlossen werden können. Die Fortbildungen in BiFoKi folgen dieser Leitidee und beziehen dabei alle Akteure in erzieherischer Verantwortung ein.

Prof.'in Dr. Elke Wild. Foto: Universität Bielefeld
Prof.'in Dr. Elke Wild. Foto: Universität Bielefeld
Genau hier kommt die interdisziplinäre Zusammensetzung der Projektleitung zum Tragen: Während das pädagogisch-psychologische Team von Elke Wild und Julia Gorges umfangreiche Forschungserfahrungen zum Thema Bildungspartnerschaft von Schule und Elternhaus und Fortbildungsmotivation mitbringt, arbeitet das sonderpädagogische Team um Birgit Lütje-Klose und Phillip Neumann seit vielen Jahren zur multiprofessionellen Kooperation im Kontext von Inklusion. Der hohe Bedarf an Fortbildung zu diesen Themen spiegelt sich in den vielen Anfragen, die die Forscherinnen seit Jahren bekommen.

Dr. Julia Gorges. Foto: Universität Bielefeld
Dr. Julia Gorges. Foto: Universität Bielefeld
Die Idee, beide Themenschwerpunkte systematisch zu verzahnen, entstand aus dem gemeinsamen „Vorgängerprojekt“ BiLieF, der „Bielefelder Längsschnittstudie zum Lernen in inklusiven und exklusiven Förderarrangements“. Vertiefende Analysen zu ausgewählten Schulen zeigten, dass sich Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen in Schulen mit ausgeprägten kooperativen Strukturen und Kulturen im Kollegium besonders wohl fühlten und einen besonders hohen Lernerfolg hatten.

Das BiFoKi-Projekt schließt an diese Befunde an und berücksichtigt vordringlich Bedarfe vieler sich inklusiv aufstellender Ganztagsschulen im Sekundarbereich. Hier ist von erhöhten Kooperationserfordernissen auszugehen, weil verschiedene Professionsgruppen für den Unterricht, gezielte Förderangebote und die Ganztagsbetreuung zuständig sind und alle im Austausch mit Eltern stehen. Gerade zum Start in der weiterführenden Schulklasse können hier wichtige Weichen gestellt werden.

Die Fortbildungen in BiFoKi werden in zwei aufeinander folgenden Zeitfenstern realisiert. Die erste Gruppe von 15 Schulen startet zu Beginn des Schuljahrs 2018/19, die zweite Gruppe im Schuljahr 2019/20. Für beide Durchgänge suchen die Bielefelder Wissenschaftlerinnen und Wis-senschaftler noch teilnehmende Schulen.

Phillip Neumann. Foto: Universität Bielefeld
Phillip Neumann. Foto: Universität Bielefeld
Neben der Durchführung der Fortbildungsmodule ist die Erforschung der hierdurch erzielten Wir-kungen ein ebenso wichtiger Teil des Projekts. „Anders als in vielen anderen Fortbildungsevaluationen wird die Wirkung hier auf allen Ebenen untersucht, also unter Einbeziehung aller Akteurinnen und Akteure“, sagt Elke Wild. Konkret werden vor, direkt nach und erneut mit einigem Zeitabstand nach den Fortbildungseinheiten Erhebungen durchgeführt, um zu prüfen, inwiefern Veränderung in der Kooperationsqualität zu beobachten sind und diese auf den Lernerfolg und das schulbezogene Wohlbefinden von Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf durchschlagen.  

Langfristig könnte das Bielefelder Fortbildungskonzept an das Programm der Qualitäts- und UnterstützungsAgentur – Landesinstitut für Schule NRW (QUA-LiS) angedockt und so noch mehr Schulen zugänglich gemacht werden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert BiFoKi über einen Zeitraum von zunächst drei Jahren mit rund einer Million Euro.

Weitere Informationen:
www.bifoki.de
www.bilief.de

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