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Wie die Stasi-Mitarbeiter "tickten" und was sie heute über ihre Vergangheit denken

Veröffentlicht am 11. Mai 2017, 20:39 Uhr

Im Rahmen eines eigenen DFG-Projekts hat Uwe Krähnke vom Arbeitsbereich "Methoden der empirischen Sozialforschung" die Angehörigen des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) beforscht. Gestützt auf über 70 biografische Interviews mit ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern und Sekundärdaten aus deren Dienststellen wurde untersucht, wie "ganz normale Menschen" dazu kamen, in das Mfs einzutreten und sich für einen Dienst auf Lebenszeit in diesem repressiven Herrschaftsorgan zu verpflichten. Was waren ihre Motivationsgrundlagen und Wertvorstellungen und wie fügten sie sich in die Organisationsstrukturen ein? Wie gestaltete sich ihr Lebensalltag und was wurde aus ihnen nach der Auflösung des MfS und dem Zusammenbruch der DDR?

Die Untersuchungsergebnisse dieser ersten soziologischen Studie über den DDR-Geheimdienst und sein Personal münden in die These von der "Banalität der Stasi". Demnach lässt sich die Mitwirkung der Stasi-Mitarbeiter an den repressiven Überwachungs- und Machtpraktiken des MfS damit erklären, dass sie selbst diese übergriffigen Praktiken ihres Ministeriums am eigenen Leibe täglich erfahren und als selbstverständlich hingenommen hatten. Aufgrund dieser Gewöhnung hielten es die Stasi-Mitarbeiter für vollkommen normal und sogar legitim, dass auch die Privatsphäre und Freiheitsrechte anderer keine Tabuzone darstellten. Die Übergriffigkeit des MfS auf das Privatleben hatte für den Rest der Bevölkerung ebenfalls zu gelten – und erst recht für diejenigen, die als Oppositionelle, Andersdenkende, Dissiden­ten oder Personen mit eigen(sinnig)en Lebensentwürfen aus dem staatlich verordneten Gesellschaftsprojekt des "Sozialismus" aussteigen wollten. Wenn es nach den hauptamtlichen MfS-Mitarbeitern gegangen wäre, hätten alle DDR-Bürger die geheimdienstlich-geheimpolizeiliche Überwachung der Stasi hinnehmen müssen, wie sie es selbst wissentlich und willentlich taten.

Weitere Informationen zur Studie, die gerade beim Campus-Verlag als Buch veröffentlicht wurde.

Im Deutschlandfunk spricht Uwe Krähnke über die Stasi-Thematik mit Isabell Fannrich in der Sendung vom 9. März 2017 "Was war die Stasi?" in der Reihe: "Aus Kultur und Sozialwissenschaften.

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