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Aus der Perspektive der Betroffenen

Veröffentlicht am 6. Juni 2018, 14:05 Uhr

Projekt zu technikunterstützter Versorgung von Demenzpatientinnen und Demenzpatienten bewilligt

Aktuell leben in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Welche Bedürfnisse haben diese Menschen und deren Angehörigen im Rahmen einer technikunterstützten, pflegerischen Versorgung? Damit befassen sich die Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld und das Evangelische Klinikum Bethel in Bielefeld im Projekt „Technikunterstützte Versorgung der Zukunft bei beginnender und leichtgradiger Demenz“. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen hat das Projekt in seiner Förderlinie „Innovative Medizin in der digitalen Gesellschaft“ nun bewilligt und fördert es für die Laufzeit von zwei Jahren mit über 300.000 Euro. Dr. Christoph Dockweiler und Professorin Dr. Claudia Hornberg von der Universität Bielefeld sowie Dr. Christoph Karlheim und Dr. Stefan Kreisel vom Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) leiten das Projekt.


Das Projektteam: Dr. Christoph Karlheim, Sarah Palmdorf, Tristan Müskens, Dr. Stefan Kreisel, Dr. Christoph Dockweiler und Prof.‘in Dr. Claudia Hornberg (v.l.)
Das Projektteam: Dr. Christoph Karlheim, Sarah Palmdorf, Tristan Müskens, Dr. Stefan Kreisel, Dr. Christoph Dockweiler und Prof.‘in Dr. Claudia Hornberg (v.l.). Foto: Universität Bielefeld
Von Apps und Navigationsassistenten über Roboter zur Förderung der sozialen Interaktion bis hin zur Technik, die den Austausch mit Ärztinnen und Ärzten erleichtert – die Versorgung von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, und die Unterstützung pflegender Angehöriger wird zunehmend technischer. Vor diesem Hintergrund gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Bielefeld zusammen mit der Abteilung für Gerontopsychiatrie und der Abteilung Innovation & Forschung des EvKB mit dem Projekt „Technikunterstützte Versorgung der Zukunft bei beginnender und leichtgradiger Demenz“ den Fragen nach, wie die Betroffenen ihre Situation wahrnehmen, wie Technologien zur Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen gestaltet sein müssen und welche ethischen Fragen die Entwicklung aufwirft. „Die Herausforderung einer bedarfsgerechten Umsetzung und Nutzung von Gesundheitstechnologien lässt sich nicht allein durch die Prämisse des ‚technisch Möglichen‘ lösen, sondern muss sich am ‚technisch Nötigen‘ orientieren. Dies ist der Kern unseres Erkenntnisinteresses“, erläutert Dr. Christoph Dockweiler.

Die Projektbeteiligten wenden mehrstufige Verfahren der qualitativen Sozialforschung an. Dabei setzen sie sich mit den Perspektiven von Menschen mit beginnender Demenz und deren Angehörigen sowie Versorgungsakteurinnen und -akteuren auf die aktuelle technische Entwicklung in Einzelinterviews, Fokusgruppen und Workshops auseinander. „Das qualitative Design des Projektes ermöglicht auf der einen Seite eine Offenheit den verschiedenen Akteursgruppen gegenüber und es trägt auf der anderen Seite dazu bei, die Daten tiefer und breiter zu analysieren“, sagt Dr. Christoph Karlheim, Leiter der Stabstelle Innovation & Forschung am EvKB. Das Ziel des Projekts: die Nutzungsorientierung technikunterstützter Versorgung fördern und Betroffene dazu befähigen, an ihrer Versorgung bedarfs-, bedürfnis- und diversitätssensibel teilzunehmen. „Durch diesen Ansatz – die Zielgruppen in den Forschungsprozess zu integrieren – tragen die Universität Bielefeld zusammen mit dem Evangelischen Klinikum Bethel dazu bei, den Dialog ‚mit‘ den Betroffenen zu führen und nicht ‚über‘ sie“, so Professorin Dr. Claudia Hornberg, Gesundheitswissenschaftlerin an der Universität Bielefeld.

Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien, um die Selbstständigkeit älterer Menschen mit physischen, sensorischen oder kognitiven Einschränkungen zu unterstützen, wird seit einigen Jahren verstärkt wissenschaftlich erprobt. Ziel ist es, einen Beitrag zu leisten, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und pflegenden Angehörigen zu erhalten und steigern. Moderne Technologien sollen unter anderem gewährleisten, dass die Betroffenen weiterhin mobil sind und selbstständig ihren Haushalt führen können. Sie dienen darüber hinaus der kognitiven Aktivierung, der Überwachung wichtiger Vitaldaten der Patientinnen und Patienten oder dem Austausch mit pflegerischen und medizinischen Fachpersonal per Video. Dazu Dr. Stefan Kreisel, der als ärztlicher Leiter der Abteilung für Gerontopsychiatrie die besonderen Bedürfnisse dieser Gruppe und ihres Umfeldes aus erster Hand kennt: „Neue Technologien bieten ein großes Potenzial für die Versorgung der Betroffenen. Sie müssen sich jedoch an den Lebensrealitäten und Möglichkeiten der Menschen orientieren, damit diese Potenziale auch erfahrbar werden. Hierzu werden wir einen wichtigen Beitrag leisten.“

 

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